Viel mehr als «nur Tiere»

Jeden Tag bellte der Hund voller Vorfreude, wenn es Zeit war, Gassi zu gehen. Jeden Morgen sprang die Katze aufs Bett und maunzte so lange, bis sie etwas zu essen bekam. Jeden Abend zwitscherte der Kanarienvogel seine schönsten Arien, wenn im Fernsehen die Nachrichten liefen.
Und plötzlich herrscht Stille. Weil Bello, Kittie und Hansi den Weg alles Irdischen gegangen sind. Sicher, jeder Haustierbesitzer, jede Haustierbesitzerin weiss, dass dieser Tag einmal kommen wird. Vorbereitet ist man darauf trotzdem nicht – schon gar nicht auf die Leere, welche die tierischen Begleiter hinterlassen.
Ein grosses Bedürfnis
«In solchen Momenten fühlen sich Haustierbesitzerinnen und Haustierbesitzer oft ein wenig allein gelassen und in ihrer Trauer unverstanden», weiss Patrick Schwarzenbach, Pfarrer an der Citykirche Offener St. Jakob. Wer selbst nicht von Haustieren umgeben ist, kann kaum ermessen, dass Haustiere eben mehr sind als «nur Tiere». Sie sind oft langjährige Begleiter, Freunde und zuweilen wohl auch Kummerkästchen. «Trauer ist Trauer», sagt der Pfarrer, «im Moment des Verlusts ist einem ein Haustier oft ebenso nah wie ein Mensch.»
Ähnliche Erfahrungen machen die Verantwortlichen des Arbeitskreis Kirche und Tiere (AKUT), der auf dem Friedhof Nordheim ein Themen-Mietgrab «Mensch-Tier» anbietet. Dort können sich Menschen gemeinsam mit ihren Haustieren im Rahmen einer Urnenbestattung beisetzen lassen. «Menschen haben das Bedürfnis, von ihren Haustieren gebührend Abschied zu nehmen und sich ihrer zu erinnern», so Patrick Schwarzenbach.

Das Leben zelebrieren, die Vergänglichkeit betrauern
Aus diesen Gründen findet in der Citykirche Offener St. Jakob schon seit einigen Jahren jeweils im November in Zusammenarbeit mit AKUT eine Trauerfeier für geliebte Tiere statt. In diesem Jahr fällt sie zusammen mit dem Abschluss des Día de los Muertos, dem Tag der Toten, an dem in Mexiko traditionell der Verstorbenen gedacht wird. «Mit dieser Verbindung ordnen wir den Tod tierischer Begleiter in einen grösseren Rahmen ein», sagt Patrick Schwarzenbach.
Die Kirche wird entsprechend geschmückt sein, und eine mexikanische Band wird für die musikalische Untermalung sorgen. Es ist eine spezielle Art des Gedenkens, die gleichzeitig das Leben der Hinterbliebenen zelebriert, an die Verstorbenen erinnert und die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen führt. «Es ist sehr eindrücklich», sagt der Pfarrer, «und natürlich sind an der Trauerfeier auch Haustiere willkommen.»
Gottesdienst mit «Wau»-Effekt
Einmal im Jahr geht es tierisch zu in der Citykirche Offener St. Jakob in Zürich, denn am Pfingstsonntag werden bei einem Familiengottesdienst traditionell Haustiere zum Segen eingeladen.


