Kunst & Geschichte
Matthäuskirche Zürich: Ein Zeugnis reformierter Baukultur der Nachkriegszeit
Die Entstehung der Matthäuskirche in Zürich-Unterstrass
Die Matthäuskirche entstand in einer Zeit des gesellschaftlichen und städtebaulichen Aufbruchs. Als das Quartier Unterstrass in den 1940er-Jahren stark wuchs, wurde der Wunsch nach einem eigenen kirchlichen Zentrum immer dringlicher. Mit dem Bau des Pfarrhauses im Jahr 1946 und der anschliessenden Errichtung der Kirche in den Jahren 1949 bis 1950 erhielt die reformierte Kirchgemeinde einen neuen Mittelpunkt für Gottesdienst, Gemeindeleben und Begegnung.
Verantwortlich für den Entwurf war der Zürcher Architekt Max Gomringer. Seine Gestaltung orientierte sich am sogenannten Landistil, der für die Architektur der Nachkriegszeit prägend war. Statt repräsentativer Monumentalität setzte Gomringer auf Schlichtheit, Funktionalität und eine harmonische Einbindung in das Wohnquartier.
Architektur zwischen Tradition und Moderne
Die Matthäuskirche ist ein herausragendes Beispiel reformierter Kirchenarchitektur des 20. Jahrhunderts. Der zurückhaltende Baukörper, die klaren Linien und die sorgfältig gewählten Materialien spiegeln das reformierte Verständnis von Kirche wider: Konzentration auf das Wesentliche und Offenheit für die Gemeinschaft.
Besonders charakteristisch sind der freistehende Glockenturm sowie der helle, übersichtliche Kirchenraum. Die Architektur verzichtet bewusst auf übermässigen Schmuck und schafft stattdessen eine Atmosphäre der Ruhe und Besinnung. Bemerkenswert ist zudem, dass die Kirche bis heute weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist und damit einen authentischen Einblick in die Baukultur der frühen 1950er-Jahre ermöglicht.
Kunst als Ausdruck des Glaubens
Trotz ihrer schlichten Architektur verfügt die Matthäuskirche über eine bedeutende künstlerische Ausstattung. Im Mittelpunkt stehen die farbigen Glasfenster des Zürcher Künstlers Max Hunziker. Sie entstanden als integraler Bestandteil des Kirchenraums und erzählen in eindrucksvollen Bildern zentrale Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament.
Die Fenster verbinden biblische Motive mit einer modernen Formensprache und prägen die Atmosphäre des Innenraums bis heute. Das wechselnde Tageslicht lässt die Farben immer wieder neu aufleuchten und macht die Kunstwerke zu einem lebendigen Bestandteil des Gottesdienstes und der persönlichen Besinnung.
Ein lebendiger Ort im Quartier
Seit ihrer Einweihung ist die Matthäuskirche weit mehr als ein Gotteshaus. Sie dient als Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe, als Ort für kulturelle Veranstaltungen sowie als Raum für Gemeinschaft und Austausch. Ihre Geschichte erzählt von der Entwicklung des Quartiers Unterstrass ebenso wie von den Veränderungen des kirchlichen Lebens in Zürich.
Heute verbindet die Matthäuskirche auf besondere Weise historische Bausubstanz, bedeutende Kunst und lebendige Gemeindearbeit – und bleibt damit ein wichtiger kultureller und spiritueller Ort im Herzen von Zürich-Unterstrass.
