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Entscheidung des Rates

Beschluss des Rates: das Evangelium soll gepredigt werden!

Der Bürgermeister der Stadt Zürich fasst den Prozess gegen Zwingli zusammen: Niemand habe es geschafft, Zwingli anhand der Evangelien der Ketzerei zu bezichtigen. Worauf er Zwingli die Erlaubnis erteilt, weiterhin als Pfarrer am Grossmünster zu wirken. Zudem sollen die verschiedenen Strömungen der Kirche aufhören, sich gegenseitig zu verleumden. Zwingli bedankt sich bei den Stadtoberen. Der Generalvikar protestiert: Zwingli wolle die althergebrachten Bräuche und die Pracht der Kirche beschneiden– dies bedrohe die christliche Lehre. Das wolle er beweisen. Zwingli bittet ihn, das zu tun.

Eine historische Szene mit fünf Männern in einem Raum, einer spricht vor vier sitzenden Männern an einem Tisch.
ZB Zürich, Ms. B 316, f. 15r

Bürgermeister  Diewyl aber meister Ulrich Zwingli – zu dem Grossen Münster in der Statt Zürich chorherr und predicant – vorhar siner leer gschuldiget worden; so hat sich uff sin erbieten nyemants wider in erhept, oder mitt der göttlichen geschryfft in understanden zue überwinden; als er ouch die, so in ein Ketzer geschuldiget, harfür ze gon erfordert - aber nyemant die ketzery siner leer bewysst.

Burgermeister, Radt und der Grossradt diser statt Zürich habent Unruw und Zwytracht abzestellen. Und nach irem hierüber gehaptem radtschlag ist ir ernstlich meinung, das meister Ulrich Zwingli fürfaren unnd wie bisshar, das heylig evangelium unnd die recht göttlich geschryfft nach dem geyst gottes sines vermögens verkünde.

Es söllent ouch all andre ire lütpriester, seelsorger und predicanten in iro statt und landtschafften anders nütt predigen, dann was sy mitt dem heyligen evangelion und rechter göttlicher geschrifft bewären mögen. Dessglychen söllent sy einanderen hinfür keiner gestalt schmützen, ketzeren noch andere schmachwort zureden.

Welche hierinn widerwertig erschynent unnd dem nitt gnueg thätent, dieselben wurde man dermassen halten, das sy unrecht gethan haben.

Zwingli  Gott syg lob unnd danck! Unnd üch, minen herren vonn Zürich, wirt on zwyfel der allmechtig, ewig gott in andrem ouch krafft und macht verlyhen, das ir die warheit gottes, das heylig evangelium in üwer lantschaft zu predigen fürdert. Hand des kein zwyfel: Der allmechtig gott wirt üch des belonung geben. Amen!

Vikar Johann Faber  Lieben Herren! Es ist hüt vil geret wider die löblichen, langherkummenden brüch, gewohnheit und satzung der heiligen bäpsten unnd vätter, welche bysshar constitutiones und geschrifften in der gantzen Christenheit wahrhaftig, gerecht und unstrefflich gehalten. Sölichs zu beschirmen und erhalten hab ich mich erbotten vor den hohen schuelen.

Nun aber, so ich erst hüt Meister Ulrichs Artickel übersehen hab, bedunckt mich warlich, das dieselben gantz und gar wider die ceremonias, das ist, wieder die löblichen herligkeit oder pracht der kilchen, fechten und stryten, zue nachteil der göttlichen leer Christi. Das will ich bewysen.

Zwingli Herr Vicari. Das thuent! Das wöllen wir gern hören!

Bürgermeister  So aber Meister Ulrich Zwingli – im Grossmünster der Stadt Zürich Chorherr und Prediger – bisher seiner Lehre wegen beschuldigt wurde; so hat sich auf sein Angebot hin niemand gegen ihn behauptet oder ihn mit der göttlichen Schrift widerlegen können; so hat er auch diejenigen herausgefordert, die ihn als Ketzer beschuldigt haben – aber niemand hat seine Lehre als Ketzerei überführen können.

Bürgermeister, Rat und Grosser Rat dieser Stadt Zürich haben die Absicht Unruhe und Zwietracht abzustellen. Und nachdem darüber beratschlagt worden ist, so ist sie zu dem ernsthaften Entschluss gekommen, dass Meister Ulrich Zwingli wie bisher das heilige Evangelium und die rechte göttliche Schrift gemäß dem Geist Gottes nach bestem Wissen und Gewissen verkünden solle.

Es sollen auch alle anderen ihre Leutpriester, Seelsorger und Prediger an ihren Städten und Orten nichts anderes predigen als was mit dem heiligen Evangelium und mit der wahren göttlilchen Schrift in Einklang bringen lässt. Desgleichen sollen sie sich einander in keinerlei Weise als Ketzer beschimpfen, noch mit sonstigen Schmachworten einander beleidigen.

Wer dagegen verstösst und diesen Vorschriften nicht Genüge leistet, dieselben soll man als solche beachten, die Unrecht getan haben.

Zwingli  Gott sei Lob und Dank! Und euch, meine Herren von Zürich, wird zweifellos der allmächtige, ewige Gott unter vielen anderen Kraft und Macht verleihen, weil ihr die Predigt der Wahrheit Gottes, des heiligen Evangeliums, in euren Gebieten fördert. Habt keinen Zweifel: der allmächtige Gott wird euch dies belohnen. Amen!

Vikar Johann Faber  Liebe Herren! Es ist heute viel gegen die löblichen, althergebrachten Bräuche, Gewohnheiten und Satzungen der heiligen Päpste und Kirchenväter geredet worden, welche die Verfassungen und Gesetze in der gesamten Christenheit bisher wahrhaftig, gerecht und untadelig bewahrt haben. Ich habe mich stets vor den Hohen Schulen eingesetzt diese zu schützen und zu bewahren.

Nun, so ich erst heute Meister Ulrichs Thesen prüfen konnte, dünkt mich, dass sich diese ganz und gar gegen die Riten richten und streiten, also gegen die löbliche Herrlichkeit und Pracht der Kirche, zum Nachteil der göttlichen Lehre Christi. Das will ich beweisen.

Zwingli Herr Vikar! Tun Sie das! Das wollen wir doch gerne hören!

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