DENKFABRIK


Karl Popper - Wissen ist blosse Vermutung
WISSENSCHAFT KANN NICHTS BEWEISEN
Die Denker der Aufklärung meinten, die Vernunft liefere mittels sinnlicher Wahrnehmung und gedanklicher Reflexion wahre Erkenntnis. In der Folge leitete die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts aus der Untersuchung von Naturphänomenen allgemeingültige Wahrheiten ab. Auf dieser Grundlage behauptete sie, es gäbe so etwas wie Naturgesetze. Der Wiener Philosoph Karl Popper (1902-1994) hält diese Vorstellung von Wissenschaft für falsch. Er vertritt die Ansicht, dass unser Wissen über die Welt niemals absolut sicher ist, sondern grundsätzlich vorläufigen Charakter besitzt. Die Wissenschaft hat es nur mit Vermutungen zu tun, niemals mit Gesetzen oder Beweisen. Die Beschäftigung mit einem der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts ist nicht allein wegen seinem Wissenschaftsbild interessant. Im Vortrag wird auch auf Poppers Biografie und politische Theorie eingegangen. Zwei Weltkriege und die totalitären Systeme seiner Zeit schärften das Denken des österreichischen Juden. In dem berühmten Werk «Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde» plädiert Popper für eine Demokratie frei von Ideologie und Totalitarismus.
ZENTRUM GLAUBTEN
Montag, 28. September, 19 Uhr
Anmeldung:
Bis Freitag, 25. September
peter.jost@reformiert-zuerich.ch
043 495 90 53

Friedrich Nietzsche und die Rettung aus der Sinnlosigkeit
Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit. Mit diesem Satz bringt Friedrich Nietzsche (1844-1900) zum Ausdruck, dass er kein gewöhnliches Individuum ist, sondern eine Naturgewalt, welche die Fundamente des Westens erschüttert. Nietzsches berühmte Feststellung Gott ist tot meint sowohl das Ende des Christentums als auch das Ende der Wahrheit insgesamt. Für Nietzsche gibt es kein Mass für sicheres Wissen. Wahrheit ist vielmehr eine lebensnotwendige Illusion und ein Produkt menschlicher Konstruktion, das wir nutzen, um in einer chaotischen Welt überleben und handeln zu können. Nietzsche interessiert sich vor allem für die Ethik. Ihm geht es um die Gestaltung des individuellen Lebens. Wie Kierkegaard und Camus begreift auch Nietzsche die Situation des modernen Menschen als eine, in der sich der Einzelne selbst begründen muss. Denn an die Stelle des sicher Bestehenden ist das Nihil - das Nichts - getreten. Der Mensch ohne Gott ist nun Mass aller Dinge. Er muss das sinnlose Dasein bejahen und getrieben vom Willen zum Leben seine eigenen Werte schaffen. Wer so den Nihilismus überwindet und nicht in Sinnlosigkeit versinkt, ist ein Übermensch. Nietzsche blieb zu Lebzeiten unbeachtet und litt darunter. Doch er kündigte an: Erst das Übermorgen gehört mir. Tatsächlich kam der grosse Ruhm im 20. Jahrhundert. Auch postmoderne Denker wie Foucault oder Derrida knüpften an Nietzsche an, weshalb er als Wegbereiter der Postmoderne gilt.
ZENTRUM GLAUBTEN
Montag, 26. Oktober, 19 Uhr
Anmeldung:
Bis Freitag, 23. Oktober peter.jost@reformiert-zuerich.ch
043 495 90 53

Das Ende der Wahrheit - Jean-François Lyotard, herausragender Denker der Postmoderne
Im 20. Jahrhundert versagte die Vernunft fortwährend. Der Untergang der Titanic, die beiden Weltkriege, die Gräueltaten der totalitären Regime, der Abwurf der Atombombe – diese und andere Katastrophen erschütterten den Fortschrittsglauben. Der Philosoph Jean-François Lyotard (1924-1998) rechnet mit der modernen Vernunft scharf ab: Wir haben die Sehnsucht nach dem Ganzen und Einen, teuer bezahlt. Die Antwort lautet darauf: Krieg dem Ganzen. Lyotard kämpft gegen alle Wahrheitsansprüche. Dabei ist für ihn die neuzeitliche Wissenschaft so glaubwürdig, wie die Religionen. Auch sie ist blosse Erzählung, Märchen, Legende. Lyotard folgt Nietzsches Ausspruch: Gott ist tot. Das heisst, es gibt keine Wahrheit. Was bleibt ist das Nebeneinander von Sprachspielen, für die jeweils eigene Regeln gelten. Damit ist Verständigung zwischen den Sprachspielen ausgeschlossen. Im Unterschied zu Immanuel Kant, nimmt der französische Denker die Leugnung der Dinge an sich, also einer objektiven Wirklichkeit, stillschweigend in Kauf. Lyotard hat 1979 den Begriff Postmoderne in die Philosophie eingeführt. Er bedeutet, dass wir mit dem Versagen der Vernunft in die Epoche nach (post) der Moderne eingetreten sind. Freuen Sie sich auf einen Vortrag über einen herausragenden Denker und seine Widersprüche. Mit der Postmoderne beendet die Denkfabrik ihre Veranstaltungsreihe im Jahr 2026. Der Weg führte vom mittelalterlichen Vertrauen in die Tradition über den Glauben an die moderne Vernunft bis hin zur postmodernen Beliebigkeit.
ZENTRUM GLAUBTEN
Montag, 30. November, 19 Uhr
Anmeldung:
Bis Freitag, 28. November
peter.jost@reformiert-zuerich.ch
043 495 90 53
Peter Jost
Sozialdiakon Erwachsenenarbeit
Montag: Affoltern Dienstag: Seebach Mittwoch: Affoltern Donnerstag: Homeoffice (Telefon/Mail)
Kirchenkreis elf
Riedenhaldenstr. 1 8046 Zürich


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