KGZ Logo
News
Schöpfungsinitiative: Wie grün wird die Kirche?
Kirchgemeinde

Schöpfungs­initiative: Wie grün wird die Kirche?

Im September wird erstmals in einer reformierten Landeskirche der Schweiz über eine Volksinitiative abgestimmt: Das reformierte Zürcher Stimmvolk muss entscheiden, in welcher Form die Nachhaltigkeitsbemühungen der Landeskirche künftig verfolgt werden sollen.
13.08.2026Erik BrühlmannKirchgemeinde
Geschätzte Lesedauer: 3min
Text vorlesen lassen
1148.0201_2 Glaubten
PV-Anlagen auf dem Dach der Kirche Glaubten Christian Merz Fotografie
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Reformierte Kirche Kanton Zürich stimmt über einen Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative ab. Der Gegenvorschlag zielt darauf ab, CO2-Emissionen zu reduzieren und Umweltschutz zu fördern. Die Kirchenpflege unterstützt den Gegenvorschlag, da er mit den bereits ergriffenen Massnahmen der Kirchgemeinde übereinstimmt.

Die Stimmberechtigten der reformierten Kirchgemeinde Zürich und der evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich stimmen am 27. September über den «Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative» ab. Ein Überblick über dessen Inhalte und die offiziellen Positionen.

Natur und Umwelt zu bewahren, heisst, Gottes Schöpfung zu achten und zu schützen. Ökologische Themen gehören deshalb zu den Kerninteressen der Kirche. Wohl auch deshalb wurde an der dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung der Kirchen 2007 im rumänischen Sibiu die Schöpfungszeit ausgerufen. Seither liegt für die Kirchen und ihre Mitglieder in der Zeit zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober, dem Gedenktag des «Umweltheiligen» Franz von Assisi, ein spezielles Augenmerk auf Umweltthemen. Für die Reformierte Kirche Kanton Zürich gilt dies heuer in besonderem Mass. Denn am 27. September stimmen ihre Mitglieder über den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative ab.

Erste kirchliche Volksinitiative

Die Kirchenordnung, die Verfassung der Landeskirche, hält bereits heute fest, dass die Landeskirche «einer sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit verpflichtet» ist. Diese Formulierung war den Initiantinnen und Initianten der landeskirchlichen «Volksinitiative für eine klimaverantwortliche Kirche (Schöpfungsinitiative)» zu unverbindlich; mit ihrem 2023 eingereichten Vorstoss – der ersten Volksinitiative in einer reformierten Landeskirche der Schweiz – wollten sie die in der Kirchenordnung festgeschriebene Verpflichtung konkretisieren.

Die Kirchensynode lehnte die Initiative am 27. Januar dieses Jahrs ab, stimmte jedoch einem bereinigten Gegenvorschlag mit 54 zu 45 Stimmen zu. Dagegen ergriffen 46 Synodemitglieder das Parlamentsreferendum. Dass am 27. September nur über den Gegenvorschlag abgestimmt wird, liegt daran, dass das Initiativkomitee seine ursprüngliche Schöpfungsinitiative mittlerweile zurückgezogen hat.

Ehrgeizige Zielvorgaben

Der Gegenvorschlag zielt darauf ab, die Kirchenordnung verbindlicher zu gestalten. So sollen die gebäudebezogenen CO2e-Emissionen bis 2035 auf «Netto-Null» gesenkt werden. CO2e – Kohlendioxid-Äquivalent – ist die vereinheitlichte Masseinheit für alle Treibhausgase. Weiterhin sollen die Landeskirche und ihre Kirchgemeinden künftig auf den Einsatz fossiler Energieträger verzichten und Liegenschaften entsprechend umrüsten, wenn dies nicht bereits geschehen ist.

Der Gegenvorschlag schafft zudem die rechtlichen Voraussetzungen, um ein einheitliches Umweltmanagementsystem wie den «Grünen Güggel» in allen Kirchgemeinden verbindlich zu implementieren. Auf einer weniger technischen Ebene soll die Landeskirche künftig die «Behandlung ökologischer Themen in Bildung und Spiritualität» sowie generell eine ökologisch nachhaltige Gesellschaft fördern.

Dafür und dagegen

Die Kirchensynode und der Kirchenrat der Landeskirche empfehlen, den Gegenvorschlag anzunehmen. «Dies geschieht in der Überzeugung, dass konkrete Massnahmen zur Bewahrung der Schöpfung unerlässlich sind», heisst es in der offiziellen Stellungnahme. Der Gegenvorschlag nehme die Landeskirche und ihre Kirchgemeinden in die Pflicht, der voranschreitenden Klimaerwärmung im Rahmen ihrer Möglichkeiten entgegenzutreten.

Dem Referendumskomitee geht der Gegenvorschlag zumindest in Teilen zu weit. Zwar gelte es durchaus, klimaschonendes Verhalten und ökologische Massnahmen in den Kirchgemeinden zu fördern. Das Referendumskomitee stört sich jedoch daran, dass die Form des Umweltmanagements nicht den Kirchgemeinden überlassen wäre; viele Kirchgemeinden betrieben bereits wirksamen Umweltschutz ohne Zertifizierungen. Beim Ziel Netto-Null plädiert das Nein-Komitee für Verhältnismässigkeit: Mit Netto-Null würde die Reformierte Kirche Kanton Zürich nur einen Millionstel aller in Europa ausgestossenen Treibhausgase einsparen.

Und die reformierte Kirchgemeinde Zürich?

Die reformierte Kirchgemeinde Zürich verfügt über ein grosses, historisch gewachsenes und kulturell bedeutendes Immobilienportfolio. Der Gegenvorschlag stimmt mit den Vorhaben der Kirchgemeinde Zürich überein, deshalb unterstützt die Kirchenpflege den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative.

Grosse Kirche Altstetten Luftaufnahme
Das Beispiel der Grossen Kirche Altstetten mit ihren PV-Anlagen zeigt, dass sich die Kirchgemeinde bereits für eine nachhaltigere Zukunft engagiert. Christian Merz Fotografie

Der Gegenvorschlag decke sich mit vielen Massnahmen, welche die reformierte Kirchgemeinde Zürich in verschiedenen Bereichen bereits ergriffen habe und noch ergreifen werde, heisst es in der Begründung. An der Einführung des «Grünen Güggel» wird bereits gearbeitet; der Beschluss, mit dem Immobilienportfolio bis 2035 Netto-Null zu erreichen, ist ebenfalls längst gefasst. Die Kirchenpflege unterstreicht aber, dass die Stimmberechtigten sich ihr eigenes Bild machen sollten.

Zu weiteren Informationen zum Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative und zur offiziellen Abstimmungsbroschüre gelangen Sie über diesen Button.

Podiumsgespräch

Am 3. September findet in der Kirche St. Peter von 19 bis 20.30 Uhr ein Podiumsgespräch zur Abstimmung statt. Es diskutieren für die Befürworter des Gegenvorschlags Tobias Adam, Mitglied der Kirchensynode und Doktorand Digital Religions, und Kirchenratspräsidentin Esther Straub; für die Gegner Simone Schädler, Mitglied der Kirchensynode, und Franco ­Sorbara, Pfarrer der reformierten Kirche Zürich Hirzenbach. Zur Veranstaltungsseite gelangen Sie über den Button.

Teile diesen Artikel: