11 Jahre «Handglismets»!

Kennengelernt haben sich die beiden Frauen vor fast 50 Jahren. Nach ihrer Zeit als Arbeitskolleginnen fanden sie über ihre Leidenschaft fürs «Lisme» wieder zusammen. Vor elf Jahren übernahmen Bea und Domenica «Handglismets» von Gründer Paul Illi.
«Glismet» wird ganzjährig von einem Team aus acht Frauen, die schon seit vielen Jahren mitwirken. Zum Kerngeschäft gehören die «Wullesocken». Daneben übernehmen sie auch Grossaufträge – etwa 300 Baby-Finken für Sirocco-Tee oder 240 Paar Socken für die Berufsschule in Winterthur. Doch die «Lismerinnen» werden älter, und Nachfolger:innen zu finden, stellt sich als eine schwierige Aufgabe heraus.
Im Gespräch mit Sozialdiakonin Anna Schwaller blicken die beiden Frauen auf den Höngger Bazar zurück, sprechen über gesellschaftliche Veränderungen – und über ihre Freundschaft.
Wie viel «lismet» ihr?
Domenica: Jeden Tag. Meistens am Abend, sicher zwei bis drei Stunden. Für ein Paar Socken rechnen wir mit etwa 16 Stunden.
Bea: Ja, «lisme» ist aufwendig. Und es braucht Konzentration. Für das Gehirn ist es aber etwas vom Besten. Auf das Alter wird es jedoch zunehmend schwieriger.
Und ganz persönlich: Was gibt euch das «lisme»?
Bea: Für mich ist es pure Entspannung. Und jedes fertige Babysöckli ist wieder eine Leistung, an der man sich freuen kann. Beson-ders schön ist die Freude der Menschen am Bazar. Wir hören immer wieder: «So schöne Socken gibt es sonst nirgends».
Domenica: Es ist ausserdem sehr erfüllend, dass wir jedes Jahr rund 6'000 Franken aus dem Online-Verkauf und dem Bazar spenden – und Stiftungen wie die Heilsarmee oder den Tannenhof mit Materialspenden unterstützen können.
Wie viele Socken habt ihr in all diesen Jahren «glismet?
Bea: Mit dem Bazar und den Spenden sind es schätzungsweise 800 bis 1000 Paar Socken. Pro Jahr! Damit konnten wir in den letzten zehn Jahren etwa 80'000 Franken spenden.
Domenica: Ja, da dürfen wir wirklich ein bisschen stolz sein!
Was bleibt euch von den letzten zehn Jahren Höngger Bazar besonders in Erinnerung?
Bea: Die tolle Atmosphäre im Kirchgemeindehaus, der Zusammenhalt am Bazar und natürlich die wunderschönen Dekorationen. Der Bazar war für mich eine bereichernde Zeit. Jetzt ist aber der Moment gekommen, Verantwortung abzugeben und loszulassen. Wir werden älter, und andere Verpflichtungen kommen dazu.
Domenica: Mich beeindruckt bis heute, wie viele Menschen den Bazar besuchen. Er ist aus Höngg nicht wegzudenken. Besonders schätze ich auch den Hausdienst, «de Dani». Die Kirche ohne Dani ist gar nicht vorstellbar!
Bea: Ja, das stimmt. Und für mich ist es natürlich auch die Freundschaft mit Domenica. Uns verbindet eine langjährige Freundschaft. Das war für mich immer eine grosse Motivation.
Wie geht es nun weiter?
Bea: Natürlich wünschen wir uns eine Nachfolge, doch im Moment ist niemand in Sicht. Das hängt wohl auch mit der Gesellschaft und dem Rollenbild zusammen: Heutzutage müssen viele Frauen arbeiten und freiwilliges Engagement passt oft nicht mehr in den Alltag. Bei uns war das anders. Teilzeitstellen gab es kaum, und mit der Heirat war klar: Mit Kindern bleibt die Frau zuhause. Wir haben ein Hobby wie das «lisme» für den Ausgleich gebraucht.
Domenica: Junge Leute wollen auch nicht gratis arbeiten. Zu Recht bei den steigenden Kosten. Unser Stundenlohn liegt bei rund einem Franken. Wer geht heutzutage schon für einen Franken arbeiten?
Wo seht ihr Chancen für Neues am Bazar und was sollte unbe-dingt erhalten bleiben?
Bea: Wir brauchen junge Ideen. Gleichzeitig kann die ältere Generation viel Erfahrung einbringen. Es bräuchte eine Arbeitsgruppe aus Jungen und aus Erfahrenen. Wir müssen den Jungen eine Chance geben und sie ernstnehmen – und voneinander lernen.
Domenica: Eine Möglichkeit wäre, Konfirmand:innen stärker einzubinden. So kämen neue Ideen dazu – und sie würden erleben, wie viel Spass der Bazar macht.
Bea: Genau, Jung und Alt, Erfahrung und Neues gehören zusammen – und das muss früh beginnen. Natürlich ist das auch eine gesell-schaftliche Herausforderung.
Danke für euer jahrelanges Engagement, liebe Bea und Domenica!
Anna Schwaller
Sozialdiakonin, Erwachsene

Dieser Beitrag wurde fürs reformiert.lokal im September 2026 verfasst. Sie finden die Ausgabe hier.

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