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Vom Wort in die Praxis
Kirchgemeinde

Vom Wort in die Praxis

Lässt sich die Refor­mierte Kirche Zürich in einem Satz definieren? Die Kirchen­pflege hat es versucht – und die Kirchen­kreise haben diese Vision an viel­fältigen Ver­anstal­tungen in den Alltag über­tragen.
29.01.2026Marius LeuteneggerKirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 4min
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Erik Brühlmann
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Refomierte Kirche Zürich schloss sich 2019 aus 32 Gemeinden zusammen. Die Kirchenpflege formulierte Vision und Mission, die in einem partizipativen Prozess entwickelt und aktiv umgesetzt werden. Die Vielfalt und Vitalität der Kirche werden durch verschiedene Aktionen und Veranstaltungen gefördert.

Am 1. Januar 2019 schlossen sich 32 vormals eigen­ständige Kirch­gemeinden zur Refor­mierten Kirche Zürich zusammen. Das war nicht nur organi­satorisch eine Mammut­aufgabe, sondern auch inhalt­lich und mensch­lich. Denn 32 Kirch­gemeinden, das sind 32 ver­schiedene Kulturen, 32 verschiedene Profile, 32 Mal lieb gewonnene Eigen­heiten, 32 ver­schiedene Pakete von Heraus­forde­rungen.

Diese bunte Viel­falt zu einer bunten Ein­heit zusammen­zubringen, ist ein anspruchs­voller Prozess, der aus vielen kleinen und weniger kleinen Schritten besteht – und der noch lang nicht abge­schlossen ist.

Antwort auf Identitätsfragen

Einen dieser Schritte plante die Kirchen­pflege im Rahmen ihrer Legis­latur­ziele 2023–2027: Sie wollte eine Vision und Mission für die Refor­mierte Kirche Zürich formu­lieren. «Als Exeku­tive der Kirch­gemeinde hat die Kirchen­pflege auch inhalt­liche Führungs­auf­gaben», sagt Michael Braunschweig, Vize­präsident des Gremiums.

«Einer jungen Organi­sation, wie wir eine sind, stellen sich viele Identi­täts­fragen: Wer sind wir? Welches ist unser Selbst­ver­ständnis? Welchen Platz in der Gesell­schaft wollen wir ein­nehmen?» Die Antworten auf solche Fragen in Form von Vision und Mission würden sich nach innen und aussen auswirken. Nach innen, weil sich dann zum Bei­spiel Ent­scheide besser nach­voll­ziehen liessen – nach aussen, um lesbar zu sein und klarer kommuni­zieren zu können.

Ein bunter Strauss von Antworten: Der Kirchenkreis neun befragte die Bevölkerung mit grossen Plakaten.
Erik Brühlmann

Mehr als eine Formulierung

Ent­standen sind Vision und Mission in einem längeren Prozess. Im ver­gangenen Frühling lagen die Formu­lierungen vor. «Es war für uns aber von Anfang an klar: Wir wollen nicht einfach eine Vision formu­lieren, sondern etwas dafür tun, dass sie bei den Mitar­beitenden und bei den Mit­gliedern ankommt», sagt Michael Braunschweig.

Deshalb rief die Kirchen­pflege die «Visionstage» vom 30. August bis 25. Oktober 2025 ins Leben. Und sie beauf­tragte Walter Lüssi, diese zu mode­rieren. Der ehe­malige Gemeinde­pfarrer arbeitet seit vielen Jahren in ver­schiedener Funktion für Kirchen und führt heute eine Beratungs­firma.

Bunter Ideenstrauss

Und doch: Am Ende waren alle Kirchen­kreise dabei, und die meisten auch mit viel Engage­ment. Sie waren aufge­rufen, bis Februar 2025 ein Konzept einzu­reichen, für die Anlässe stand auch ein kleines Budget zur Ver­fügung. Walter Lüssi freut sich jetzt noch über die Viel­falt der Ideen, die zusammen­kamen: «Einige inte­grierten die Visions­tage in einen bereits bestehenden Anlass wie ein Quartier­fest, andere ver­knüpften sie mit einem bestimmten Thema, das unter den Nägeln brennt», sagt er.

Wieder andere kreierten etwas Eigen­ständiges zur Vision. Wie gross die Viel­falt am Ende war, zeigte sich am Abend des 21. November 2025 in der Wasser­kirche, an dem die Kirchen­kreise ihre Erkennt­nisse aus und ihre Erfah­rungen mit dem Projekt präsen­tierten. Annelies Hegnauer, Präsi­dentin der Kirchen­pflege, befand, es sei den Kirchen­kreisen hoch anzu­rechnen, dass sie «in dieser dichten Zeit Aktivi­täten rund um die Vision ent­wickelt haben. Ich war selber an fünf Veran­stal­tungen und fand toll, was alles geboten wurde – ganz im Sinn der Vision, dass wir eine viel­fältige und vitale Kirche sind!» 

Tavolata und Hoffnungsmaschine

Exemplarisch seien hier drei Ansätze heraus­gegriffen. Der Kirchen­kreis eins veran­stal­tete am Bettag eine Tavo­lata neben dem Gross­münster und ver­knüpfte die Dis­kussion der Vision mit der Neu­aus­richtung der Frei­willigen­arbeit der Alt­stadt­kirchen. Auch dank des schönen Wetters ein riesiger Erfolg!

Der Kirchen­kreis sieben acht liess eine «Hoff­nungs­maschine» bauen. Man kann der imposanten Instal­lation schrift­lich eine Frage stellen, die auf einer Art Chügeli­bahn eine spannende Reise zu einer mehr oder weniger schrägen Ant­wort antritt – das lässt sich kaum beschreiben und muss gesehen werden. Vor der Wasser­kirche wurde die Maschine von den rund 80 Anwesenden jeden­falls fleissig genutzt.

Es geht weiter

Der Kirchenkreis neun inte­grierte seinen Ansatz in zwei Quartier­feste, die Vieh­schau Albis­rieden und das Linden­platzfest in Altstetten. Auf Plakaten wurden den Besuchenden Fragen gestellt – etwa «Wie kann Kirche für dich zu einem leben­digen Ort werden, nicht nur sonntags?» –, die diese oft über­raschend beant­worteten.

Damit ist die Aus­einander­setzung mit der Vision nicht abge­schlossen, diese wird weiter­hin ein Thema bleiben, etwa an Work­shops. Zudem soll sie auch in die Arbeit an den Zielen der nächsten Amts­periode ein­fliessen. Denn eine Vision ist nichts, das man einfach einmal formu­liert und dann in die Schublade legt: Sie muss mit Leben gefüllt werden.

So lauten Vision und Mission

Vision

Wir sind eine viel­fältige und vitale Kirche, die sich spiri­tuell, hoffnungs­voll und solida­risch in der Stadt enga­giert.

Mission

Deshalb streben wir danach:

  • eine ver­nehm­bare Stimme des Evan­geliums in Wort und sicht­bar in der Tat zu sein.
  • die aktu­ellen spiri­tuellen und gesell­schaft­lichen Heraus­forderungen zu erkennen und konstruk­tiv an Lösungen mit­zu­arbeiten.
  • das Ver­letz­liche des Mensch­seins und der Gesell­schaft wahr­zu­nehmen, zu achten und als Teil unserer Vitali­tät zu begreifen.
  • einen Ort der Wert­schätzung und Unter­stützung für Mit­glieder, frei­willig Enga­gierte, Mitar­beitende und Behörden­mit­glieder zu schaffen, offen für alle Menschen.
  • ein Rück­zugs­ort zu sein, der Zuge­hörig­keit ermög­licht und die Menschen in ihrer Art akzep­tiert, trägt, liebt, stärkt, fördert und ermu­tigt.
  • eine Haltung der Offen­heit und Gast­freund­schaft zu leben und die Grenzen der persön­lichen Inte­grität zu achten.
  • den Dialog mit anderen Glaubens- und Religions­gemein­schaften zu führen.
  • Spiri­tuali­tät zu leben und Rituale zu gestal­ten, um die Menschen auf ihren Lebens­wegen und im Wandel der Zeit zu beglei­ten und ernst zu nehmen.
  • Gerech­tig­keit, Frieden und Nach­haltig­keit zu fördern.
  • transpa­rent, ver­trauens­bildend und glaub­würdig zu arbeiten, zu kommuni­zieren und zu leben.
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