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Die vielen Gesichter der Liebe
Gemeinschaft & Engagement

Die vielen Gesichter der Liebe

Gemeinschaft und Verbunden­heit: Diana Trinkner erklärt, warum Liebe der Schlüssel zum Leben ist – und wie wir uns wieder begegnen können.
30.01.2025Kirchgemeinde
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Die Orga­ni­sa­torinnen des kirch­lichen Speed-Datings: die Pfarre­rinnen Diana Trinker und Stefanie Porš Lukas Bärlocher

Über­durch­schnitt­lich viele junge Erwachsene fühlen sich ein­sam – und auch ältere Gene­rationen kämpfen damit. Pfarrerin Diana Trinkner glaubt an die Liebe als Grund­motor des Lebens. Mit Aktionen wie kirch­lichem Speed-Dating schenkt sie Hoff­nung auf Nähe und zeigt, warum Mut zur Ver­letz­lich­keit heute wichtiger denn je ist.

Im Alten Testa­ment steht der Begriff «Bund» für die Liebe: «Wenn Gott seinen ewigen Bund mit uns Menschen dekla­riert, sagt er damit nicht nur, dass er uns liebt, sondern dass er diese Beziehung auch pflegen wird und mit uns und allem ver­bunden ist», erklärt Diana Trinkner, Pfarrerin im Kirchen­kreis zehn. Liebe – das ist für sie der Grund­motor des Lebens. Ein Leben ohne Be­ziehungen kann sie sich nicht vor­stellen. Doch gerade junge Erwach­sene klagen häufig über Einsam­keit.

Einsamkeit kennt kein Alter

Das zeigt der Bericht des Schweizerischen Gesund­heits­obser­vato­riums von 2024: Über­durch­schnitt­lich viele 15- bis 34-Jährige fühlen sich häufig bis sehr häufig ein­sam. «Wir werden immer mehr Menschen und die Gesell­schaft wird viel­fältiger. Das ist zwar wunder­schön, aber gleich­zeitig sehr her­aus­fordernd. Ein Gegen­über zu finden, das in den Werte­vor­stellungen kompa­tibel ist, wird schwie­riger», weiss Diana Trinkner. Und auch die älteren Genera­tionen gehen heute oft un­frei­willig allein durchs Leben. Laut Schweizer Alters­monitor leidet jede vierte Person über 55 Jahre in der Schweiz an Ein­sam­keit.

Speed-Dating in der Kirchenbank

Auf­grund dieser Not kam Diana Trinkner auf die Idee, die Menschen mit ver­schiedenen Aktionen wie etwa einem kirch­lichen Speed-Dating zusammen­zu­bringen. Dafür schrieb sie im Jahr 2023 gemein­sam mit ihrer Kollegin, Pfarrerin Stefanie Porš, alle poten­ziellen Singles ihrer Kirchen­kreise zwischen 20 und 65 Jahren an – fast die Hälfte der Mit­glieder. Das spiegelt die Stadt­zürcher Bevöl­kerung wider: 44 Prozent der Haus­halte bestehen aus nur einer Person. Die Reso­nanz auf die Ein­ladungen war enorm: Rund 200 Menschen meldeten sich für das «Dating in der Kirchen­bank» vom 2. Juli 2023 an. Zudem gingen viele Anrufe und E-Mails bei den Pfarre­rinnen ein. Unter anderem von Men­schen, die zu diesem Zeit­punkt in einer Beziehung waren, sich aber gefreut haben, dass die Singles von der Kirche gesehen werden. Die beiden Orga­nisa­torinnen wissen von drei Paaren, die sich im Juli 2023 beim «Dating in der Kirchen­bank» gefunden haben. Darunter Esther Nägeli aus Zürich und Johann Lüchinger aus dem Emmen­tal (siehe Box). Es seien darüber hinaus viele schöne Freund­schaften ent­standen. Dieses Jahr plant Diana Trinkner keinen solchen Event, freut sich aber, dass das Schenk­haus in Zürich am 14. Februar ein freund­schaft­liches Speed-Dating orga­ni­siert. Diana Trinkner ist von der Liebe über­zeugt: «Jede und jeder von uns braucht ein Gegen­über. Der Mensch ist nicht dazu gemacht, allein zu sein.» Die meisten Menschen würden im Ver­lauf des Lebens die eine oder andere Ent­täuschung in der Liebe erleben. Wichtig sei, dass man sein Herz deshalb nicht ver­schliesse und sich nicht zurück­ziehe.

Mut zur Verletzlichkeit

«Man darf nie aufhören, raus­zugehen, die Gemein­schaft zu suchen und sich im Herzen berühren zu lassen – auch wenn man sich dabei ver­letz­bar macht. Das ist das Leben», sagt Diana Trinkner. Das treffe ebenso auf die Nächsten­liebe zu. Die Gene­ration, der Diana Trinkner ange­hört, sei vom Indi­vidua­lismus geprägt: Man kann alles allein schaffen und ist nicht auf die Hilfe anderer ange­wiesen. Aber: «Diese Ein­stellung ist sehr hoch­mütig. Nur wer demütig ist, sieht die Menschen um sich herum und kann um Hilfe bitten oder offen sagen, wenn es einem ein­mal nicht so gut geht. Das macht Nächsten­liebe erst mög­lich», so die Pfarrerin. Sich gegen­seitig zu sehen und wahr­zunehmen, sei gerade in der heutigen Zeit beson­ders wichtig.

Verbundenheit als Fundament der Liebe

Romantische Liebe, Nächsten­liebe, Freund­schaft und Gemein­schaft – die Liebe hat viele Gesichter. Sie alle haben eins gemein­sam: «Ver­bunden­heit. Und damit sind wir wieder beim Bund aus dem Alten Testa­ment», sagt Diana Trinkner.

Lovestory: Esther & Johann

Lovestory_Esther&Johann
Esther Nägeli

Es ist nie zu spät, die grosse Liebe zu finden: Das zeigt die Geschichte von Esther Nägeli und Johann Lüchinger. Die beiden haben sich 2023 beim «Dating in der Kirchen­bank» kennen und lieben gelernt.

Wenn die Kirche zum Dating ruft, hält Gott schützend seine Hand darüber. Davon sind Esther Nägeli (64) und Johann Lüchinger (65) über­zeugt. Beide haben am 2. Juli 2023 am «Dating in der Kirchen­bank» teil­genommen – und staunen bis heute über das Wunder, dass sie sich dort treffen und ver­lieben durften. Esther Nägeli aus Zürich war nach trauma­tischen Erleb­nissen in ihrer Ehe 18 Jahre lang Single und hat drei Kinder allein gross­gezogen. Trotzdem wollte sie der Liebe noch­mals eine Chance geben.

Das war auch bei Johann Lüchinger, der damals noch im Emmen­tal wohnte, der Fall. Obschon seine An­meldung gar nicht bei den orga­ni­sierenden Pfarre­rinnen ankam, durfte er spontan teil­nehmen. Esther und Johann trafen sich am aller­letzten Tisch und kreuzten an­schliessend den Namen des jeweils anderen an. «Es ist einfach un­glaub­lich, wie wir in allen kleinen und grossen Vor­lieben, Gewohn­heiten, An­sichten, Wert­mass­stäben und Welt­anschauung über­ein­stimmen», schwärmt Esther Nägeli.

Und Gott habe zudem Weit­sicht und Humor bewiesen: Er sendete Esther, die zwei Liegen­schaften be­wirt­schaftet, Johann – ein mittler­weile pensio­nierter Haus­meister. Heute wohnen beide zusammen in Zürich. «So etwas schafft nur Gott», sagt Johann Lüchinger lächelnd.

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