Filmabend
Congo Boy
Der 17-jährige Robert träumt in Bangui von einer Musikkarriere. Mit entwaffnender Ehrlichkeit und einer Dramaturgie, die nur das Leben schreiben kann, gelingt Rafiki Fariala in seinem in Cannes preisgekrönten Spielfilmdebüt eine Sensation.Das Wichtigste in Kürze:
Bangui. Robert ist 17 Jahre alt und träumt von einer Karriere als Musiker. Doch er ist kein Zentralafrikaner wie die anderen. Er ist ein kongolesischer Flüchtling. Als seine Eltern verhaftet werden, muss er sich allein um seine vier jüngeren Geschwister kümmern. Er jongliert zwischen Gelegenheitsjobs und der Vorbereitung auf das Abitur, während er gleichzeitig den Milizen ausweicht, die in der Stadt Terror verbreiten. Eines Tages erfährt er von einem Musikwettbewerb – der Sieg wird zu seiner einzigen Hoffnung.
Robert wohnt in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Seine Eltern waren mit ihm 17 Jahre zuvor aus der DR Kongo geflüchtet, doch nun durchlebt seine neue Heimat eine Welle von Gewaltausbrüchen und seine Eltern wurden verhaftet. Weil Robert der Älteste von fünf Geschwistern ist, muss er sich neben der Schule um die Kinder kümmern. Sein Vater drängt ihn bei jedem Besuch im Gefängnis dazu, Medizin zu studieren, doch Roberts Passion gilt der Musik. Sie liefert auch den Treibstoff für diesen herzlichen Überraschungsfilm, der in Cannes Weltpremiere feierte.
Der gebürtige Kongolese Rafiki Fariala hat seine eigene Geschichte verfilmt: Robert findet Halt in der Musik. Mit ihr prangern er und seine Kollegen soziale Missstände an, sie verleiht ihnen Hoffnung und Zusammenhalt in der perspektivlosen Situation der jungen Studierenden, die Regisseur Rafiki Fariala bereits im Dokumentarfilm (We, Students!) beschrieben hat. Als die UNICEF einen Talentwettbewerb für Musikschaffende ausschreibt, scheint sich ein möglicher Weg abzuzeichnen – ein hohes Preisgeld winkt, und Robert setzt alles daran, seinen Traum zu verwirklichen. Mit seiner bewegten Kamera erfasst der junge Filmemacher das improvisierte Leben in Bangui in dem Viertel, in dem er aufgewachsen ist, und inszeniert nebenbei scheinbar locker einen Cast von Laiendarsteller:innen. Mit feinem Humor und einem fantastischen Hauptdarsteller gelingt Fariala, der neben dem Drehbuch auch die Songs geschrieben hat, ein so aufwühlender wie erfrischender Film, der in Locarno die Piazza Grande verzückte und mit einer anhaltenden Standing Ovation belohnt wurde.
Zentralafrikanische Republik 2026, 91 Minuten, deutsche Untertitel,