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Lieblingslied

Der Mond ist aufgegangen

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Beitrag für den Monat April in unserer Rubrik «Lieblingslied»:

Original-Liedtext: Der Mond ist aufgegangen

Reformiertes Gesangbuch, Lied Nr. 599
Text: Matthias Claudius (1779)
Melodie: Johann Abraham Peter Schulz
Satz: Adolf Seifert

  1. Der Mond ist aufgegangen
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar.
    Der Wald steht schwarz und schweiget,
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Nebel wunderbar..
  2. Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmrung Hülle
    so traulich und so hold
    als eine stille Kammer,
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.
  3. Seht ihr den Mond dort stehen?
    Er ist nur halb zu sehen
    und ist doch rund und schön.
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost belachen,
    weil unsre Augen sie nicht sehn.
  4. Wir stolzen Menschenkinder
    sind eitel arme Sünder
    und wissen gar nicht viel.
    Wir spinnen Luftgespinste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter von dem Ziel.
  5. Gott, lass dein Heil uns schauen,
    auf nichts Vergänglichs trauen,
    nicht Eitelkeit uns freun;
    lass uns einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein.
  6. Wollst endlich sonder Grämen
    aus dieser Welt uns nehmen
    durch einen sanften Tod;
    und wenn du uns genommen,
    lass uns in’ Himmel kommen,
    du unser Herr und unser Gott.
  7. So legt euch denn, ihr Brüder,
    in Gottes Namen nieder;
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott, mit Strafen
    und lass uns ruhig schlafen.
    Und unsern kranken Nachbarn auch!

Lesen Sie hier, warum dieses Lied ein Lieblingslied ist:

Geborgen unter dem Mond

Martin Kuttruff |«Der Mond ist aufgegangen» begleitet mich seit meiner Kindheit – und doch entdecke ich es als Kirchenmusiker immer wieder neu. Der wunderbare innige Text von Matthias Claudius und die ruhige Melodie schenken eine Atmosphäre, die Raum zum Atmen lässt. Wenn die ersten Töne erklingen, verändert sich die Stimmung im Raum: Es wird stiller, weiter, andächtiger.

Mich berührt besonders, wie dieses Abendlied Glauben und Alltag miteinander verbindet. Es spricht von der Schönheit der Schöpfung, von menschlicher Begrenztheit und von der Hoffnung auf Gottes behütende Nähe durch die Nacht. Gerade in einer Zeit, in der vieles laut und hektisch ist, wirkt dieses Lied wie ein sanfter Gegenpol. Es lädt ein, loszulassen und den Tag vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen.

In meiner Arbeit erlebe ich, wie generationenübergreifend dieses Lied ist. Kinder singen es mit leuchtenden Augen, ältere Menschen oft auswendig und mit spürbarer Innigkeit. Bei Abendgottesdiensten oder am «Evensong» entsteht ein besonderer Moment der Verbundenheit – zwischen den Singenden und mit Gott.

Vielleicht ist es gerade diese schlichte Tiefe, die das Lied zu meinem Lieblingslied macht: Es braucht keine grossen Worte, um Grosses zu sagen. Unter dem aufgehenden Mond erinnert es mich daran, dass Gottes Licht auch in der Dunkelheit scheint.

Hier finden Sie eine vertonte Version:

© CHORGESANG  Knabenchöre (2020) mit freundlicher Genehmigung der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben
Leitung: Rainer Johannes Homburg