Auf in die Zukunft!

Gebäude hat die Kirchgemeinde Zürich genug. Doch manche müssten erneuert, andere besser ausgelastet werden. In einem partizipativen Prozess äussern sich die zehn Kirchenkreiskommissionen zu ihren Plänen für die kommenden fünfzehn Jahre. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Basis für eine umsichtige Standortplanung der Zukunft.
In diesen Tagen hält ein schöpferischer Prozess in die Kirchgemeinde Einzug: Bis im Herbst entstehen in den zehn Kirchenkreisen die Zukunftsbilder für die kommenden fünfzehn Jahre. So definieren sie für sich, in welchen Bereichen sie in Zukunft wirken möchten – sei es in der Jugendarbeit, in der Sparte Musik, im Bildungsbereich, in der Migration oder bei den Familien, um nur einige zu nennen. Daraus ergibt sich die Frage, welche Gebäude dafür am besten geeignet wären. «Es ist ein partizipativer Prozess in Gang gekommen, in dem wir die Kirchenkreise eng begleiten», sagt Matthias Haag, Leiter Immobilien der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Nachdem die Kirchenkreise ihren Raumbedarf geklärt haben, integriert die Kirchenpflege diesen in die gesamtstädtische Standortplanung. In einer zweiten Phase ab Anfang 2025 legt sie das weitere Vorgehen fest. Oberstes Ziel ist es, die Nutzung der Räume und Gebäude zu optimieren und damit auch Dritten zugänglich zu machen. Dadurch werden die Ressourcen der Kirchgemeinde geschont. Michael Hauser, Kirchenpfleger im Ressort Immobilien: «Die Pläne der Kirchenkreise geben uns wertvolle Hinweise, wo es sinnvoll ist, zu investieren.»
Umnutzung als Chance
In der Umsetzung bedeutet dies konkret: Einzelne Standorte werden gestärkt, während andere freigespielt und durch neue Mieter:innen sinnvoll genutzt werden. Die Konzentration der kirchlichen Tätigkeiten auf bestimmte Standorte ist je nach Kirchenkreis sehr unterschiedlich: Während sich einige Kirchenkreise schon heute auf weniger Standorte fokussieren, gibt es bei anderen deutliche Überlappungen. «Nun wollen wir mit allen Kirchenkreisen in die Zukunft blicken», so Michael Hauser. Dass die Standortplanung der Zukunft zu weiteren Umnutzungen führen werde, sei gewünscht. «Das Bündeln der Kräfte hilft uns, unsere Räume zu teilen und lebendig zu halten», sagt Matthias Haag. Den beiden ist bewusst, dass Kirchen bei den Mitgliedern einen hohen emotionalen Stellenwert haben. Michael Hauser: «In unserem Leitbild Immobilien ist klar verankert, dass bei Kirchen und Sakralräumen die Verkündigung und Spiritualität Vorrang hat. Kommt es doch zu sinnvollen Umnutzungen, finden wir in der Kirchgemeinde Alternativen. So können wir den Abschied etwas erleichtern.»
Flexibilität in der Raumvergabe
Im Jahr 2019 hat das Kirchgemeindeparlament das neue Immobilienleitbild verabschiedet. Seither geht die Kirchgemeinde dort, wo es sinnvoll ist, Nutzungspartnerschaften mit Dritten ein. Nun kann sie daraus erste Erkenntnisse ziehen. «Es hat sich beispielsweise bewährt, ein Gebäude nicht zu hundert Prozent an Dritte zu vermieten», sagt Michael Hauser. Der Jugendkeller der Kirche Neumünster etwa wird weiterhin als Treffpunkt genutzt, während die restlichen 95 Prozent des Gebäudes vermietet werden. Ein anderes Beispiel für eine geteilte Raumnutzung ist die Kirche Suteracher im Kirchenkreis neun – diese wird von Montag bis Freitag als Mittagshort genutzt und kann bei Bedarf am Wochenende etwa für Gottesdienste bereitgestellt werden.
Es kommt auch vor, dass die Kirchgemeinde eines ihrer Gebäude temporär zur Verfügung stellt. Das prominenteste Beispiel ist die Bullingerkirche, die als Rathaus-Provisorium zwischengenutzt wird. Michael Hauser: «Eine ‹Verlobung auf Zeit› mit einer Vertragslaufzeit zwischen drei und fünf Jahren hat sich als sehr praktikabel erwiesen – so kann der Kirchenkreis erproben, ob er die Räumlichkeiten wirklich vermisst.» In Zürich sei die Kirchgemeinde in einer sehr privilegierten Lage – denn es herrscht grosser Mangel an Räumen von einer gewissen Grösse. Es fehlen Räume für Schulzimmer und Kinderbetreuung, Hörsäle und Bibliotheken. «Die öffentliche Hand als Partnerin ist für uns ein Glücksfall», so Michael Hauser. «Denn so bleiben unsere Gebäude öffentlich und viele Menschen – auch Mitglieder unserer Gemeinde – gehen weiterhin ein und aus.» Auch wenn die Kirchgemeinde ihre Gebäude in Zukunft noch stärker teilen wird: «Wir werden weiterhin in allen Quartieren präsent sein», versichert Michael Hauser. «Raum dafür haben wir mehr als genug.»


