Persönlich: Alles für die Katz

Am 8. August ist Weltkatzentag. Während Hunde sich seit Jahrtausenden bemühen, dem Menschen zu gefallen, haben Katzen einen anderen Weg gewählt. Sie schlafen auf frisch gebügelter Wäsche, ignorieren gut gemeinte Befehle und betrachten ihre Menschen mit jenem Blick, der irgendwo zwischen milder Verachtung und fürsorglicher Herablassung liegt.
Gleichwohl haben Büsis die höchsten Kreise der Gesellschaft erobert. So zum Beispiel Larry, der Kater aus der Downing Street zehn in London. Offiziell trägt er den Titel «Chief Mouser to the Cabinet Office», also oberster Mäusefänger der britischen Regierung. Inoffiziell dürfte er der einzige Bewohner des Regierungssitzes sein, dessen Popularitätswerte über Jahre hinweg stabil geblieben sind. Premierminister kommen und gehen – Larry bleibt.
Auch die Kulturgeschichte ist ohne Miezen kaum denkbar. Da wäre der Gestiefelte Kater, der seinem Herrn zu Reichtum verhalf, oder die Grinsekatze aus Alice im Wunderland, die beweist, dass ein Lächeln auch ohne den Rest des Körpers auskommen kann. Und im Internet haben Katzen den Menschen endgültig den Rang abgelaufen. Allein auf YouTube wurden Katzenvideos bislang mehr als 25 Milliarden Mal angeklickt.
Und dann gibt es noch die Redewendung, etwas sei «für die Katz». Gemeint ist damit, dass eine Mühe vergeblich war. Katzen dürften diese sprachliche Ungerechtigkeit entschieden zurückweisen. Wenn ein Mensch eine halbe Stunde damit verbringt, ein Spielzeug auszusuchen, das anschliessend ignoriert wird, dann mag das für den Menschen «für die Katz» gewesen sein. Für die Katze hingegen war es ein lehrreicher Beitrag zur Erziehung ihres Personals.
Vielleicht liegt ihre Anziehungskraft gerade in ihrer Widersprüchlichkeit. Katzen sind unabhängig, suchen aber Nähe. Sie wirken majestätisch und versuchen unbeholfen Fliegen zu erwischen. Sie jagen mit der Eleganz eines Raubtiers und erschrecken dann vor einer Gurke.
Den Weltkatzentag werden unsere Stubentiger wohl nicht beachten. Vielleicht öffnen sie kurz ein Auge und schlafen weiter. Doch genau darin liegt ihr Geheimnis: Katzen müssen niemanden beeindrucken. Die Welt ist längst von ihnen überzeugt.
Jens Naske
Pfarrer

Dieser Beitrag wurde fürs reformiert.lokal im August 2026 verfasst. Sie finden die Ausgabe hier.