Mir säged Danke: Astrid Portmann

Jeden Montag nach dem Mittagessen macht sich Astrid Portmann (87) auf den Weg ins benachbarte Alterszentrum Scheuchzerstrasse in Zürich, um Elsbeth Schorno (92) zu besuchen. Vor vier Jahren führte der Besuchsdienst «va bene» die beiden Damen zusammen. Seither spielen sie regelmässig Gesellschaftsspiele, tauschen sich über das Leben aus und geniessen ihre späte Freundschaft.
Wenn Astrid Portmann am Küchentisch Platz nimmt, holt Elsbeth Schorno stets ihre schönsten Porzellantässchen aus dem Schrank. Die Freude über das Wiedersehen ist gross. Bei Kaffee und Guetzli wird dann geplaudert und Rummy gespielt. Nicht selten vergessen die beiden völlig die Zeit. «Sie will mich meistens gar nicht mehr gehen lassen, darum bin ich häufig mehrere Stunden bei Elsbeth. Bis es fast dunkel wird, wie jetzt im Winter.»
«Ich brauche keinen Dank. Mir reicht, wenn man es zusammen lustig hat. Humor ist mir wichtig.»
Besuchsdienst als Win-Win-Angebot
Zeit mit Elsbeth Schorno zu verbringen und damit deren Einsamkeit entgegenzuwirken, anderen zu helfen, ist ein Lebenselixier für die ehemalige Pflegefachfrau Astrid Portmann. Diverse Hobbies wie das Musizieren oder die engen Familienbande zu ihren drei Kindern und fünf Enkeln füllen Astrid Portmanns Alltag aus. Trotzdem könnte sie ohne die ehrenamtlichen Aufgaben nicht sein. «Soziale Kontakte sind wichtig im Leben, sonst wird man einsam», betont sie.» Für Elsbeth Schorno da zu sein, gebraucht zu werden, helfe letztlich auch ihr selbst. Über lange Jahre hat sie Menschen im Nachbarschaftsdienst betreut. Meist bis zu deren Tod. «Wenn ich kam, hatten sie immer Freude. Das überträgt sich. Es macht einem selbst auch Freude, wenn man jemandem helfen kann. Ich habe einfach ein Helfersyndrom.» erklärt sie lachend und erwähnt gleich im nächsten Satz, dass es ihr heute, wo sie nach einer Knieoperation selbst auf fremde Hilfe angewiesen ist, so gar nicht leicht fällt, diese anzunehmen.
Dienst gegen Einsamkeit und Langeweile
Für viele Menschen ist es im Alter eine grosse Hürde, auf neue Bekanntschaften zuzugehen. Darum verbindet «va bene» Menschen, die möglichst lange selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben und Beziehungen pflegen wollen. Geschulte Freiwillige wie Astrid Portmann übernehmen dann regelmässige Besuchsdienste. Nachdem Elsbeth Schorno eine enge Freundin verlor, stellte eine Betreuerin die Damen einander vor. «Wir waren uns sofort sympathisch und so haben wir gesagt – das machen wir!» erklärt Astrid Portmann und Elsbeth Schorno pflichtet nickend bei: «Wir verstehen uns gut und es ist immer unterhaltsam.»
«Wenn man jemanden so lange besucht, entsteht eine Freundschaft. Dafür brauche ich keinen Dank. Mir reicht, wenn man es zusammen lustig hat. Ich nehme das Leben so wie es ist und mit Humor,» betont Astrid Portmann und die beiden Damen lächeln sich vielsagend zu.


