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Wort und Musik im Dialog
Gottesdienste & Feiern

Wort und Musik im Dialog

Innehalten, zuhören, mitsingen: Zürcher Kirchen laden mit viel­fältigen Musik- und Wort­formaten zu spiri­tuellen Erfahrungen und neuen Perspek­tiven ein.
26.06.2025Kirchgemeinde
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Die Mit­wirkenden des Jazz­gottes­dienstes im April 2024
Die Mit­wirkenden des Jazz­gottes­dienstes im April 2024 Lukas Bärlocher

In viel­fäl­tigen Gottes­dienst­formaten treffen Wort und Musik auf über­raschende und inspi­rierende Weise zusammen: impro­visierter Jazz, poetische Texte, Barock­musik oder Tanz schaffen neue Zugänge zu Litur­gie und Spiri­tuali­tät.

Liturgie, Poesie und Musik finden in speziellen Gottes­dienst­formaten der refor­mierten Kirch­gemeinde oft in einer inspi­rierenden Symbiose zusammen. So wird die litur­gische Tradi­tion gern mit frischen Elementen aus ver­schiedenen Kunst­formen kombi­niert – wodurch sich neue Pers­pek­tiven auf den Glauben und die Spiri­tuali­tät eröffnen. Musik und Wort treten in einen Dialog, der Raum für indi­viduelle Inspi­ration und gemein­same Ent­deckungs­reisen schafft.

Jazz trifft Kirche

Ein Bei­spiel dafür ist die Jazz­kirche in der Neuen Kirche Albis­rieden. Sie wurde 2021 von Pfarrer Martin Scheidegger ins Leben gerufen. Der Jazz­lieb­haber liess sich vom inter­natio­nalen Netz­werk Blue­church inspi­rieren. Dessen Idee «jazz meets church» ist es, mit Musik eine Brücke zwischen den tradi­tionellen sakralen Räumen und der leben­digen, impro­visa­tions­basierten Welt des Jazz zu schlagen. Martin Scheidegger: «Jazz und Glauben haben viele Berührungs­punkte. Bei beiden geht es um Frei­heit, Experi­mentieren und Impro­visation.»

Zwei Formate, ein Ziel

Bislang bietet das enga­gierte Team um Pfarrer Scheidegger zwei Formate an: die Jazz­gottes­dienste und Share’n’Jazz. Letzteres ist experi­mentell und parti­zipa­tiv gestal­tet. Zu Beginn wird ein Bibel­text vor­gelesen, worauf­hin die Anwesenden eingeladen sind, durch Worte oder Instru­mente ihre indivi­duellen Reak­tionen zum Aus­druck zu bringen. «Im Vorder­grund steht das Gesamt­kunst­werk, das sich durch die einzelnen Wort- und Musik­beiträge im Ver­lauf des Abends ergibt», so der Pfarrer.

Die Jazz­gottes­dienste erfreuen sich grosser Beliebt­heit. Pfarrer Martin Scheidegger betont die besondere Atmo­sphäre, in der Wort und Musik improvi­sierend inein­ander­greifen und die Gottes­dienste als meditativ und spiri­tuell erlebt werden.

Magie von Musik und Wort

Auch für Tobias Willi vermag die Zwie­sprache zwischen Musik und Wort ihren ganz eigenen Zauber zu schaffen: Der Organist und Leiter des Profils Kirchen­musik an der Zürcher Hoch­schule der Künste (ZHdK) hat die Dienstags­vesper in der Johannes­kirche ins Leben gerufen. «Sie lädt ein, im All­tag kurz inne­zuhalten und sich der Musik, einem Psalm und einem Wort­impuls hinzu­geben », so Tobias Willi. «Dabei entsteht wert­voller Raum für das eigene Erleben und die persön­liche Inter­pre­tation.»

Von Gregorianik bis Gospel

Die Dienstags­vesper ist eine Koope­ration zwischen der Johannes­kirche und der ZHdK, weshalb neben den Musikern und Ensembles der Gemeinde auch immer wieder Stu­dierende die Feier mit­gestalten – beglei­tet vom Pfarr­team und von Tobias Willi. Die Litur­gie wird ab­wechselnd mit Chor-, Ensemble- und Orgel­musik ver­schiedener Epochen und Stil­richtungen kombi­niert. «Das Spek­trum reicht von grego­rianischem Gesang über Barock­musik bis hin zu Gospel – wir schöpfen aus einem unend­lichen Fundus und erstellen immer wieder ein neues Mosaik der Künste.»

Gemeinsame Vorbereitung, lebendiger Dialog

Wort­beiträge aus der Bibel und zeit­genössische Texte runden die Litur­gie und Musik­bei­träge in der Vesper ab. Tobias Willi: «Wir ver­stehen Wort und Musik dabei als Dialog-Partner, die sich ergänzen und einen Reso­nanz­raum öffnen.» Das Organi­sa­tions­team legt auch deshalb grossen Wert auf eine gemein­same Vor­berei­tung der Dienstags­vesper: «Der litur­gische Rahmen bleibt gleich, und wir halten uns an eine Lese­ordnung », sagt die Pfarrerin Tania Oldenhage. Sie gestal­tet zusammen mit ihrer Pfarr­kollegin Nathalie Dürmüller die Liturgie: «In der Vor­berei­tung zu einer Vesper rea­giere ich auf die Impulse der Musi­ker:innen. So treten Theo­logie und Musik in einen echten Dia­log, und es ent­stehen neue Zugänge zu bekannten In­halten.»

Vielfalt musikalischer Gottesdienste

Neben der Dienstags­vesper in der Johannes­kirche und der Jazz­kirche in Albis­rieden bieten auch viele weitere Kirchen Gottesdienstformate an, die Wort und Musik ineinandergreifen lassen – und so spiri­tuelle Resonanz­räume schaffen. In der Kirche Enge findet mehr­mals jähr­lich der Gottes­dienst Brot & Rosen statt. Diese musi­kalische Medi­tation verbindet berührende Live­musik mit aus­gewählten Geschichten und Gedichten. An den Gottes­diensten Songs and Words in der Kirche Ober­strass präsen­tieren lokale Musi­ker:innen ihre Lieder und laden ein, in ihr Denken und Empfinden durch ihre Musik ein­zu­tauchen. Dazu werden aus­gewählte Wort­beiträge vor­gelesen.

Wort und Musik ist ein starkes Duo, das neue Per­spek­tiven eröffnen mag – ob mit impro­visierter Jazz­musik, medi­tativen Klängen oder mit gefühl­vollen Dar­bietungen von Singer-Song­writer:innen. Eines haben all diese musi­kalischen Aus­drucks­formen gemeinsam: Sie haben das Poten­zial, Herzen zu öffnen und Glaubens­gemein­schaften zu festigen.

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