Persönlich: Wider die Ohnmacht!

Das Wort sagt es: Ohne Macht sein! Ohnmacht empfinden wir, wenn wir auf Dinge keinen Einfluss haben. Wir fühlen uns machtlos und haben keine Kontrolle über das Geschehen. Hilflosigkeit, Angst und Überforderung kommen hinzu, wenn es um schwerwiegendere Themen wie zum Beispiel um Krankheiten, Unfälle, Beziehungsprobleme oder den Verlust eines geliebten Menschen geht. Auch globale Probleme, wie Kriege oder die aktuelle Klimakrise, liessen mich diesen Sommer immer wieder Ohnmacht verspüren. Überhaupt empfinde ich «Kontrollverlust» – als eine Form von Ohnmacht – oft am schwersten auszuhalten.
Heisst sich ohnmächtig fühlen auch tatsächlich ohnmächtig sein? Was kann ich tun, wenn ich gefühlt nichts mehr tun kann?
Ohn(e)Macht ist wohl eine grundmenschliche Erfahrung und biblische Texte sind voller Situationen, in denen Menschen die Kontrolle über das Geschehen und ihr Leben verlieren. Gemeinsam ist all den biblischen Figuren, denke ich, dass sie aktiv bleiben und nicht einfach die Hände in den Schoss legen und gottergeben ihr scheinbar unabänderliches Schicksal entgegen nehmen. Aktiv sind sie, indem sie mit/zu Gott Kontakt aufnehmen. Sie beten und suchen damit aktiv den Dialog mit Gott. Schauen Sie mal in den Psalmen, wie da geschimpft, ja ge- und sogar verflucht wird. Da wird gelästert, gejammert, natürlich auch um Hilfe in der Not gebeten oder für erfahrene Rettung gedankt.
Wer Ohnmacht erfährt, wird vielleicht sagen: Worte, alles nur Worte! Unterschätzen Sie die Macht der Worte nicht. Gerd Theissen, deutscher Theologieprofessor und verdienter Autor vieler populärwissenschaftlicher Bücher, schreibt in «Glaubenssätze»: «Es gibt ein Gebet, verschont zu werden von Unglück. Niemand weiss, was geschehen wird. Doch wenn das Flügelschlagen eines Schmetterlings ein Gewitter auslösen kann, was können da Worte auslösen?» Genau, was können da Worte auslösen?»
In Worten benenne ich meine Ohnmacht – ein nicht zu unterschätzender erster Schritt. Ich klage, analysiere, bedenke meine Situation – und lege sie mir selbst und vor Gott offen und ungeschönt hin. Ich weiss nicht, was geschehen wird, aber ich breche aus dem Gefühl aus, dass ich doch nichts machen kann. Denn: Oft genug kann ich die Umstände nicht ändern. Meine Gefühle und meine Gedanken hingegen kann ich beeinflussen durch Worte – leise oder laut, gestottert oder wohlgeformt – mir selbst gesagt und Gott
Matthias Reuter
Vorsitzender und Delegierter des Pfarrkonvents mit beratender Stimme und Antragsrecht

Dieser Beitrag wurde fürs reformiert.lokal im November 2026 verfasst. Sie finden die Ausgabe hier.

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