
Zwingli und Täufer
Wer darf über das Wort Gottes urteilen?
Simon Stumpf stößt auf, dass Zwingli das Recht, über das Wort Gottes zu urteilen, dem Rat der Stadt Zürich überträgt. Allein der Geist Gottes urteile über das Wort. Zwingli gibt ihm in diesem Punkt natürlich recht. Doch wie die Reformation umzusetzen sei, das obliege der Regierung. Eine Spaltung zwischen Zwingli und den zukünftigen Täufern kündigt sich an.

Simon Stumpf Meyster Ulrich! Ir hand desse nit gewalt, das ir minen herren das urteil in ir hand gebind. Sunder das Urteil ist schon geben. Der Geist Gottes urteylet. So dann mine herren etwas erkennen wurdind und urteylen, das wider das urteyl gottes were, so will ich Christum umb seinen Geist bitten und darwider leren und thuen.
Zwingli Das ist recht. Ich will ouch darwider predgen und tuen, so sy ein anders erkantind. Ich gib inen das urteyl nit in ir hend. Sy söllend ouch über das wort gottes gantz nit urteilen, nit nun allein sy. Ja ouch alle welt nit. Diese Zuesammenberueffung ist darumb geschehen umb ein wüssen ze haben und uss der geschrifft erfaren, ob die mess ein opfer sye oder nit. Danethyn so werdend sy radtschlagen, mit was fuegen das zue dem aller komlichsten ohn uffruer geschehen mög.
Simon Stumpf Meister Ulrich! Ihr habt nicht das Recht, dass Ihr meinen Herren das Urteil in ihre Hand gebt. Denn das Urteil ist schon gegeben. Der Geist Gottes urteilt. Und falls meine Herren etwas zu tun gedenken und richten, was gegen das Urteil Gottes wäre, so will ich Christus um seinen Geist bitten und dagegen lehren und handeln.
Zwingli Das ist recht. Ich will auch dagegen predigen und handeln, so sie etwas anderes vornehmen würden. Ich gebe ihnen das Urteil nicht in ihre Hand. Sie sollen auch über das Wort Gottes keinesfalls urteilen. Aber nicht nur sie dürfen das nicht, die ganze Welt nicht. Diese Versammlung ist geschehen um aus der Schrift zu wissen und zu erfahren, ob die Messe ein Opfer sei oder nicht. Daraufhin werden sie prüfen, mit welchen Mitteln sie am allerdienlichsten ohne Aufruhr dies (die Reformen) umsetzen können.
