Wahlen des Kirchgemeindeparlaments und der Kirchenpflege der reformierten Kirche Zürich

Am 17. November 2019 wählen wir das erste Mal in der reformierten Kirche Zürich unser neues Kirchgemeindeparlament sowie die Kirchenpflege an der Urne. Das ist eine Chance für einen Aufbruch und für frischen Wind in unserer noch  jungen Kirchgemeinde Zürich.

ÜBER MUT, TATKRAFT UND FREUDE


Es ist ein historisches Ereignis: Erstmals wählt die reformierte Kirchgemeinde Zürich ihre Kirchenpflege sowie das Kirchenparlament an der Urne. An dem ersten von zwei öffentlichen Hearings der Kandidierenden für die Kirchenpflege gab es einen regen Austausch.

Neun Personen haben sich für die siebenköpfige Exekutive beworben. An dem Hearing stellten sie sich den Fragen der Publizistin Esther Girsberger. Rund 80 Personen waren für die zweistündige Diskussionsrunde nach Oerlikon gereist - und auch sie wollten einiges von den Kandidierenden wissen.  An dem Hearing kamen zentrale Themen wie Nachhaltigkeit, Jugend, der Bildungsauftrag der Kirche, der Verwaltungsapparat, aber auch die Kirchenaustritte zur Sprache.

 

Barbara Becker Anke Beining-Wellhausen Michael Braunschweig Claudia Bretscher Michael Hauser Duncan Guggenbühl Annelies Hegnauer Henrich Kisker Res Peter

 

«Wieso wollen Sie das Präsidium?»

Dass zu jedem Themenbereich alle Kandidierenden etwas sagen können, bezeichnete Esther Girsberger als «ein Ding der Unmöglichkeit». So richtete sie sich gezielt mit thematischen Schwerpunkten an einzelne Gesprächsteilnehmende. Die drei Kandidierenden für das Präsidium standen dabei in einem besonderen Fokus: «Wieso wollen Sie das Präsidium?», fragte die Moderatorin.

Res Peter: «Es ist das interessanteste, das verantwortungsvollste und das spannendste Amt in der Schweizer Kirchenlandschaft.» Annelies Hegnauer, die als Mitglied der Übergangskirchenpflege bereits in Exekutive Verantwortung wahrnimmt, antwortete: «Ich glaube, es ist fair für die Kirche, dass ich das weiterführe, was wir angefangen haben. Meine grosse Führungserfahrung ist ein riesiger Vorteil für die Kirche.» Und Michael Braunschweig möchte seine Vision umsetzen: «Die Herausforderung dieser ersten Wahlen der Kirchenpflege ist es, einen neuen Geist hineinzubringen. Es geht darum, Kontinuität für die Zukunft zu sichern.»

Mut und Tatkraft

Dass Mut für die Gestaltung der Zukunft unabdingbar ist, wurde oft angesprochen - und die Kandidierenden waren sich einig, dass es daneben auch Tatkraft braucht. Doch wo, in welchen Themenbereichen sind diese besonders gefragt? Und was bedeutet dies schlussendlich konkret für die Zukunft? Der jüngste Kandidat, Duncan Guggenbühl, fokussierte auf die Jugend: «Mein Ziel ist es, den Jungen einen Zugang zur Kirche auf eine neue, moderne Art und Weise zu geben.» Auch Anke Beining-Wellhausen möchte «Menschen für die Kirche zu begeistern, und besonders jungen Menschen eine Stimme verleihen.»  Für Annelies Hegnauer ist wichtig: «Ich möchte nicht, dass wir einen Graben zwischen Jung und Alt haben. In der Kirche soll die Wertschätzung der verschiedenen Generationen einen wichtigen Stellenwert haben.»

Claudia Bretscher stellte die Frage: «Warum verliert die Kirche Leute, während Freikirchen prosperieren?» Und hatte auch sogleich eine Erklärung, warum die reformierte Kirche trotzdem eine valable Option ist. «Es ist die Stärke, aber auch das Problem der Landeskirche, dass sie eine breite Bevölkerung abdecken muss. Sie fährt nicht auf einer engen Linie. Sie versteht sich als eine offene Kirche für verschiedene Formen von Frömmigkeit, Glauben und Lebensführung.»

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Für Michael Braunschweig ist klar: «Die reformierte Kirche ist in einer Krise. Wir müssen besser kommunizieren, was es bedeutet, Gemeinschaft zu leben. Und das hat ganz viel mit Emotionen zu tun, denn die zentrale Emotion der Kirche ist Freude.» Michael Hauser legte den Fokus auf die Sichtbarkeit: «Kirchenaustritte sind etwas, das ich nicht einfach so hinnehmen will. Wir müssen dem entgegenwirken und sichtbar werden.»

Gemeinschaft und Diversität

Für Barbara Becker sind gesellschaftliche Veränderungen vor allem auch eine Chance: «Wir sind keine homogene reformierte Gesellschaft mehr wie in den 60er-Jahren. Die Zusammenarbeit mit den Migrationskirchen ist heute eine Bereicherung, so dass wir ein viel breiteres Abbild der christlichen Vielfalt in der Stadt Zürich entwickeln können.» Claudia Bretscher unterstrich, dass sich «unsere Kirche als offen für verschiedene Formen von Glauben und Lebensführung versteht.» Michael Braunschweig zeigte sich dagegen eher besorgt über die gesellschaftlichen Tendenzen: «Die Kirche muss Gemeinschaft pflegen, speziell in einer Zeit, wo Individualisierung zu Vereinsamung führt. Sie soll Unterstützung leisten für die, die es brauchen.»

Duncan Guggenbühl griff das Thema Gemeinschaft auf, das für ihn zentral an der Kirche ist: «Wir sind eine grosse Gemeinschaft, in der man aufeinander schaut, sei es in guten oder schlechten Zeiten.» Die Nähe zu den Menschen, thematisierte auch Annelies Hegnauer: «Kirche ist nicht einfach ein anderer Anbieter in unserem Sozialstaat. Die Kirche ist näher beim Menschen. Sie kann ihn als Ganzes ernster nehmen und kann viel unkomplizierter Hilfe leisten.»

Nachhaltigkeit und Vorreiterrolle für die Zukunft

Das Thema Nachhaltigkeit wurde ebenfalls breit diskutiert. Res Peter: «Die Kirche steht für Religiosität und Achtsamkeit, sie muss liberal, sozial und nachhaltig sein. Ich möchte ganz klar den Grünen Güggel einführen.» Michael Hauser sprach «vom Zauberwort Suffizienz - also Mehrfachnutzungen». Alternative Nutzungen der 47 Kirchen seien wünschenswert, die Kirchen dürften indes nicht ganz zweckentfremdet werden. Dazu ergänzte Henrich Kisker: «Es ist ein grundsätzlicher Irrtum, dass Nachhaltigkeit kostet. Nachhaltigkeit rentiert. Zwar nicht heute oder morgen, aber in wenigen Jahren zahlt sich nachhaltiges Handeln konkret aus.»

Anke Beining-Wellhausen betonte die Vorreiterrolle der Kirche: «Die Werte der Kirche sind gerade jetzt ungemein wichtig.» Die Kirche solle Stellung beziehen und eine Vorreiterrolle bei der Garantie der Würde des Menschen und bei der nachhaltigen Lebensweise übernehmen.

Bildungsauftrag der Kirche

«Hat die Kirchen einen Bildungsauftrag?», fragte Esther Girsberger und trat damit offene Türen ein. Alle waren sich einig. Ja! Barbara Becker fasste dies so zusammen: «Ein positiver Einfluss der Reformation ist die Bildung für alle - vor allem für Mädchen. Diese Tradition der emanzipatorischen Bildung müssen wir fortsetzen.» Auch Bürokratie und Verwaltung als Mittel zum Zweck wurden von Henrich Kisker angesprochen: «Es ist wichtig, die Verwaltung so zu gestalten, dass sie die Kirche vor Ort ermöglicht. Denn Kirche findet vor Ort statt.» Dem stimmte Res Peter zu: «Wir halten den Finger dort drauf, wo es uns braucht. Wir müssen den Raum haben, wo etwas in Schwingung kommen kann. So kommen Menschen in Beziehung, sprechen miteinander, sind fröhlich oder traurig.» Kirche lebt von Beziehungen, darin waren sich alle einig.

Hier können Sie den Live-Stream der Veranstaltung auf Facebook anschauen.

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