Archiving the Universe

Archiving the Universe von Stefan Klein nimmt Staub in seiner vielschichtigen Dimension als Grundbestandteil des Universums und des Lebens in den Blick. Das Projekt eröffnet Perspektiven auf die Existenz des Menschen in ihrer Ambivalenz, auf das Leben aus theologischer und philosophischer Sicht und ganz konkret auf die eigene Erfahrung: Staub ist überall und spiegelt im Mikrokosmos die Vielschichtigkeit des Makrokosmos.
Damit öffnet sich ein spiritueller Horizont, insbesondere für die Frage des Gedenkens. Die zeitliche Setzung der Ausstellung zwischen den katholischen Gedenktagen Allerheiligen und Allerseelen und dem evangelischen Toten- und Ewigkeitssonntag greift diesen Zusammenhang auf.
Die Werkreihe Archiving the Universe verbindet verschiedene künstlerische Elemente. Fotogramme zeigen Staub, der sich in unterschiedlichen Momenten angesammelt hat. Auf den ersten Blick wirken sie wie Kartografien des Universums; tatsächlich zeigen sie winzige Partikel im Detail. So verweisen sie auf die Vorstellung, dass alle Materie aus demselben besteht, zu demselben wird, und damit alles miteinander verbunden ist.
Hinzu kommt die Soundinstallation Recordings on Dust von Ben Glas und Stefan Klein. Wie Staub, der lange in der Luft verweilen kann, schwebt auch der Klang im Raum und verbindet die einzelnen Elemente der Ausstellung. Zu ausgewählten Anlässen tritt die Orgel live mit der Soundinstallation in Dialog.
Entsprechend der Allgegenwärtigkeit der Materie Staub finden Annäherungen an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Formen statt: auf einem Transporter, der durch Europa fährt, im privaten Raum, schwebend als Sound, über dem Altar oder als Vermerk in der Bibel. Vom Künstler diskret in Bibeln platzierte Kopien von Fotogrammen verweisen auf eine Passage im Buch der Weisheit 2,2–5 mit Gedanken zur Vergänglichkeit und liegen auch zur Mitnahme bereit. So verbreiten sich die Bilder – ähnlich wie Staub – bis ins Private und weit über die Ausstellungsdauer hinaus.
Während der Laufzeit der Ausstellung greifen liturgische Feiern, Freitagsvespern, Spiritualität im Alltag (Mittagsgebete) sowie säkulare Anlässe – Gespräche und Konzerte – die vielfältigen Anregungen des Kunstprojekts auf. Wissenschaftliche und nachbarschaftliche Kooperationen erweitern den Blick auf Dimensionen des Denk-, Fühl- und Vorstellbaren.
Eine dokumentarische Erweiterung findet das Projekt in einer Publikationsreihe mit Texten von Fatin Abbas, Dusty Blur, Patricia Hempel und Ngwatilo Mawiyoo.
Das Projekt wurde in Kooperation mit WÄCKER&GRAUPNER, der Kirche St. Paul, dem Sitz der Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising – und der Predigerkirche realisiert.