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Kilchhöry

Jede Kirchgemeinde entscheidet selbst

Konrad Grebel möchte wissen, ob man für das Abendmahl gesäuertes oder ungesäuertes Brot benutzen soll. Zwingli sagt, das sei egal, das solle jede Kirchgemeinde für sich selber entscheiden – dazu finde sich nichts Konkretes in der Bibel. Die Kirchgemeinde habe das Recht, über Gebräuche vor Ort zu entscheiden, solange sie nicht der Bibel widersprechen. Grebel beschwert sich anschliessend darüber, dass der Wein beim Abendmahl mit Wasser verdünnt werde. Zwingli gibt ihm recht. Und dann stört sich Grebel daran, dass der Pfarrer den Gläubigen beim Abendmahl das Brot in den Mund legt. Als ob diese den Leib Christi auf keinen Fall mit den Händen anfassen dürften. Zwingli äussert die Hoffnung, dass dieser Brauch und auch die Messdiener abgeschafft werden.

Relief zeigt Menschen, die Suppe an Bedürftige verteilen; mehrere Personen halten Schalen und erhalten Essen an einem großen Topf.
Nick Thompson / flickr

Konrad Grebel  Ich wyllt noch gern ein wissen haben, ob das brot geheblet oder ungeheblet sin muess. Dann mich wyllt ansehen, Christus habe geheblet brot gnommen.

Zwingli  Es läge nit vil daran. Ein iede Kilchhöry möchte sich des vereinbaren, was brot sy bruchen wölte, gheblets oder ungheblets.

Grebel  Es were wol zu gedencken: dann es stet «panis» im text und nit «sinwel».

Zwingli  Ir möchtent wol lyden, man neme gwont brot darzu, so ist daran nit gsündet.

Grebel  Also stat es alles an der Kilchhöri?

Zwingli  Ja, es stat alles an der Kilchhöry, was mit dem hällen wort gottes nit ist usstruckt. Mit ghebletem oder onghebletem brot verhandlen lyt allein an der kilchhöry bruch. Denn daran lyt wenig.

Grebel  Das ist ouch ein grüwel gottes, das man in das bluet Christi wasser schüttet on grund und anzug aller götlicher gschrifft.

Zwingli  Conrat! Du redtst recht! Man sol das wasser nit darzue bruchen.

Grebel  Dis ist ouch ein missbruch: das ynstossen, so die priester den leyen thund. Glych als ob wir nit hend habind - uns nit zimme, den lyb Christi so wol anzerueren als den pfaffen.

Zwingli  Daran ist gar nüt gelegen. Darumb hat man diener ghebt, die dasselbig ussgeteylt habend. Wir möchtind das nit uss dem wort gottes wissen, ob Christus sin lyb den jüngeren in d Hand geben hat oder nit. Ich bin in hoffnung, ir, mine herren, werdind die messknecht abstellen und sy in guetem fryden absterben lassen.

Konrad Grebel  Ich wollte noch gerne wissen, ob das Brot beim Abendmahl gesäuert oder ungesäuert sein soll. Denn ich bin der Meinung, dass Christus gesäuertes Brot genommen hat.

Zwingli  Es liegt nicht viel daran. Eine jede Kirchgemeinde soll dies festlegen, was für ein Brot sie gebrauchen will, gesäuertes oder ungesäuertes.

Grebel  Es wäre wohl zu bedenken: denn es steht «panis» (Brot) im Text und nicht «sinwel» (Kreisförmiges, also Hostie).

Zwingli  Ihr möchtet es handhaben wie ihr wollt. Nehmt doch gewöhnliches Brot zum Abendmahl, so ist das keine Sünde.

Grebel  Also entscheidet allein die Kirchgemeinde?

Zwingli  Ja, es entscheidet allein die Kirchgemeinde, was nicht mit dem hellen Wort Gottes klar ausgedrückt ist. Ob gesäuertes oder ungesäuertes Brot verwendet wird, entscheidet allein der Brauch der Kirchgemeinde. Denn an den Bräuchen liegt wenig.

Grebel  Das ist doch ein Gräuel Gottes, dass man in das Blut Christi Wasser schüttet ohne Grund und Beweis der göttlichen Schrift.

Zwingli  Konrad! Du redest recht! Man soll das Wasser nicht dazutun.

Grebel  Das ist auch noch ein Missbrauch, dass die Priester die Hostie den Laien ins Mund legen. Als ob wir keine Hände hätten und es uns nicht zustehen würde, den Leib Christi genau so anzurühren wie den Pfaffen.

Zwingli  Das ist nicht entscheidend. Darum hat es immer Diener gegeben, um diese auszuteilen. Wir können es aus dem Wort Gottes nicht wissen, ob Christus seinen Leib den Jüngern in die Hand gegeben hat oder nicht. Ich habe die Hoffnung, dass ihr, meine Herren, die Messdienste beenden werdet und diese Gewohnheit langsam aber sicher ausklingen lässt.

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