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Ein Kosmos voller Stärke
Bildung & Spiritualität

Ein Kosmos voller Stärke

Ihre Verbin­dungen reichten bis zum US-Geheim­dienst: Mit ihren Kon­takten verhalf die Rothschild-Bankiers­tochter Betty Lambert Ver­folgten zur Flucht von der Nazi­dikta­tur. Von dieser mutigen Frau handelt das Buch «Die Baronin im Tresor». Die Autorin stellte es im Bet­haus Wiedikon vor.
03.09.2024Kirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 2min
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240618_RKZ_Cover_Baronin im Tresor ©Zytglogge
Betty Lambert auf dem Buchcover von «Die Baronin im Tresor» Zytglogge
Das Wichtigste auf einen Blick
Das Buch «Die Baronin im Tresor» von Franziska Streun erzählt das Leben der mutigen Jüdin Betty Lambert, die im Kampf gegen den Faschismus Verfolgten half. Lambert empfing Widerstandskämpfer und fungierte als Informationsquelle. Sie kämpfte für Selbstbestimmung trotz gesellschaftlicher Beschränkungen und hinterließ ein starkes Erbe.

Betty Lambert, geboren 1894, gestorben 1969 – wer war die Frau, die so mutig gegen den Faschismus kämpfte? Dieser Frage ging die Thuner Autorin Franziska Streun nach. Ent­standen ist das Buch «Die Baronin im Tresor», das sie am 27. August im Bethaus Wiedikon vorstellte. Es zeichnet das Leben der Jüdin Betty Lambert nach. Als Bankiers­tochter ver­fügte sie über ein­fluss­reiche Kon­takte. Diese nutzte sie, um Ver­folgten zur Flucht vor den Nazis zu ver­helfen.

Auf ihrem An­wesen in Gwatt bei Thun empfing sie Wider­stands­kämpfer, Agenten, Diplo­maten, Poli­tiker, Fürsten, Könige und Wirt­schafts­führer – und fungierte un­bemerkt als infor­melle nach­richten­dienst­liche An­lauf­stelle. Die Gast­freund­schaft im Salon­stil war ihr in die Wiege gelegt, hatte sie doch eine fast höfische Er­ziehung genossen. Autorin Franziska Streun: «Her­kunft ver­pflichtet. Für Betty Lambert hiess das: Nicht nur das Beste zu haben, sondern auch anderen das Beste von sich zu geben.»

240618_RKZ_Franziska-Streun ©Patric-Spahni
Autorin Franziska Streun Patric Spahni

Auf bisher unbekannte Fakten gestossen

In vieler­lei Hin­sicht war sie aber auch ein Kind ihrer Zeit – als Frau rang sie um ihre Selbst­bestimmung. So wurde sie zum Bei­spiel als junge Frau an ihren Cousin ver­heiratet, wie das in ver­mögenden jüdischen Kreisen damals üblich war. Als sie sich von ihrem ersten Mann scheiden liess, musste sie die gemein­samen Söhne beim Vater lassen. Ihr Leben war zwar von der fehlenden Gleich­stellung ge­prägt – «und doch war ihr Wesen weit­aus stärker, als es einer Frau damals eigent­lich er­laubt war», sagt die Autorin.

Sie stellte das Buch im Rahmen der femi­nis­tischen Themen­reihe «Gott ist keine Spiesserin» einem inte­ressierten Publi­kum vor. Durch die sehr umfang­reichen Recherchen brachte sie auch bis­lang unbe­kannte Details aus der Familien­geschichte von Betty Lambert ans Licht. Her­aus­gekommen ist ein fein­fühliges Roman­porträt. Darin zeichnet die Autorin das Bild einer Frau nach, die sich als Jüdin und Frau der damaligen Zeit mit zahl­reichen Her­aus­forde­rungen kon­fron­tiert sah – und sich dennoch nie­mals unter­kriegen liess.

Franziska Streun: «Die Herr­schafts­verhält­nisse tangierten nie­mals ihre Kraft – sie schaffte es, unab­hängig vom Urteil von aussen zu handeln. Für mich sind Betty Lambert und ihr Wirkungs­feld ein Kosmos voller Stärke.»

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