Nie zu alt fürs Smartphone: Junge zeigen wie

Im Handy-Café im Kirchenkreis sechs unterstützen Jugendliche ältere Menschen bei der Handhabung ihres Smartphones. Das generationenübergreifende Projekt fördert nicht nur die digitale Kompetenz der Senior:innen, sondern auch den Austausch zwischen Jung und Alt.
Die ältere Frau schaut verzweifelt auf ihr Smartphone: «Was mache ich denn falsch? Ich schaffe es einfach nicht, ein Zugbillett zu lösen!» An den Tischen im Kirchgemeindehaus sitzen Jugendliche mit Senioren und Seniorinnen, vor ihnen die eine oder andere Lesebrille. Ein Mädchen erklärt der Seniorin geduldig, wie sie mit wenigen Schritten das Billett in der App lösen kann. «Schreib es dir besser auf, damit es beim nächsten Mal klappt», rät das Mädchen. Die ältere Frau zückt schnell ihr Notizbuch. «Endlich kann ich die Fotos meiner Enkelin anschauen und auf ihre Nachrichten antworten», hört man einen älteren Herrn in einer Ecke jubeln. Die beiden Jugendlichen neben ihm grinsen sichtlich stolz.
Das Handy-Café im Kirchenkreis sechs bringt Senior:innen mit Jugendlichen aus dem Quartier zusammen. Ob Apps installieren, Nachrichten und Fotos versenden oder einen Videocall machen – die Schüler:innen stehen den Senior:innen mit Tat und Rat zur Seite. So wird die ältere Generation digital fit. In unserer digitalisierten Welt sind Smartphones zu unverzichtbaren Begleitern geworden. Für viele ältere Menschen stellen die mobilen Geräte jedoch eine fast unüberwindbare Herausforderung dar. Sie kennen sich mit Technik meist zu wenig aus und trauen sich die Nutzung der Smartphones nicht zu.
Das Handy-Café als Begegnungsraum
Seit 2019 gibt es das Handy-Café im Kirchgemeindehaus Unterstrass. Initiiert wurde es von Irmgard Steiner mit Nicole Colacicco von der Spitex Zürich Limmat. Auf der Suche nach Räumlichkeiten wandte sich die Spitex an die reformierte Kirchgemeinde Zürich. Sarita Ranjitkar, Sozialdiakonin im Kirchenkreis sechs, begleitet seither das Angebot und bezeichnet es als Mehrwert für beide Institutionen: «Viele Menschen haben vorgefertigte Meinungen dazu, wie Jugendliche, aber auch Senior:innen sind. Bei diesem Generationenprojekt werden sie eines Besseren belehrt. Die Jugendlichen gehen unglaublich geduldig auf die älteren Menschen ein und die Senior:innen schätzen die Unterstützung und den Austausch.» Das Handy-Café findet alle zwei Monate statt und dauert zwei Stunden. Neben jemandem von der Kirchgemeinde und von der Spitex sind Sechstklässler:innen im Alter zwischen 11 und 12 Jahren von der Schule Weinberg involviert. Nach einer kleinen Einführung klären die Schüler:innen während einer Stunde intensiv die Fragen der Senior:innen zum Smartphone. Danach gibt es einen Imbiss und Zeit für Gespräche. Manchmal spielen die Jugendlichen am Klavier, das im Kirchgemeindehaus steht. «In unserer Kultur ist der Kontakt zwischen den Generationen selten. Findet kein Austausch statt, so können allfällige Berührungsängste auch nicht weichen», so Sarita Ranjitkar.

Generationenprojekt auf Erfolgskurs
Das Handy-Café ist beliebt – bei den Schüler:innen und bei den teilnehmenden Senior:innen. Sarita Ranjitkar wird immer wieder von anderen Kirchgemeinden kontaktiert, die ebenfalls ein Handy-Café anbieten möchten. Ab 2025 gibt es ein Handy-Café im Kirchenkreis drei. Ein weiteres Handy-Café im Kirchenkreis sechs neigt sich dem Ende zu. Die Senior:innen gehen digital gestärkt nach Hause. Die ältere Dame, die nun weiss, wie man Billette auf dem Smartphone löst, posiert stolz zwischen den beiden Schülerinnen für ein Selfie.
Auskünfte bei Sozialdiakonin Sarita Ranjitkar
Sarita Ranjitkar
Arbeitsschwerpunkte: Erwachsene, Senior:innen, Sozialdienst und Arbeitsintegration. Anwesend: Dienstag–Donnerstag (9 bis 17.30 Uhr)



