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Gestärkt in Dialog und Glaube
Bildung & Spiritualität

Gestärkt in Dialog und Glaube

Die Frage «Was ist dir in deiner Reli­gion wich­tig?» ist nicht gerade Stoff für leichten Small-Talk. Raum für Aus­tausch geben multi­reli­giöse Ge­fässe.
02.02.2024Kirchgemeinde
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Multireligiöse Gefässe geben Raum für Austausch.
Multireligiöse Gefässe geben Raum für Austausch. Pexels

«Die Auseinandersetzung mit Andersgläubigen hat meinen eigenen Glauben gestärkt», sagt Kathrin Rehmat, Pfarrerin an der Predigerkirche und Vorstandsmitglied der Gemeinschaft Christen und Muslime in der Schweiz (GCM). In der Kirchgemeinde Zürich gibt es eine Vielzahl multireligiöser Gefässe zu entdecken.

Die Pfarrstelle an der Predigerkirche hat ein multireligiöses Profil – und genau deshalb hat sich Kathrin Rehmat darauf beworben. Seit 2021 lebt und arbeitet sie nun in Zürich, vorher war sie zehn Jahre als Pfarrerin in Biel tätig. Selbst mit einem christlichen Pakistani verheiratet, sind multireligiöse Fragen eine Konstante in ihrem Leben – und zeichnen sie auch als Pfarrerin aus. «Der multireligiöse Austausch ist das Gebot der Stunde» so Kathrin Rehmat, «insbesondere in diesen schweren Monaten nach dem 7. Oktober und dem Beginn des Gaza-Kriegs. Wenn wir Frieden wollen, dürfen wir als Gesellschaft den Dialog mit Andersgläubigen nicht abbrechen», so Kathrin Rehmat.

Vertrauen öffnet den Dialog

Als Pfarrerin am Prediger hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, den interreligiösen Dialog zu pflegen und den Austausch zu fördern. «Ich nehme möglichst viele Gelegenheiten wahr, Mitmenschen zum inter- oder multireligiösen Dialog in ihrem Alltag zu ermutigen – denn dort zählt es doppelt», so die Pfarrerin. «Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass man sich kennt und vertraut. So wagt man es eher, über Trennendes zu sprechen.» Wenn man sich hingegen zu wenig kenne, sei es meistens ertragreicher, über Verbindendes zu sprechen. «Bei den Unterschieden ist man mehr gefordert, weil man entscheiden muss, inwieweit man es aushält – gleichzeitig habe ich persönlich in der Auseinandersetzung mit Unterschieden immer am meisten gelernt.» Und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch über sich selbst und ihren eigenen Glauben: «Der multireligiöse Austausch ist für meine eigene religiöse Prägung sehr bereichernd. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Irritation.» In der Beschäftigung mit dem Islam war es für sie zum Beispiel die Praxis, dass der Imam mit dem Rücken zur Gemeinde betet, sich demonstrativ als Sprachrohr Gottes versteht. «Für meine religiöse Identitätsbildung und mein Selbstverständnis als Pfarrerin war diese Auseinandersetzung enorm wichtig.» Auch die karmischen Religionen sind laut Kathrin Rehmat wichtige Dialogpartnerinnen. «Sie bringen ganz andere Perspektiven hinein als die monotheistischen.»

Fragen der Zugehörigkeit

Der Dialog zwischen den Religionen sei derzeit sehr verhärtet, das beschäftigt auch Kathrin Rehmat. Dass die Kirchgemeinde multireligiöse Veranstaltungen anstosse und daran teilnehme, sei daher wichtiger denn je. Es habe schon immer Verflechtungen zwischen Christentum, Islam und Judentum gegeben. Nun gelte es, sich dessen wieder bewusster zu werden. Sie ruft zum Loslassen von zu einfachen kolonialistischen oder eurozentrischen Vorurteilen auf und erinnert daran, dass es heute in der Schweiz bereits sehr viele binationale Ehen gibt. So ist die Pfarrerin auch seelsorgerisch tätig – zum Beispiel, wenn es um Fragen der Zugehörigkeit geht.

Wie miteinander ins Gespräch kommen?

Zudem regt Kathrin Rehmat dazu an, bei Andersgläubigen einmal die Bilder abzufragen, die über das Christentum kursieren. «Für Menschen aus anderen religiösen Traditionen ist im Christentum alles möglich. Das macht es für sie enorm schwierig, uns zu lesen.» Gerade die bevorstehende christliche Fastenzeit biete viel Stoff für Gespräche, weil fast alle Religionen Fasten als spirituelle Praxis kennen. Kathrin Rehmat: «Denn das Allerwichtigste ist, dass wir miteinander statt übereinander sprechen.»

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