Persönlich: Einmal Ferien wie Thomas Mann

Das grosse Thomas Mann Jahr 2025 hat seinen Sommer erlebt. Sommer mit Thomas Mann … Wahrscheinlich ist ein brütend heisser Sommertag nicht die ideale Umgebung, um den Kopf anzureichern mit den verspielten, langen Sätzen, die Mann in seinen Werken wie Glasperlen aneinanderreiht. Eher schon die winterliche Bündner Bergwelt in Davos. Klar und kühl genug, um den Kopf auf Höchstleistungen zu bringen für den Genuss der Worte des «Zauberers».
Thomas Mann war ein Arbeitstier. Sein Tag klar strukturiert mit Schreib- und Korrespondenzphasen, Beobachtungsgängen, auf denen er seine Umgebung nach jeder Inspiration erforschte und, wenn es sein musste, auch Zeit mit der Familie, gutem Essen und Müssiggang (wobei auch diese oft schöpferisch «verwertet» wurde).
Aber – Thomas Mann war auch begeisterter Urlauber. Thomas Mann schätzte Urlaub und Erholung, insbesondere am Meer, wo er Inspiration und Weite für seine Werke fand. Er suchte Orte, die ihm eine ungestörte Fernsicht ermöglichten, und fand diese oft an der Ostsee. Hier war er mit der Familie glücklich und ungestört und auch seine Kinder berichteten, dass er wesentlich zugänglicher dort im Urlaub war. Schöpferisch – beruhigend – kräftigend. So gewann Thomas Mann seine «Sommerfrischen» für sich. Natürlich privilegiert und zweifellos manchmal auch manieriert.
Vieles hat sich heute verändert. Und doch denke ich mir, wie heilsam es ist, so eine Sommerfrische zu haben. Vielleicht reicht es ja schon: ein bisschen Meerwind, Lesen im Strandkorb, die Familie tollt um uns herum…
So kommt man doch ganz zu sich und doch mitten in die Welt, mit Aufgabe und Ziel, aber gestärkt und im wahrsten Sinne «besonnen».
Ich wünsche mir, dass mich diese Besonnenheit des Geistes durch Herbst und Winter trägt. Bis zur nächsten Sommerfrische. So wie sie den «Zauberer» immer wieder anleitete.
DenkMal von Max Schäfer

Max Nicolas Schäfer
Pfarrer

Dieser Beitrag wurde fürs reformiert.lokal im September 2025 verfasst. Sie finden die Ausgabe hier.