«Das Grossmünster verdient gute Chormusik»

Sie sind seit August 2025 Kantor am Grossmünster. Ein Traumjob?
Sacha Rüegg: Es ist eine Ehre, dass ich diese Anstellung damals bekommen habe. Der Anfang war aber schon etwas holprig, da es nicht ganz einfach war, mit dem vorhandenen Ensemble des Collegium Vocale Grossmünster alle gottesdienstlichen Aufgaben zu erfüllen.
Weshalb nicht?
Die Pensionierung meines Vorgängers, Daniel Schmid, war für einige Chormitglieder der richtige Zeitpunkt, ebenfalls aufzuhören oder weiterzuziehen.
Daniel Schmid war über 20 Jahre als Kantor am Grossmünster tätig. Wie gross waren seine Fussstapfen?
Auf jeden Fall gross. Daniel Schmid war innovativ, hat viel investiert und sich persönlich eingebracht.
Möchten Sie denn seine Fussstapfen ausfüllen oder bewusst neue Spuren legen?
Am Anfang versuchte ich, sie auszufüllen. Aber ich merkte schnell: Das wird nicht funktionieren, weil «der Neue» dann stets mit «dem Alten» verglichen wird. Deshalb werde ich das Konzept des Kantorats etwas verändern. Ich werde dies projektweise Schritt für Schritt angehen.
Ziel ist es, einen Chor zu haben, der vielen Singbegeisterten projektweise offensteht, und ein Ensemble, das auf höchstem Niveau agieren kann, dessen Mitglieder Chorerfahrung haben und sich auf ein Vorsingen einlassen sollen.
Dazu möchte ich in Zukunft über die Grenzen der Kirchgemeinde hinaus gehen. Ich bin überzeugt, dass es zum Beispiel an den Ufern des Zürichsees talentierte Stimmen gibt, die uns noch gar nicht kennen.
Das Kantorat befindet sich derzeit also in Übergangsphase?
Definitiv. Ich habe Dinge versucht, gemerkt, dass es nicht ganz so einfach ist, wie ich es gehofft hatte, und suche jetzt den neuen Weg. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es gut kommen wird.
Wie lang wird der Übergang dauern?
Ich hoffe, dass bis Ende dieses Jahrs erste Fortschritte ersichtlich sind, aber es braucht sicher zwei Jahre, bis man sagen kann: Jetzt haben wir es – eine gut funktionierende Chorgemeinschaft, die auch nach mir Bestand haben kann.
Denn das Grossmünster verdient es einfach, gute Chormusik zu haben; einen Hauschor mit Qualität, der die Gottesdienste angemessen mitgestaltet. Die Gottesdienste sind das Zentrale, die Konzerte «nur» das Sahnehäubchen.