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Unsere Organistin in China
Kirchgemeinde

Unsere Organistin in Peking

Eine Organistin auf der ganz grossen Bühne: Dieser Traum ging für unsere Organistin Sofija Grgur in Erfüllung, als sie für eine Welturaufführung eines Konzerts nach Peking eingeladen wurde.
22.09.2026Sofija GrgurKirchenkreis zwölf
Geschätzte Lesedauer: 4min
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Organistin Sofija Grgur steht vor einer bunt verzierten, grossen Vase in einem modernen Innenraum.
Es ist alles etwas grösser in China: Organistin Sofija Grgur in Peking. Sofija Grgur
Das Wichtigste auf einen Blick
Unsere Organistin Sofija Grgur wirkte in Peking an einem musikalischen Projekt mit einem Doppelkonzert für Orgel und chinesisches Sheng mit. Die Aufführungen fanden im Nationalen Zentrum für Darstellende Künste statt. Trotz kurzer Vorbereitungszeit verlief die Reise professionell und inspirierend.

Im Juli 2026 bekam unsere Kirchenmusikerin Sofija Grgur eine aussergewöhnliche Gelegenheit: Sie wurde nach China eingeladen, um in Peking an einem besonderen musikalischen Projekt mitzuwirken. Als Organistin war sie an der Welturaufführung eines neuen Doppelkonzerts für Orgel, chinesisches Sheng und Symphonieorchester beteiligt.

Die Einladung kam über ihren Kollegen Wu Wei, den man auch bei uns in Oerlikon und in der Offenen Kirche St. Jakob bei der Orgelnacht erleben konnte und der in China als Artist in Residence tätig ist.

Zwei Konzerte, eine riesige Bühne, mehr als 4'000 Zuhörerinnen und Zuhörer – und dazwischen gerade einmal vier Tage für Duo- und Orchesterproben. Wie erlebt man eine solche Reise?

Eine Anfrage, die zunächst unfassbar klang

Als Mitte März die Anfrage kam, fühlte sich das Ganze zunächst fast unfassbar an. Eine einmalige Gelegenheit: die Welturaufführung eines Doppelkonzerts für Orgel und chinesisches Sheng, begleitet von einem Symphonieorchester.

Der renommierte finnische Komponist Jukka Tiensuu hat das Stück komponiert. Er ist bereits sehr versiert im Komponieren für Sheng. Zusammen mit seiner hervorragenden klanglichen Vorstellungskraft, die in eine äusserst inspirierende und fantasievolle Orchestrierung eingeflossen ist, war ein tolles klangliches Ergebnis sozusagen garantiert.

Die beiden Konzerte waren in Peking geplant, im Nationalen Zentrum für Darstellende Künste, auch als Chinesisches Nationaltheater oder Nationaloper bekannt. Schon die Architektur dieses Gebäudes ist beeindruckend. Der von dem französischen Architekten Paul Andreu entworfene Bau ist ellipsenförmig, aus Glas und Titan und erinnert an das traditionelle Yin-und-Yang-Motiv. Umgeben von einem künstlichen See, gehört er zu den modernen architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

In diesem Gebäude befindet sich auch die grösste Orgel Chinas. Die Orgel der Bonner Firma Klais wurde zu den Olympischen Winterspielen eingeweiht und verfügt über rund 6'500 Pfeifen.

Eine Orgel mit besonderen Klangfarben

Das Stück wurde mit grosser Rücksicht auf die vorhandene Orgel und ihre Disposition konzipiert. Dabei gab es die besondere Idee, bestimmte Klangfarben der Orgel zu emanzipieren und ihre Möglichkeiten auf eine neue Weise einzusetzen.

Ein Beispiel ist das 1/7-Obertonregister, durch das die mikrotonale Ebene des Stücks besonders klar hörbar wird. Gerade die Verbindung zwischen der westlichen Orgel und dem chinesischen Sheng macht den musikalischen Reiz dieses Projekts aus.

Auch das Symphonieorchester war von höchster Klasse. Am Dirigentenpult stand Kahchun Wong, ein junger Star aus Singapur, der inzwischen unter anderem Chefdirigent des Hallé Orchestra und der Japan Philharmonic ist. Er hat in Berlin studiert und seinen professionellen Durchbruch nach dem Gewinn des Mahler-Wettbewerbs in Bamberg erlebt. Und er spricht übrigens hervorragend Deutsch.

Von drei Wochen Vorbereitung direkt auf die Bühne

Wie es für mich war? Am Anfang war es etwas kurios und spannend, das alles mitzuerleben. Das Stück hätte eigentlich eineinhalb Monate früher eintreffen sollen, am Ende waren es aber nur drei Wochen.

Auch die Visabehörden kamen kurzfristig mit besonderen Anforderungen. Unter anderem musste ich eine Aufnahme einreichen, in der ich zeigen sollte, dass ich die Orgel mit meinen Händen und Füssen tatsächlich «beherrschen» kann.

Danach aber war alles traumhaft und sehr professionell.

Die ersten Tage vergingen mit dem Kennenlernen des neuen Stücks, den Registrierungen an der Orgel und dem gemeinsamen Üben im Duo. Dann kamen die Proben mit dem Orchester. Für alles zusammen – die Duo-Proben und die Orchesterproben – hatten wir gerade einmal vier Tage zur Verfügung.

Und schon war der Tag des ersten Auftritts gekommen.

Auch technisch war es nicht ganz einfach, passende Probenzeiten im Saal zu finden, weil dort ständig Konzerte stattfinden. Am Ende durften wir das Stück jedoch zweimal vor einem vollständig ausverkauften Haus mit jeweils über 4'000 Menschen aufführen.

Wie zuhause in Oerlikon

Was ich dabei sehr stark gespürt habe, war dieses Gefühl, im eigenen Element zu sein.

Besonders während der solistischen Kadenzen – der einzelnen und gemeinsamen Passagen, die vollständig improvisiert waren – war dieses Gefühl für mich am stärksten. Während des Improvisierens auf dieser riesigen Bühne fühlte es sich plötzlich wirklich wie zuhause an. Wie in Oerlikon.

Es hat sich ganz natürlich angefühlt.

Kein überwältigender Stress, kein Gefühl, etwas beweisen zu müssen. Einfach nur das zu machen, wofür man gemacht ist.

Vielleicht war das für mich der stärkste Moment dieser Reise: diesem Unsichtbaren während des Musizierens ganz nahe zu kommen.

Peking entdecken

Nach dem letzten Auftritt hatte ich eineinhalb Tage frei, um Peking etwas näher kennenzulernen.

Ich war von mehreren Kolleginnen und Kollegen gewarnt worden, dass es nicht sonderlich einfach sei, sich in Peking als «Straniero Straniero» – als Fremde – zurechtzufinden. Nicht überall gibt es englische Beschriftungen auf den Strassen, und auch Englisch wird nicht selbstverständlich gesprochen.

Trotzdem haben die Gastfreundschaft der Menschen und einige gut geeignete Apps dafür gesorgt, dass ich als allein reisende Touristin erstaunlich viel erleben konnte.

Ich durfte gutes Essen geniessen, den Himmelstempel und die Verbotene Stadt besichtigen und mich in der Liulichang-Strasse verlieren. Dort fand ich auch wunderschöne Kalligrafiepinsel aus Wieselhaar und andere kleine Mitbringsel rund um die chinesische Kalligrafie.

Bei der Auswahl der Pinsel bekam ich wertvolle Hinweise von Berthold Neumann, einem in Jestetten lebenden Keramikkünstler. Er hat mir nicht nur bei der Auswahl geholfen, sondern auch viele wertvolle Erlebnisse aus China mit mir geteilt.

Mein persönliches Highlight war aber der Teemarkt!

Ein Ort, an dem man sich unglaublich schnell verliert – im besten Sinne. Man kann dort alles über die verschiedenen Tees Chinas erfahren, richtiges Teegeschirr und Keramik entdecken, Pekinger Pfirsiche probieren und offenbar sogar etwas über den serbischen Präsidenten lernen.

Kurz gesagt: ein Ort, an dem man einfach bleiben möchte.

Ich werde wiederkommen müssen!

Die geplante Reise zur Chinesischen Mauer musste wegen eines Taifuns leider abgesagt werden. Es gibt also noch vieles zu entdecken und einiges nachzuholen.

Und vielleicht ist das auch ganz gut so.

Denn nach dieser ersten Begegnung mit China bleibt vor allem eines: die Neugier auf mehr.

Das China-Abenteuer von Sofija Grgur in Bildern:

Eine Person steht lächelnd vor einer Holz-Wand mit chinesischer Schrift und grünen Pflanzen rechts und links.
Sofija Grgur vor ihrem grossen Peking-Konzertabenteuer.
Sofija Grgur
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