Wort und Musik im Dialog

In vielfältigen Gottesdienstformaten treffen Wort und Musik auf überraschende und inspirierende Weise zusammen: improvisierter Jazz, poetische Texte, Barockmusik oder Tanz schaffen neue Zugänge zu Liturgie und Spiritualität.
Liturgie, Poesie und Musik finden in speziellen Gottesdienstformaten der reformierten Kirchgemeinde oft in einer inspirierenden Symbiose zusammen. So wird die liturgische Tradition gern mit frischen Elementen aus verschiedenen Kunstformen kombiniert – wodurch sich neue Perspektiven auf den Glauben und die Spiritualität eröffnen. Musik und Wort treten in einen Dialog, der Raum für individuelle Inspiration und gemeinsame Entdeckungsreisen schafft.
Jazz trifft Kirche
Ein Beispiel dafür ist die Jazzkirche in der Neuen Kirche Albisrieden. Sie wurde 2021 von Pfarrer Martin Scheidegger ins Leben gerufen. Der Jazzliebhaber liess sich vom internationalen Netzwerk Bluechurch inspirieren. Dessen Idee «jazz meets church» ist es, mit Musik eine Brücke zwischen den traditionellen sakralen Räumen und der lebendigen, improvisationsbasierten Welt des Jazz zu schlagen. Martin Scheidegger: «Jazz und Glauben haben viele Berührungspunkte. Bei beiden geht es um Freiheit, Experimentieren und Improvisation.»
Zwei Formate, ein Ziel
Bislang bietet das engagierte Team um Pfarrer Scheidegger zwei Formate an: die Jazzgottesdienste und Share’n’Jazz. Letzteres ist experimentell und partizipativ gestaltet. Zu Beginn wird ein Bibeltext vorgelesen, woraufhin die Anwesenden eingeladen sind, durch Worte oder Instrumente ihre individuellen Reaktionen zum Ausdruck zu bringen. «Im Vordergrund steht das Gesamtkunstwerk, das sich durch die einzelnen Wort- und Musikbeiträge im Verlauf des Abends ergibt», so der Pfarrer.
Die Jazzgottesdienste erfreuen sich grosser Beliebtheit. Pfarrer Martin Scheidegger betont die besondere Atmosphäre, in der Wort und Musik improvisierend ineinandergreifen und die Gottesdienste als meditativ und spirituell erlebt werden.
Magie von Musik und Wort
Auch für Tobias Willi vermag die Zwiesprache zwischen Musik und Wort ihren ganz eigenen Zauber zu schaffen: Der Organist und Leiter des Profils Kirchenmusik an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) hat die Dienstagsvesper in der Johanneskirche ins Leben gerufen. «Sie lädt ein, im Alltag kurz innezuhalten und sich der Musik, einem Psalm und einem Wortimpuls hinzugeben », so Tobias Willi. «Dabei entsteht wertvoller Raum für das eigene Erleben und die persönliche Interpretation.»
Von Gregorianik bis Gospel
Die Dienstagsvesper ist eine Kooperation zwischen der Johanneskirche und der ZHdK, weshalb neben den Musikern und Ensembles der Gemeinde auch immer wieder Studierende die Feier mitgestalten – begleitet vom Pfarrteam und von Tobias Willi. Die Liturgie wird abwechselnd mit Chor-, Ensemble- und Orgelmusik verschiedener Epochen und Stilrichtungen kombiniert. «Das Spektrum reicht von gregorianischem Gesang über Barockmusik bis hin zu Gospel – wir schöpfen aus einem unendlichen Fundus und erstellen immer wieder ein neues Mosaik der Künste.»
Gemeinsame Vorbereitung, lebendiger Dialog
Wortbeiträge aus der Bibel und zeitgenössische Texte runden die Liturgie und Musikbeiträge in der Vesper ab. Tobias Willi: «Wir verstehen Wort und Musik dabei als Dialog-Partner, die sich ergänzen und einen Resonanzraum öffnen.» Das Organisationsteam legt auch deshalb grossen Wert auf eine gemeinsame Vorbereitung der Dienstagsvesper: «Der liturgische Rahmen bleibt gleich, und wir halten uns an eine Leseordnung », sagt die Pfarrerin Tania Oldenhage. Sie gestaltet zusammen mit ihrer Pfarrkollegin Nathalie Dürmüller die Liturgie: «In der Vorbereitung zu einer Vesper reagiere ich auf die Impulse der Musiker:innen. So treten Theologie und Musik in einen echten Dialog, und es entstehen neue Zugänge zu bekannten Inhalten.»
Vielfalt musikalischer Gottesdienste
Neben der Dienstagsvesper in der Johanneskirche und der Jazzkirche in Albisrieden bieten auch viele weitere Kirchen Gottesdienstformate an, die Wort und Musik ineinandergreifen lassen – und so spirituelle Resonanzräume schaffen. In der Kirche Enge findet mehrmals jährlich der Gottesdienst Brot & Rosen statt. Diese musikalische Meditation verbindet berührende Livemusik mit ausgewählten Geschichten und Gedichten. An den Gottesdiensten Songs and Words in der Kirche Oberstrass präsentieren lokale Musiker:innen ihre Lieder und laden ein, in ihr Denken und Empfinden durch ihre Musik einzutauchen. Dazu werden ausgewählte Wortbeiträge vorgelesen.
Wort und Musik ist ein starkes Duo, das neue Perspektiven eröffnen mag – ob mit improvisierter Jazzmusik, meditativen Klängen oder mit gefühlvollen Darbietungen von Singer-Songwriter:innen. Eines haben all diese musikalischen Ausdrucksformen gemeinsam: Sie haben das Potenzial, Herzen zu öffnen und Glaubensgemeinschaften zu festigen.




Newsletter abonnieren
Bleiben Sie über News und Veranstaltungen unserer Kirchgemeinde auf dem Laufenden.