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Zwischen Hektik und Hoffnung
Seelsorge & Beratung

Zwischen Hektik und Hoffnung

Im Zürcher HB lädt die öku­menische Bahnhof­kirche ohne An­meldung zu kurzen Gesprächen und Gebet ein. Hier finden Pen­delnde und Suchende Halt.
30.10.2025Kirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 3min
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Die Türen der Bahnhofkirche stehen allen offen – unabhängig von Religion und Konfession
Die Türen der Bahnhofkirche stehen allen offen – unabhängig von Religion und Konfession zhref.ch

Was braucht der Mensch inmitten des grössten Verkehrs­knoten­punkts der Schweiz? Einen Kaffee, ein Sandwich, den nächsten Zug? Seit über 20 Jahren beweist die Bahnhof­kirche: Manch­mal ist es ein Moment der Stille und jemand, der zuhört.

Haupt­bahn­hof Zürich: Menschen strömen aus den Zügen, eilen über die Bahn­steige, Schritte hallen, Laut­sprecher­ansagen ertönen. Mitten in diesem Gewirr liegt ein Ort wie aus einer anderen Welt. Wer die Roll­treppe unter dem Engel von Niki de Saint Phalle nimmt und sich im ersten Unter­geschoss nach rechts wendet, findet sie: die Bahnhof­kirche. Zwanzig schlichte Sitz­plätze, warmes Licht, eine brennende Kerze – und plötz­lich ver­stummt die Welt draussen.

Ein Ruhepol im Strom der Zeit

Im Juni 2001 wurde im Haupt­bahn­hof die erste Bahnhof­kirche der Schweiz ein­ge­weiht. Sie ist ein öku­menisches Ange­bot der katho­lischen und der refor­mierten Kirche von Stadt und Kanton Zürich und offen für alle Menschen – unab­hängig von Reli­gion oder Kon­fession. Christian Walti beschreibt die Bahn­hof­kirche als «Ruhepol mitten im grössten Ein­kaufs­zentrum der Schweiz und am grössten Schweizer Verkehrs­knoten­punkt». Der Gross­münster-Pfarrer arbeitet als Seel­sorger in der Bahn­hof­kirche. Sie ist mit ihrem Raum der Stille ein Ort für Besinnung und Gebet, an dem Men­schen Auf­merk­sam­keit und Unter­stützung erhalten. Die Bahn­hof­kirche funktio­niert nach dem Walk-in-Prinzip: Besucher:innen kommen vorbei, ohne vorher einen Termin zu ver­ein­baren. Die Gespräche sind auf eine halbe Stunde be­grenzt, «dadurch kommt schnell Tiefe in den Aus­tausch», sagt der Pfarrer. «Die Bahn­hof­kirche ist ein Ort ohne Urteile und Bedingungen. Man fragt nie nach dem Namen, und Gast­freund­schaft wird bei uns grösser geschrieben als reli­giöse Zuge­hörig­keit.»

2800 Gespräche – und jedes zählt

Seelsorger Christian Walti unter­scheidet drei Haupt­gruppen von Personen, welche die Bahnhof­kirche besuchen: Menschen auf Durch­reise, die spontan den Kirchen­raum auf­suchen, Menschen, die sich im öffent­lichen Raum auf­halten und Hilfe suchen sowie Menschen in akuten Krisen, «die dringenden Seel­sorge­bedarf haben und bewusst für ein Gespräch vor­bei­kommen». 2024 führte das Seel­sorge­team über 2800 Bera­tungs­ge­spräche. Neben Gesprächen bietet die Bahn­hof­kirche werk­tags Weg-Worte – das sind kurze An­dachts­texte. Sie liegen vor Ort bereit und werden als News­letter ver­schickt. Das Ange­bot werde rege genutzt, so Christian Walti: «Die rund 70 gedruckten Exemplare sind in der Regel schnell weg. Unsere Mailing-Liste umfasst über 1000 Adressen.» Die Weg-Worte werden werk­tags in einer kurzen Besinnung ver­lesen, täg­lich vor Schliessung der Bahn­hof­kirche findet ein kurzes Abend­gebet statt.

Nah an Menschen, nahe am Alltag

Das Team der Bahn­hof­kirche be­steht neben Christian Walti aus vier weiteren Seel­sorgenden. Eine wich­tige Rolle als Kommu­ni­ka­tions­schnitt­stelle und in der Admi­ni­stra­tion spielen auch die Frei­willigen: «Das Team ist multi­kul­tu­rell und multi­re­li­giös», sagt der Pfarrer. Das Seel­sorger­team besucht regel­mässig die Läden und ist für die An­ge­stellten da. Die Bahn­hof­kirche sei «die Dorf­kirche des Haupt­bahn­hofs », so Christian Walti. Die Ange­stellten in den Läden dienten häufig als eine Art Laien­seel­sorger:innen für ihre Kund:innen, die nach mensch­licher Begeg­nung suchten. Sie ver­kauften nicht nur Waren, sondern begeg­neten auch den Men­schen.

Neugestaltung 2026

2026 steht eine Reno­vation der Bahn­hof­kirche an. «Ich wünsche mir, dass der Raum noch zugäng­licher wird», so Christian Walti. Er sieht in der Bahn­hof­kirche einen Service public der Kirche. «Ich empfinde es für die Gesell­schaft als sehr rele­vant, dass an einem Ort, an dem täg­lich fast eine Drei­viertel­million Men­schen durch­kommen, ein spon­tanes Seel­sorge­gespräch mög­lich ist.» Christian Walti moti­viert es, Leuten zu begegnen, die er noch nicht kennt: «Diese spon­tanen Begeg­nungen gehören in der Bahn­hof­kirche zum Prog­ramm.» Im Zür­cher Haupt­bahn­hof pulsiert das Leben weiter. Doch wer weiss: Viel­leicht ent­deckt jemand beim nächsten Gang durch den Haupt­bahn­hof diesen Ort, an dem man für einen Moment an­kommen kann – mitten im Strom der Zeit.

Bahnhofkirche Zürich

Raum der Stille für Besinnung und Gebet, Seel­sorge­gespräche

Montag–Freitag: 7–19 Uhr, Samstag und Sonntag: 10–16 Uhr, Zürcher Haupt­bahnhof, B-Ebene

Flughafen-Seelsorge

Mitten im Trubel des Flug­hafens Zürich bietet die öku­menische Flug­hafen­kirche seit 1980 einen Ort der Stille und Besinnung. Der licht­durch­flutete Raum lädt Reisende und Flug­hafen-Mitar­beitende unab­hängig von ihren Glauben oder ihrer Reli­gions­zuge­hörig­keit zum Inne­halten ein. Täg­lich finden Gottes­dienste statt. Seel­sorger:innen stehen werktags für Gespräche bereit.

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