Geschichte und Hintergrundinformationen
Die Anlage mit Kirche, freistehendem Glockenturm, Gemeindesaal, Sigristenwohntrakt und Pfarrhaus steht erhöht auf dem Buhnhügel und ist schon von weither sichtbar. Das Schulhaus Buhnrain grenzt direkt an die Anlage. Beide Umgebungsgestaltungen gehen fliessend ineinander über. Die Kirche ist erschlossen über den Höhenring sowie über einen Fussweg, der vom Quartier hinaufführt.
Die Kirchenumgebung ist zeittypisch gestaltet mit geschwungenen Natursteinwegen, grosszügigen Rasenflächen, Natursteinmauern, Rabatten und vereinzelten Strauch- und Baumpflanzungen. Der Platz vor der Kirche nimmt die Form des achteckigen Kirchenbaus auf, wechselnde Weg- und Rasenstreifen gliedern den Bereich. Gefasst wird der Platz durch eine Stützmauer. Der Vorbereich zwischen Kirche und Gemeindehaus ist gepflästert und mit polygonalen Platten belegt.
Baubeschreibung
Achteckiger Zentralbau unter Zeltdach. Ein niedriger offener Umgang mit Pultdach auf runden Stützen säumt die Ost- und Südfassade. Der Haupteingang zur Kirche befindet sich im Westen. Umlaufende, dreiteilige Fenster. Interessante Konstruktion: sichtbares Eisenbetonskelett, ausgefacht mit Sandsteinquadern und Backsteinhintermauerung. Im Innern entspricht die Kanzelwand mit grossem Steinkreuz der westlichen Kirchenwand, davor leicht erhöhtes Podest mit Kanzel und Abendmahltisch. Nördlich davon steht die Orgel. Emporen im Westen, über drei Seiten des Achtecks verlaufend. Die flächigen Grundformen im Innern erhalten durch die Riefelung der Wände, die Lattung der zentralen Decke sowie die durch die lamellenartigen Stäbe vor den Fenstern eine feine Oberflächentextur.
Würdigung
Bei der Markuskirche handelte es sich in den vierziger Jahren um ein äusserst umstrittenes Projekt, da aus theologischen und ästhetische Gründen auf den traditionellen Kirchengrundriss mit Langhaus und Chor verzichtet wurde. Die achteckige Form nimmt den Gedanken der im Kreis versammelten Gemeinde auf. Dennoch reiht sich der schlichte und in sich geschlossene Bau sowohl typologisch als auch stilistisch in die Architekturtradition der späten vierziger Jahre ein. Auch die Gestaltung des Innenraums mit den verschiedenen Oberflächenmaterialen und -texturen ist zeittypisch. Der freistehende Turm fungiert als Wahrzeichen einer ganzen Gebäudegruppe, der Aussenraum ist bemerkenswertes Werk von Gartenarchitekt Gustav Ammann.
Auszug aus der Schweiz. Bauzeitung 1950, Nr. 2 von Architekt Stadtbaumeister A.H. Steiner
Ein Kirchenbau ist heutzutage keine eindeutige Aufgabe, namentlich wenn dabei der Wunsch mitspricht, eine lebensnahe Lösung zu verwirklichen. Künstlerisch gesehen ist jede kräftige Zeit sich selbst gewesen. Mit dieser Erkenntnis ist die aller grösste Hochachtung vor den stark empfunden Werken der Vergangenheit verbunden.
Die kirchlichen Bauten früherer Jahrhunderte sind oft das Ergebnis der Arbeit vieler Generationen. Mit Ergriffenheit stehen wir vor Leistungen wie Chartres, vollbracht ohne Kran und Betonmaschine, aber mit dem Genie der Liebe und der Aufopferung. Ein solcher Vergleich - und er ist ein überhebliches Wagnis - entmutigt. Es bleibt uns nur, das Beste zu wollen, das unserer Zeit und unsern Kräften vorbehalten ist. Wir gehen damit von einem bescheidenen Massstab aus.
Ein Bau für die Gemeinschaft, wie eine Kirche, ist ein Werk der Gemeinschaft. Schon die Wahl des Bauplatzes, die in unserem Fall sicher als glücklich bezeichnet werden kann, ist für die Stellung und Gruppierung der Bauten mitbestimmend. Hervorgehoben sei die Tätigkeit des Preisgerichtes, das sich seinerzeit ausserordentlich eingehend mit der Baufrage beschäftigt hat. Kaum ein anderes Bauvorhaben als eine Kirche darf mit einer grösseren Anteilnahme der Bevölkerung und einem Bedürfnis nach Mitsprache rechnen.
Man kann den Bau grosser Einfachheit bezichtigen. Doch erscheint mir die Einfachheit als eines der stärksten Ausdruckmittel, wenn sie nicht die Bequemlichkeit und die Phantasielosigkeit zum Ursprung hat.
Die theologischen Gesichtspunkte zum Bau von Pfarrer E. Hurter
(Auszug aus der Schweiz. Bauzeitung 1950)
Die Baugeschichte der reformierten Kirche zeigt eine auffällige Abhängigkeit vom katholischen Vorbild. Das ist - historisch gesehen - begreiflich, denn die Erneuerung des Gottesdienstes zur Zeit der Reformation hat nicht ohne weiteres auch eine Erneuerung des Gotteshauses zur Folge haben können. Damals blieb der reformierten Kirche nichts anderes übrig, als den katholischen Kirchenraum zu übernehmen und ihn durch ein paar Improvisationen dem reformierten Gottesdienst dienstbar zu machen. Bei den späteren Neubauten siegte meistens der Konservativismus und es blieb - von rühmlichen Ausnahmen abgesehen - bei der katholischen Konzeption des Kirchenbaues - und das bis auf den heutigen Tag. Ein reformierter Kirchenbautypus, der allgemein Anerkennung gefunden hätte, lässt immer noch auf sich warten. Aber das lässt sich nicht bestreiten: So sehr der reformierte Gottesdienst vom katholischen verschieden ist, so sehr sollte sich auch die reformierte Kirche in ihrer Raumgestaltung von der katholischen zu unterscheiden wissen.
Dem Bau der Markuskirche in Zürich-Seebach ging eine umfassende theologische Besinnung voraus. Schon bei der Beurteilung der Wettbewerbsprojekte durch das Preisgericht wurde sehr grundsätzlich vorgegangen. Das Preisgericht hatte sich zum Voraus auf gewisse Prinzipien geeinigt und dementsprechend die Prämierungen vorgenommen. So wurde denn auch die spätere Gestaltung der Kirche nach wohlüberlegten Grundsätzen bis in alle Einzelheiten durchgeführt - im Bestreben, eine echt reformierte Kirche zu schaffen.
Folgende Überlegungen waren beim Bau der Markuskirche massgebend:
Eine reformierte Kirche darf nur mit Vorbehalt als «Gotteshaus» aufgefasst werden. Diese Bezeichnung ist zum mindesten missverständlich, denn es heisst ausdrücklich:
Gott, der Herr des Himmels und der Erden, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
Die reformierte Kirche hat nur insofern sakrale Bedeutung, als sie der Versammlungsraum der gläubigen Gemeinde ist, die sich hier zusammenfindet, um Gottes Wort anzuhören und ihrerseits Gott zu loben und zu danken. Es lohnt sich wohl, für diesen Zweck ein besonderes Haus zu bauen und ihm einen besonderen Charakter zu geben. Da der echte reformierte Gottesdienst von eindeutiger Klarheit ist, hat auch der Gottesdienstraum lichtvoll und klar zu sein. Das schliesst eine schlichte Erhabenheit nicht aus. Im Gegenteil: Man darf es dem Raum anspüren, dass hier die Anbetung Gottes ihren Platz hat.
Für die reformierte Kirche und ihren Gottesdienst
sind zwei Elemente konstitutiv: Wort und Sakrament. Beide richten sich nicht an vereinzelte, einander nichts angehende Zuhörer und Zuschauer, sondern setzen eine Gemeinschaft unter den gläubigen Gottesdienstbesuchern voraus, bzw. sie schaffen - wenn sie kraftvoll genug sind - diese Gemeinschaft. Es ist darum in einer reformierten Kirche alles nach dem Wort und Sakrament auszurichten, und zwar so, dass dabei die Gottesdienstbesucher ihre Einheit und Zusammengehörigkeit erleben können. Auf den Gemeinschaftscharakter des reformierten Gottesdienstes gilt es durch eine geeignete Anordnung der Sitzreihen Rücksicht zu nehmen. Anstelle des langgezogenen Kirchenschiffes wurde in Seebach eine Form gewählt, die es erlaubt, die Sitzreihen zu konzentrieren und zu zentralisieren. Die Gemeinde wird um die Kanzel und den Abendmahlstisch herum gruppiert. Alles Trennende ist im Raum vermieden. Für irgendwelchen Separatismus ist kein Platz. Daher keinerlei Nischen und auch keine hohen, vom übrigen Kirchenraum losgelöste Emporen mit Separateingängen! Aber auch kein besonderes Gestühl für «ausgezeichnete» Gemeindeglieder und selbstverständlich keine hohen Säulen, die den Raum unnötig unterteilen und ihm die Einheit und Geschlossenheit nehmen!
Die Frage, ob die reformierte Kirche ein Chor enthalten soll oder nicht, erfuhr eine besondere Abklärung. Es wird gegenwärtig wieder da und dort die Forderung nach einem Chor erhoben und die Prämierung von neuen Projekten geradezu davon abhängig gemacht, ob sie ein Chor enthalten oder nicht. Durch das Chor soll vor allem der Abendmahlstisch (es wird in diesem Zusammenhang gern vom «Altar» gesprochen!) einen ausgezeichneten Platz erhalten. Es soll für die Gemeinde ein «Gegenüber» geschaffen werden und ihr dadurch die objektive Bedeutung der Sakramente zum Bewusstsein gebracht werden. Wir halten das für einen teilweisen Rückfall in den Katholizismus. In der katholischen Kirche ist das Chor notwendig, weil in ihm das Messopfer dargebracht wird. Zu diesem Chor hat nur der geweihte Priester Zutritt. Das Chor ist darum vielfach durch ein Gitter vom übrigen Kirchenraum abgetrennt. Die Gemeinde wird in der nötigen Distanz gehalten; sie spielt beim ganzen Vorgang im grossen ganzen nur eine Zuschauerrolle. In der Reformation ist das Messopfer abgeschafft worden. Das Chorgitter ist gefallen. Das Chor hat seine Bedeutung verloren. Jetzt tritt der Pfarrer mit den Kirchenpflegern vor die Gemeinde, um ihr im Auftrag Gottes das Abendmahl zu reichen. Dies geschieht vom Abendmahlstisch aus. Gott kommt in Wort und Sakrament der Gemeinde entgegen. Die Aufstellung von Kanzel und Abendmahlstisch in einem besonderen Raum entspricht nicht ihrer Bedeutung. Sie gehören direkt vor, oder sogar in die Gemeinde hinein. Darum ist der Platz, auf dem Abendmahlstisch und Kanzel ihre Aufstellung gefunden haben, bei uns so gelegt worden, dass die Sitzreihen der Gemeinde ihn seitlich flankieren. Es entstand dadurch das Gegenteil eines Chors, nämlich ein erhöhter Platz für Kanzel und Abendmahlstisch, der vom übrigen Kirchenraum nicht abgetrennt ist, sondern in diesen hineinragt. Das «Chor» ist gleichsam nach vorn verlegt. Statt Absonderung - Umschliessung desselben durch die Gemeinde! So bekommt die Gemeinde wahrhaftigen Anteil an Wort und Sakrament. - Dem Sakramentstisch ist dabei eine absolut zentrale Stellung eingeräumt worden. Die Kanzel, die ihm gegenüber eine weitere leichte Erhöhung erfahren hat, ist seitlich etwas verschoben worden. Damit wird die Wortverkündigung nicht zur Nebensache degradiert, wohl aber wird zum Ausdruck gebracht, dass eine echte Verkündigung immer wieder von dem Geschehen in Taufe und Abendmahl auszugehen und dorthin zurückzukehren hat. Das freie Wort wird dadurch gleichsam zentriert und in seinem tiefsten Sinn festgehalten.
Im übrigen ist die Kanzel absolut freistehend, kein Anhängsel der Orgel, oder sonst wie mit einem andern Bauelement verbunden. (Das Wort Gottes verträgt keinerlei «Anlehnung» !) Der Pfarrer schreitet durch die Gemeinde hindurch
zur Kanzel und kommt nicht als «deus ex machina» durch ein separates Türchen in die Kirche hinein.
Um die Zweiheit der Verkündigung durch Wort und Sakrament hervorzuheben, ist auf die Dreiheit von Kanzel, Abendmahlstisch und Taufstein verzichtet worden. Die beiden Sakra-mente - Taufe und Abendmahl - lassen sich ohne Schaden von ein und demselben Ort aus darbieten. - Es ist einem Tisch aus Stein den Vorzug gegeben worden. Es wirkt weniger gekünstelt, wenn auf einen solchen Tisch eine Schale gestellt wird, aus der die Taufe ge-spendet wird und man bei der Feier des Abendmahls durch die Abendmahlsgeräte ersetzt, als wenn bei der Feier des Abendmahls ersetzt, als wenn bei der Feier des Abendmahls der Taufstein in einen Tisch verwandelt werden muss. (Zudem hat bei uns der Taufakt eine derart rudimentäre Form angenommen - vom Tauchbad bis zu den drei Tropfen ist ein weiter Weg! -, dass eine Taufschale auf dem Abendmahltisch ihren Zweck vollauf erfüllt).
Die Orgel gehört nicht ins direkte Blickfeld der Gemeinde. Als Begleitinstrument darf sie nicht mit einem grossartigen Pfeifenprospekt den ganzen Kirchenraum beherr-schen. Ihre seitliche Anordnung entspricht der Bedeutung, die ihr im Gottesdienst zukommt. Das Schwergewicht des Orgelpro-spektes ist bei uns von der Kanzel weg auf die gegenüberliegende Seite verlegt worden.
Der Kirchenchor hätte sein Platz im äusser-sten Banksektor rechts - von der Kanzel aus gesehen - einnehmen sollen - gleichsam als Pendant zur Orgel. Es ist ein unbedingtes Erfordernis, dass der Chor mit der Gemeinde in einer direkten Fühlungnahme steht. Sie Sänger sollten sich aber nicht von ihren Plätzen wegbegeben müssen, um sich als Chor zu formieren. Diese ideale Lösung ist bei uns nicht erreicht worden. Musikalische Notwendigkeiten haben dazu geführt, den Chor nunmehr auf dem Podium um den Abendmahlstisch herum aufzustellen, was seiner liturgischen Bedeutung allerdings widerspricht.
Bei der Ausschmückung der Kirche ist auf Bilder verzichtet worden. - Um der Gemeinde zum Bewusstsein zu bringen, dass eine echte Verkündigung im Zeichen des Kreuzes zu geschehen hat, erhebt sich hinter Kanzel und Abendmahlstisch ein zehn Meter hohes Kreuz aus Stein. Es ist mit der Wand, die im gleichen Material gehalten ist, direkt verbunden. Es ist keine Imitation des Golgathakreuzes. Der rein symbolische Charakter ist gewahrt. Das Kreuz ist aber auch kein kleinlicher Zierrat, sondern es beherrscht den gesamten Raum und stempelt ihn zu einer Kirche, in der «man beschlossen hat, nichts zu wissen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten».
Ausser dem Kreuz kommt in unserer Kirche das geschriebene - in Stein gemeisselte - Wort in einprägsamer Weise zu Geltung. Über dem einen Hauptportal steht das erste Wort der Bibel: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. - Über dem anderen das letzte Wort: Ja, ich komme bald. Amen. Komm, Herr Jesus. - Dazwischen stehen - als Überleitung zu Kreuz - auf vier Tafeln die zehn Gebote. Vor der Kanzel befindet sich ein Antepen-dium mit der symbolischen Darstellung des Pfingstereignisses: Die Hand - als Symbol für Gott, den Spender des Geistes; die Taube - den Heiligen Geist darstellend; die zwölf Flammen - als Hinweis auf die zwölf Apostel, welche als erste den Heiligen Geist empfangen haben - und schliesslich sechs Ketten, die Gemeinde versinnbildlichend, wie sie sich auf Grund des Heiligen Geistes gebildet hat. - Alles in allem kommt durch Wort und Symbol rings in der Kirche die ganze Heilsgeschichte - von der Schöpfung bis zur Wiederkunft - zur Darstellung. Im Zenit der Holzdecke weist ein Stern mit den dazugehörenden Sternbahnen auf den Himmel der Schöpfung.
Wir dürfen für unsern Kirchenbau wohl in Anspruch nehmen, dass er keinerlei Zufälligkeiten und unüberlegte Willkürlichkeiten aufweist. Nachdem man sich über die theoretische
Grundkonzeption klar geworden war, fanden die Ideen durch unseren «Baumeister» den entsprechenden architektonischen Ausdruck.
Wir sind der Überzeugung, dass damit ein echter Typus einer reformierten Kirche geschaffen worden ist.
Die Markuskirche verfügt über einen freistehenden, 42 Meter hohen Glockenturm nördlich der Kirche. Die Turmspitze ziert einen goldenen Turmhahn.

Der Turmhahn von Eugen Häfliger ist in Kupfer getrieben und vergoldet.

Der Glockenaufzug fand am 9. Oktober 1948 statt. Die Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse wurden an das Seil befohlen und unter grosser Begeisterung der Anwesenden glitten die grossen und schweren Glocken dem Turm entgegen, wo sie Fachleute mittels eines Scherenjochs und Flaschenzügen elegant an ihre vorbestimmten Plätze manövrierten. Die kleinste zuoberst und die grösste Glocke zuunterst.

Blumengeschmückte Glocken der Markuskirche. Die grösste Glocke (As-Glocke) wiegt 5 Tonnen.

Grossandrang beim feierlichen Glockenaufzug vom 9. Oktober 1948.

Die kleine as-Glocke: Misericordias Domini
(Die Gnade des Herrn)
Kranzspruch: «Die Gnade des Herrn will ich ewig besingen, von Geschlecht zu Geschlecht deine Treue kundtun.» Ps 89,1.Blockinschrift: Die Gemeinde Seebach erhielt ihr erstes Kirchlein im Jahre 1664. - Die neue Kirche wurde in den Jahren 1946 - 1948 erbaut.
Zeichen: Das Seebacher Wappen.
Gewicht: ca. 600 kg
Die f-Glocke: Jubilate
(Jauchzet)
Kranzspruch: «Jauchzet Gott, alle Lande! Singet vom Ruhm seines Namens, machet herrlich sein Lob!» Ps 66,1-2Blockinschrift: Der Grundstein zur neuen Kirche wurde am 26. Oktober 1946 gelegt - Der wahre Grundstein unserer Kirche heisst: Jesus Christus.
Zeichen: Das Christusmonogram
Gewicht: ca. 1000 kg
Die es-Glocke: Cantate
(Singet)
Kranzspruch: «Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er hat Wunder getan!» Ps 98,1Blockinschrift: Zum zweitenmal blieb unser Land während eines grossen Weltkrieges verschont. - Gebe Gott, dass die Glocken unserer Kirche stets im Frieden läuten!
Zeichen: Ein Ölzweig
Gewicht: ca. 1450 kg
Die c-Glocke: Rogate
(Bittet)
Kranzspruch: «Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass euere Freude vollkommen sei!» Joh. 16,24 Blockinschrift: Unsere Kirche trägt den Namen des Evangelisten Markus, des einen Zeugen Jesu Christi, der als Schwacher im Glauben angefangen und als Starker aufgehört hat.
Zeichen: Der Markus-Löwe
Gewicht: ca. 2450 kg
Die grosse As-Glocke: Exaudi
(Erhöre)
Kranzspruch: «Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen; sei mir gnädig und erhöre mich! Ps 27,7 Blockinschrift: Die Kirche aus Stein ist der Vergänglichkeit preisgegeben. - die Gemeinde Jesu baut und traut auf die Ewigkeit.
Zeichen: Ein Anker
Gewicht: ca. 5000 kg


Ausgangslage
Geschichte
1948 Bau
1977/78 Innenrenovation
2003/04 Erarbeitung, Zustandsbericht und Kostenschätzung: Rütti & Partner Architekten AG
2006 Leck der Bodenheizung
2006 Kontaktaufnahme mit Herrn M. Hubacher (Baubeauftragter und Vorstandsmitglied des
Verbandes der stadtzürcherischen evang.-ref. Kirchgemeinden)
2007 Abklärungen Varianten Heizung (Bank- oder Bodenheizung)
2007 Aktualisierung Kostenschätzung, Erarbeitung Projektierungskreditantrag
2007 Projektierungskredit von Fr. 50'000.- , Erarbeitung Bauprogramm und Kostenvoranschlag
Grundsätzliche Überlegungen
Die Kirche mit den angebauten Gebäuden wurde 1948 nach den Entwürfen von A. H. Steiner gebaut. Der Bau und die Ausstattung wurden bis in kleinste Details geplant. Bei der letzten Renovation vor 30 Jahren wurde diskutiert, was geändert werden kann oder darf. Auch jetzt stellte sich die Frage, wie weit wir die Kirche und vor allem ihre Ausstattung verändern können, um sie den wechselnden Bedürfnissen der Gemeinde anzupassen, ohne sie zu einer gesichts- und charakterlosen Gebäudehülle zu reduzieren. Im Sinne der Denkmalpflege haben wir entschieden grundsätzlich nichts zu verändern. Mit Zustimmung der Denkmalpflege wollen wir aber kleine Ergänzungen und Veränderungen vornehmen, die uns erlauben den Raum flexibler und vielfältiger zu nutzen.
Bauprogramm
Umfang
Elektroarbeiten
- Ersatz des Elektroverteilers und aller Leitungen
- Sanierung der Lampen im Kirchenraum, neue hellere langlebigere Leuchtmittel, Ersatzglaser fur Emporenlampen
- Sanierung Kanzelleuchte
- Neue Ausleuchtung Kreuz
- Zusatzleuchten im Bereich Kanzel/Taufstein (Chor, Orchester, Aufführungen)
- Leinwand links neben Kreuz: an Leinwandlift aufhängbar
- Neue Steckdosen (Strom, Netzwerk im Kirchenraum)
- Netzwerkverkabelung zu Kanzel, Beamer, Orgel, etc.
- Beamer-Installation auf Empore
- Neue Induktionsschlaufe fur Hörgerate
- Fluchtwegschilder
Sandsteinboden
- Die Sandsteinplatten werden ausser im Randbereich durch dünnere (vier cm) Platten aus den Originalsteinbrüchen ersetzt
- Die verbleibenden Platten am Rand und im Kanzel-/Taufsteinbereich werden geschliffen
- Anbringen eines Rutschschutzes bei den Stufen im Kanzel-/Taufsteinbereich
Heizung und Lüftung
- Neue Bodenheizung mit neuer Steuerung
- Isolation unter neuer Bodenheizung
- Ersatz Luftungssteuerung
- Reinigung Lüftung
Sitzbänke
- Renovation durch Schreiner
- Schleifen und lackieren
- Ersatz der Sitzkissen
- Vordere Sitzbänke werden nicht mehr fest montiert
- Entfernung und Einlagerung von Sitzbänken von Empore (Platz fur Musiker) und unter Empore (wurden von vorne in Fluchtgang gestellt, sind zu entfernen (Feuerpolizei)
- Auftrennung der drei längsten Bänke im hinteren Mittelteil der Kirche
Lagerraum im Keller
- Abbruch des nicht mehr benutzten Oeltanks
- Einbau zweier Türen in den Tankraum
- Zugang direkt über Aussentüre (neben Südeingang Kirche) und von Dresden-Stube über zu befestigenden Weg durch den Keller
Ferner
- Malerarbeiten: Gerüst stellen, Wände malen, Kuppel nur reinigen
- Metallgeländer auf der Emporenbrüstung als Absturzsicherung
- Panikschlösser an Schliessanlage
- Baureinigung
- Instandstellung Umgebung
- Orgelsanierung (separates Projekt)
- Ersatz der kompletten Elektrik
- Neuer Spieltisch in altem Originalgehäuse
- Generalrevision und diverse Ergänzungen
Schlussgedanke
Mit dieser Innensanierung wollten wir technische Mängel beheben, abgenutzte Bauteile sanieren und kleine Verbesserungen verwirklichen. Der Kirchenraum bleibt wie ursprunglich beabsichtigt, unauffällig und bescheiden, aber angenehm. Wichtig ist und bleibt, was Menschen darin glauben und fühlen.
verfasst von Stefan Müller, Liegenschaftenverwalter der Kirchenpflege (1999 - 2009)

Die Sanierung des Glockenturms
Im Sommer 1968 wurden die Mörtelfugen der Westseite des Turms saniert mittels einer Neoprenschnur und anschliessendem Ausfugen mit dauerelastischem Kitt.
Im Frühjahr 1978 fand eine Gesamtrenovation des Glockenturms statt. Die Natursteinpartien wurden gereinigt und zum Teil ersetzt und die Fugen ausgebessert. Die verputzten Partien wurden teilweise erneuert und neu gestrichen. Die Turmuhr wurde ebenfalls erneuert und die Zeiger und Ziffern neu vergoldet.
Im Spätsommer 1991 wurde die Westfassade infolge weiterandauernder Feuchtigkeitsschäden erneut saniert. Bereits damals wurde von den Architekten festgehalten, dass die drei übrigen Fassaden in den nächsten fünf Jahren ebenfalls saniert werden müssen.
Im Jahre 2002 wurden diverse Sanierungsarbeiten im Turminnern hauptsächlich auf der Höhe des Glockenstuhls ausgeführt. Dabei ging es vor allem um die Instandsetzung von diversen kleineren Betonabplatzungen. Die rostigen Glockenjoche wurden entrostet und neu gestrichen und die Steuerung des Geläuts ersetzt.
Im Sommer 2005, anlässlich der Kirchturmkontrollen des Stadtverbands, fand eine Beurteilung des Ist-Zustandes des Glockenturms durch einen Bauingenieur, eines Steinbildhauer und eines Materialtechnologen statt. Der Turm wurde innen eingehend besichtigt, die Fassaden hingegen nur vom Boden aus mit Fernrohr beurteilt. Es wurden zum Teil gravierende Schäden an der Betonkonstruktion und an den Betonlamellen festgestellt. Weniger bedeutende Schadbilder wurden bei den Natursteinpartien diagnostiziert. Zum Schutze der Passanten wurde darauf der unmittelbare Bereich des Turms mit Gittern abgesperrt.
Anhand der eingehenden Untersuchung im Jahre 2007 von der Hebebühne aus, mit Betonuntersuchungen, Materialanalysen und erstellen eines Schadenkatasters, kamen alle zuständigen Personen zu dem Entschluss den Turm zu sanieren.
Im Frühjahr 2009 begann dann die Sanierung des Turms. Folgendes wurde saniert oder ersetzt:
Die Betontragstruktur und die Betonlamellen konnten vor Ort saniert werden. Bei den Sandsteinausfachungen wurden defekte Steine ersetzt und die Fugen vermörtelt. Die gesamten elektrischen Installationen inklusive Zuleitung vom Kirchgemeindehaus wurden erneuert. Sichtbarer Glanzpunkt dieser Erneuerung ist die Turmbeleuchtung, die unseren Turm von allen Seiten in hellstem aber dennoch stromsparendem Licht aufleuchten lässt. Zifferblätter, Zeiger und Turmhahn wurden gereinigt und erhielten eine neue Goldschicht. Alle Glocken wurden schwingungsdämpfend gelagert und die grösste Glocke (As) erhielt eine neue Aufhängung und einen neuen Klöppel.

Die wichtigsten Daten und Ereignisse von 1934-2015
Mai 1934 - Oktober 1934
Der 1933 von den Nazis von seinem Bonner Lehrstuhl vertriebene und aus dem Deutschen Staatenverband ausgebürgerte, berühmte Kirchenhistoriker (und Bonner Kollege K. Barths) Prof. Karl Ludwig Schmidt erhält eine Pfarrverweserstelle in Seebach.
1936-1943
Paul Vogt amtet als Pfarrer in Seebach
Oktober 1939 - Februar 1940
Der Sohn von Karl Barth und spätere Professor in Chicago und Basel Markus Barth absolviert sein Pfarramtpraktikum in Seebach.
1943-1950
Heinrich Hellstern – Pfarrer in Seebach
29. Mai 1988
Besuch, Predigt und Vortrag von Prof. Hans-Joachim Kraus in Seebach (Moderator/Präsident des Reformierten Bundes in der BRD).
10. Juli 1988
Besuch und Predigt von Prof. Robert Hood, New York (Buchautor und Freund des südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu).
14. Mai 1989
Besuch und Predigt von Johannes Rau in Seebach (Ministerpräsident von Nordrhein/Westfalen und deutscher Bundespräsident von 1999-2004).
Talk am Turm 1989 - 2010
Beginn der sonntäglichen Gesprächsreihe über «Gott und die Welt» / «Talk am Turm», geleitet von Pfarrer Rolf-Joachim Erler. Seine Gäste waren die folgenden:
14.05.1989: Dr. Johannes Rau, dt. Ministerpräsident von Nordrhein/Westfalen, stellvertretender Vorsitzender der SPD, dt. Bundeskanzlerkandidat 1987, dt. Bundespräsident von 1999 bis 2004
27.11.1994: Elsie Attenhofer, Schauspielerin (Kabarett «Cornichon»)
30.04.1995: Kurt Marti, Schriftsteller
22.10.1995: Walter Roderer, Schauspieler
24.03.1996: Manuel Eisner, Soziologe an der ETH Zürich (Gesprächsleitung: Jürg Müller)
19.05.1996: Ruth Roduner-Grüninger, Tochter von Paul Grüninger
17.11.1996: Hugo Stamm, Publizist und Sektenspezialist («Tagesanzeiger»,Zürich)
15.06.1997: Patrice de Mestral, Gefängnisseelsorger, Psychologe (Gespr.-Leitung: Jürg Müller)
19.10.1997: Dorothee Sölle, ehem. Professorin in New York City, freie Schriftstellerin in Hamburg
15.03.1998: Dr. Ernst Zehnder, Hausarzt und Publizist («Sprechstunde Gesundheit»)
06.09.1998: Dr. Alfred A. Häsler, Publizist (Autor von «Das Boot ist voll»)
15.11.1998: Pfr. Dr. Ruedi Reich, Kirchenratspräsident des Kantons Zürich
09.04.2000: Josef Estermann, Stadtpräsident von Zürich (bis 2002)
01.09.2002: Eberhard Busch, Biograf Karl Barths, ehemaliger Professor in Göttingen
20.06.2010: Monika Weber, Alt-Stände- und Stadträtin von Zürich
17.-24. Mai 1989
Gemeindereise nach Dresden und Wiederaufnahme der einst durch Pfarrer Heinrich Hellstern begründeten partnerschaftlichen Beziehungen zur Reformierten Gemeinde in Dresden.
22. März 1992
Eurovisions- Fernsehgottesdienst mit der Herrnhuter Brüdergemeine in der Markuskirche anlässlich des 400. Geburtstages von Johann Amos Comenius (der grosse Pädagoge des 17. Jahrhunderts).
21. Mai 2000
Festgottesdienst und Gedenkfeier der Zürcher Landeskirche in der Markuskirche anlässlich des 100. Geburtstages von Paul Vogt (u.a. mit dem israelischen Botschafter Yitzchak Mayer und internationalen Gästen).
10. Dezember 2000
Abschiedskonzert und Auflösung des seit 1959 bestehenden Kirchenorchesters (begleitete zahlreiche Gemeindegottesdienste und führte jährlich die in Seebach geschätzten Adventskonzerte durch).
26. März 2001
Baubeginn «Umbau Kirchgemeindehaus»
23.-28. Mai 2001
Zweite Gemeindereise nach Dresden
29.11.2002
Bei der Spendenaktion für die «Elbflutopfer» der Dresdner Partnergemeinde im August 2002 wurden innert kurzer Zeit CHF 78'619.60 in der Kirchgemeinde Seebach gesammelt.
1.-7. Mai 2005
Dritte Gemeindereise nach Dresden
8. November 2008
Buch-Präsentation Rolf-Joachim Erler «Karl Barth – Charlotte von Kirschbaum» in der Markuskirche mit Grussworten von Prof. Dr. Eberhard Busch, Dr. Axel Berg (Deutscher Botschafter in Bern von 2008 bis 2011), u.a.
2011
Buch-Präsentation Prof. Dr. Eberhard Busch «Meine Zeit mit Karl Barth – Tagebuch 1965 – 1968»
22. März 2015
Buch-Präsentation Dr. Heinrich Rusterholz (ehem. SEK-Präsident) «… als ob unseres Nachbars Haus nicht in Flammen stünde»
Paul Vogt


Ein Nach-Wort, das am Seebacher Wege liegt
«Wenn dein Kind dich morgen fragt» (5. Mose (i, 20), was uns im Leben wichtig war, weitergebracht und getragen hat, dann werden wir zuerst wohl Menschen nennen. Das sind vor allem die Eltern und Grosseltern, die Geschwister und Freunde, aber auch die Lehrer. Sie alle haben uns mehr geprägt, als uns oft bewusst und manchmal auch lieb ist.
Meinem Kind kann ich auch erzählen, dass ich mir selbst im Laufe der Jahre einen Lehrer - ein Vorbild - ausgesucht habe, bei dem ich erkennen konnte, dass sein Reden mit seinem alltäglichen Leben übereinstimmt, auch eingedenk all der Fehler und Schwächen, die er hat. Bei einem selbst ausgewählten Lehrer geht es nicht zuerst um dessen vielleicht sehr grosses Wissen und Denken, sondern vor allem darum, wofür er einsteht und - auch zu seinem Nachteil - etwas mutig riskiert. Bei ihm kann ich erkennen, was er um der Menschen willen liebt und verachtet.
In unserer Markuskirche haben wir uns zweier solcher Lehrer anlässlich ihres 100. Geburtstages im Jahre 2000 und 2006 erinnert und sie mit einem grossen Fest als Vorbilder unserer Gemeinde gewürdigt:
Paul Vogt (1900—1984) wirkte von 1936 bis 1943 als Pfarrer in Zürich-Seebach. In diesen Jahren war er wegen seines grossen persönlichen und unermüdlichen Einsatzes für Verfolgte des Naziregimes - vor allem für jüdische Flüchtlinge — nicht unangefochten. Den kritischen Stimmen jener Zeit, in der Juden um ihr Überleben zu kämpfen hatten, hielt er entgegen: «Jede Barmherzigkeit ist eiskalt und stahlhart, bei der man das Seufzen und Stöhnen heraushört: Wir müssen! Wir müssen! Jetzt müssen wir wieder sammeln. Jetzt müssen wir wieder geben. Jetzt müssen wir wieder einen Fremdling aufnehmen. Jetzt müssen wir wieder opfern. An der Mussbarmherzigkeit und an der Mussliebe stirbt das Christentum und geht die Kirche zugrunde.»
Der World Jewish Congress würdigte Paul Vogt am 11. Mai 2000 mit den Worten: «Das grossartige Wirken des Flüchtlingspfarrers während der grauenhaften Zeit des Krieges und der Judenverfolgungen ist unvergessen.»
Er hatte sich auch - leider vergeblich, eine Tragödie - für den Liederdichter unseres reformierten Gesangbuches in der Schweiz, für Jochen Klepper, eingesetzt.
Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer (1906—1945) war als Pfarrer der «Bekennenden Kirche» in Deutschland ein entschiedener Gegner des Naziregimes und am Attentat gegen Adolf Hitler beteiligt.
Seiner oft schweigsamen Kirche angesichts des Nazi-Terrors hielt er entgegen, dass sie «nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen» habe. Am 9. April 1945 wurde er von NS-Schergen im KZ Flossenbürg grausam hingerichtet. Sein Name ist heute eingezeichnet im «Märtyrer-Buch» der Ökumene, der Weltkirche.
Und Christen in aller Welt wissen heute mit seinem Gebet, was es heisst, «von guten Mächten wunderbar geborgen» zu sein.
Für Dietrich Bonhoeffer war 1944 im Gefängnis klar geworden, dass unsere Kirche «die Bedeutung des menschlichen <Vorbildes> nicht unterschätzen» dürfe, denn «nicht durch Begriffe, sondern durch <Vorbild> bekommt ihr Wort Nachdruck und Kraft». Das meint auch: Die Person beglaubigt die Sache.
Die «Bausteine» der 150-jährigen Geschichte der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich Seebach bestehen demnach auch aus Fleisch und Blut und haben darum bis heute Spuren in unseren Köpfen und Herzen hinterlassen. Mit diesen «Bausteinen» ist unserer Gemeinde eine Tradition geschenkt und vorgegeben worden, mit der wir nicht wissen, was morgen kommt, aber wir dürfen mit ihr wissen, wo unser Herz seinen rechten Fleck behält.
«Si saxa loquantur»: «Wenn Steine reden könnten», dann würden sie dem Kind auf seinem zukünftigen Weg auch sagen: «Wenn du weisst, wo du herkommst, dann weisst du auch, wo du hin willst!»
Rolf-Joachim Erler
Pfarrer in Zürich-Seebach von 1987 bis 2014
Heinrich Hellstern

Während Pfarrer Vogt im Flüchtlingspfarramt eine Freiplatzaktion für jüdische Flüchtlinge aufbaute, suchte und fand die Kirchgemeinde Seebach mit Pfarrer Heinrich Hellstern einen Nachfolger für die 2. Pfarrstelle. Der 1943 eingesetzte neue Pfarrer wurde im Herbst 1945 vom Evangelischen Kirchenbund als Sekretär für die kirchliche Nachkriegshilfe angeworben‚ auf Antrag des Kirchenrates für ein Jahr von seinem Dienst in Seebach beurlaubt und durch einen Vikar ersetzt. Aus der von Pfarrer Hellstern aufgebauten Organisation ging 1946 das «Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz» (HEKS) hervor. Dort wurde seine Mitarbeit weiterhin benötigt.
So kam es in Seebach 1946 zur Rochade: Die zweite Pfarrstelle wurde neu besetzt, während Pfarrer Hellstern auf eine für ihn geschaffene Pfarrhelferstelle wechselte, aber umgehend für ein weiteres Jahr beurlaubt wurde. Wie schon Paul Vogt musste Seebach schliesslich auch Heinrich Hellstern ziehen lassen. 1950 demissionierte er als Pfarrhelfer und widmete sich vollamtlich dem HEKS, das er mit der 1961 geschaffenen Aktion «Brot für Brüder» (heute «brot für alle») zu einem weltumspannenden Hilfswerk für evangelische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ausbaute.
Die grenzüberschreitende Bereitschaft «zu opfern statt öpferlen», wie sich Pfarrer Vogt ausdrückte, machten ihn und seinen Nachfolger Hellstern zu Vorbildern in der Seebacher Kirchengeschichte.
Elsy Weber, erste reguläre Pfarrerin in Seebach

Die erste reguläre Seebacher Pfarrerin war Elsy Weber. Sie war engagiert in der Flüchtlingshilfe von Pfarrer Vogt, absolvierte ein Theologiestudium, begann 1945 in Seebach als Gemeindehelferin und wurde 1946 als Vertreterin des beurlaubten Pfarrers Hellstem als Pfarrhelferin eingestellt. Sie versah dieses Amt fast 20 Jahre lang. Als Pfarrhelferin war sie verpflichtet, jede Predigt einem der gewählten Pfarrer vorzulegen, was sie nach Aussagen einer Freundin zunehmend als «demütigend» empfand. Nach Einführung des neuen Kirchengesetzes von 1963 gehörte sie zu den zwölf ordinierten Theologinnen, die im Kanton Zürich als Erste für eine Pfarrstelle wählbar waren. Elsy Weber wurde 1964 umgehend als Seebacher Pfarrerin gewählt.
Diese Urkunde ist im Fundament der Markuskirche eingebettet. Sie soll der Nachwelt erhalten bleiben und ein Zeugnis hinterlassen, obwohl ja eigentlich alles Weltliche vergänglich ist.

Broschüre
