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Bibel auf Deutsch

Laien wissen mehr als Priester – dank der neuen Bibel 

Zwingli erklärt, dass niemand mehr auf Geistliche angewiesen sei, die das Wort Gottes auslegen. Viele Laien wüssten dank der deutschen Neuübersetzung mittlerweile besser über die Bibel Bescheid als viele Pfarrer. Man soll sich nur noch die Bibel kaufen, von der päpstlichen theologischen Literatur soll man die Finger lassen. Ein Landpfarrer fragt, womit er solch eine teure Bibel bezahlen soll. Zwingli rät, sich finanzielle Hilfe zu organisieren.

01_webkachel Bibel auf Deutsch ©-Martin-Rulsch,-Wikimedia-Commons
Martin Rulsch, Wikimedia Commons

Zwingli  Der geist gottes flüsst so rychlich in der göttlich gschrifft, er spaciert in ir so lustlich, das ein yeglicher flyssiger leser, so fern er darinn kumpt mit demuetigem hertzen, von dem geist gottes in die geschrifft gewysst, byss er kumpt zue der warheit. Darumb sprich ich: Die sach bedarff nit menschlicher richter.

Das aber vor etlichen Zyten sölich sachen gemeinlich für menschlich richter und für die hohen schuelen gestelt, ist ursach, das die priester nit meer haben wellen studieren. Grösser flyss uff wollust, zue zyten uffs bretspyl geleit, denn uff die biblia zue lesen.

Daruss ist erwachsen, das man die, die nun ein schiin oder namen der wyssheit an sich gezogen, welchen sy zue zyten ouch erkoufft habent – gelert geschätzt und zue richtern erwelt hatt, die nüts vom rechten geist gottes oder von göttlicher geschryfft gewüsst hand.

Aber yetzund ist durch die gnaden gottes das heilig evangelium unnd göttlich geschrifft durch den druck in die welt und an das liecht kummen, das man in latin und tütsch findt.

Daruss sich ein yetlicher frummer Christenmensch, der lesen oder latin kann, den willen gottes erlernen mag. Und yetz ein priester, der flyss wyl haben, in zwey oder dryen jaren wol so vil von der göttlichen schryft mag wyssen, als vorhin mencher in zehen oder funffzehen jaren.

Desshalb will ich ermant haben alle prediger und seelsorger, kouff ein yeder ein nüw testament in latin – oder tütsch, wo er das latin nitt recht verstuend oder usslegen möchte. Dann ich schäm mich ouch nitt, das tütsch zue zyten ze lesen vonn wegen lichtlicher dargebung.

Sölich büecher kouff einer unnd lass der andren Sophisten oder lehrer gschrift und ouch das papistenwerck underwegen.

Predige dem Volck das heylig evangelium durch die vier evangelisten und aposteln, so wirt das volck geschickter, ein fridsams christlichs Leben zue füeren.

Denn es ist darzue kummen, das ouch die leyen und wyber mer von der göttlichen geschrift wissent, denn ettlich priester und pfaffen.

Ein Landpfarrer Wie soll aber einer thun, der ein kleine pfrund hat unnd nit so vil, das er söliche büecher, das testament, mag kouffenn? Ich hab ein armes pfrundlin.

Zwingli Es ist kein priester so arm. Wenn er sunst gern lernen will, mag er ein testament kouffen. Etwa findt er ein frummen burger und ander menschen, der im ein bibly koufft, oder sunst gelt fürsetzt, das er eine mag bezalen.

Zwingli  Der Geist Gottes fliesst so reichlich in der göttlichen Schrift, er spaziert darin so lustvoll, dass ein jeglicher fleissiger Leser, sofern er mit demütigem Herzen kommt, von dem Geist Gottes zur Schrift geführt wird, bis er die Wahrheit erkennt. Darum spreche ich: die Sache bedarf nicht eines menschlichen Richters.

Dass aber vor etlichen Zeiten solche Dinge gewöhnlich vor menschliche Richter und vor die Hohen Schulen gebracht wurden, ist der Grund, weshalb die Priester nicht mehr studieren hatten wollen. Sie haben stattdessen grösseren Fleiss auf die Wollust und auf das Brettspiel gelegt, als die Bibel zu lesen.

Daraus folgte, dass man diejenigen, die den Schein oder Namen der Weisheit an sich gerissen haben (zum Teil haben sie diese Titel einfach auch erkauft), als Gelehrte hochgeschätzt und als Richter erwählt hat, die nichts gewusst haben vom wahren Geist Gottes oder von der göttlichen Schrift.

Aber jetzt ist durch die Gnade Gottes das heilige Evangelium und die göttliche Schrift durch den Druck in die Welt und ans Licht gekommen. Das Evangelium findet man nun in lateinischer und deutscher Sprache.

Daraus kann ein jeglicher frommer Christenmensch, der lesen oder Latein kann, den Willen Gottes erlernen. Und heute weiss ein Priester mit ein wenig Fleiss in zwei drei Jahren so viel über die göttliche Schrift, wie vorher mancher in zehn oder fünfzehn Jahren.

Deshalb will ich alle Prediger und Seelsorger ermahnen, dass ein jeder ein Neues Testament kaufen möge und zwar auf Latein oder auf Deutsch, wenn er das Latein nicht recht verstehen oder auslegen kann. Denn ich schäme mich auch nicht, das Deutsche zuzeiten zu lesen wegen dem leichteren Verständnis.

Solche Bücher soll ein jeder kaufen und die Schriften der anderen Sophisten oder Lehrer und auch das «Papistenwerk» liegen lassen.

Predigt dem Volk das heilige Evangelium der vier Evangelisten und der Apostel, so wird das Volk viel befähigter sein, ein friedliches christliches Leben zu führen.

Denn wir leben nun in einer Zeit, wo auch die Laien und die Frauen mehr von der göttlichen Schrift wissen als etliche Priester und Pfaffen.

Ein Landpfarrer   Wie soll sich aber ein Pfarrer, der nur eine kleine Pfrund hat und nicht vermögend ist, solche Bücher, etwa das Neue Testament, leisten? Ich besitze nur eine arme Pfrund.

Zwingli   Kein Priester ist so arm, dass er nicht ein Testament kaufen kann, wenn er nur lernen wollte. Er findet sicherlich einen frommen Bürger oder jemand anderen, der ihm eine Bibel kauft oder Geld schenkt, um damit eines zu kaufen.

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