Gott ist tot

Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit. Mit diesem Satz bringt Friedrich Nietzsche (1844-1900) zum Ausdruck, dass er kein gewöhnliches Individuum ist, sondern eine Naturgewalt, welche die Fundamente des Westens erschüttert. Nietzsches berühmte Feststellung Gott ist tot meint sowohl das Ende des Christentums als auch das Ende der Wahrheit insgesamt. Für Nietzsche gibt es kein Mass für sicheres Wissen. Wahrheit ist vielmehr eine lebensnotwendige Illusion und ein Produkt menschlicher Konstruktion, das wir nutzen, um in einer chaotischen Welt überleben und handeln zu können. Nietzsche interessiert sich vor allem für die Ethik. Ihm geht es um die Gestaltung des individuellen Lebens. Wie Kierkegaard und Camus begreift auch Nietzsche die Situation des modernen Menschen als eine, in der sich der Einzelne selbst begründen muss. Denn an die Stelle des sicher Bestehenden ist das Nihil - das Nichts - getreten. Der Mensch ohne Gott ist nun Mass aller Dinge. Er muss das sinnlose Dasein bejahen und getrieben vom Willen zum Leben seine eigenen Werte schaffen. Wer so den Nihilismus überwindet und nicht in Sinnlosigkeit versinkt, ist ein Übermensch. Nietzsche blieb zu Lebzeiten unbeachtet und litt darunter. Doch er kündigte an: Erst das Übermorgen gehört mir. Tatsächlich kam der grosse Ruhm im 20. Jahrhundert. Auch postmoderne Denker wie Foucault oder Derrida knüpften an Nietzsche an, weshalb er als Wegbereiter der Postmoderne gilt.

ZENTRUM GLAUBTEN
Montag, 26. Oktober, 19 Uhr
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Peter Jost
Sozialdiakon Erwachsenenarbeit
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