Urban und vielfältig: Kirchenkreis vier fünf

KIRCHE, KUNST UND KLIMA


«Der wahre Weltuntergang ist der stabile Zustand.» So heisst das neue Kunstwerk von Bettina Diel, das vom 7. Oktober bis zum 13. Januar in der Johanneskirche zu sehen ist. Pfarrerin Tania Oldenhage hat sich zur Kunst theologische Gedanken gemacht.  

 

In den Ferien sass ich mit meiner Familie im Hotel, einen Berg von Abfall auf unserem Tisch: Plastikbesteck, Pappteller, leere Konfitüre- und Honigschachteln, Plastikfolien, Plastikflaschen. Die Hotelkette besitzt über tausend Filialen. Ich versuchte, es mir auszumalen: Die Menge an Plastikmüll, die jetzt in diesem Moment auf den Tischen unzähliger Frühstücksräume lag, war unvorstellbar. Wir suchten nach Recyclingbehältern. Wir fanden keine. Ich nahm den Berg von Abfall und schmiss ihn in den riesigen Kübel neben dem Buffet.

Dass der Mensch eine besondere Würde habe, lernte ich als Kind in der Kirche. Vom ersten Kapitel der Bibel dreht sich angeblich alles um uns. Gott hat die Welt erschaffen samt Fischen und Vögeln, doch Gottes eigentliches Interesse scheint immer den Menschen zu gelten. «Gottesebenbildlichkeit» ist der theologische Begriff, der bis heute von uns Pfarrer:innen gern zitiert wird. Doch wer will heute noch vollmundig behaupten, dass der Mensch Gottes Ebenbild oder gar die «Krönung der Schöpfung» ist?

Die christliche Predigt mit ihrer Trennung zwischen Mensch und Natur ist mitverantwortlich für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Diese Einsicht stammt aus den 1980er Jahren und ist aktueller denn je. Wenn es im Christentum um Erlösung geht, dann ist es oft Erlösung aus der Welt der Materie. Das Gras unter unseren Füssen, die Luft um uns herum, Erde, Wasser, Sand und Steine werden vergehen. Der Geist wird bleiben. Dabei sollte es doch heute um nichts anderes gehen als um die Erlösung der Natur mit allem, was zu ihr gehört. Ist es möglich, alte Glaubenssätze zu recyclen? Können wir – auch in der Theologie – Wiederverwertbares finden? Können biblische Texte gegen den Strich gelesen werden, so dass ich lerne, mich immer mehr als Teil der Natur zu verstehen?

In der Johanneskirche entsteht gerade eine neue Installation, die für mich einige dieser Fragen auf neue Weise aufwirft. Die Künstlerin Bettina Diel arbeitet mit Steinen aus der Limmat, Wachs und feiner Wolle. Durch ihre Arbeit bekommen die Steine die Aura von etwas Lebendigem, Organischem. Noch weiss ich nicht, wie das Kunstwerk aussehen wird. Aber bereits jetzt sprechen die Steine zu mir und verändern meinen Blick auf die Welt. 

 

Vernissage in der Johanneskirche

«Der wahre Weltuntergang ist der stabile Zustand.»

Freitag, 7. Oktober

18.00 – 20.00 Uhr

Programmstart: 18.15 Uhr

Mit Rebecka Domig, Kunsthistorikerin und freie Autorin

Leitung: Tania Oldenhage

Musik: Tobias Willi

 



Aktuell

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Wöchentliche Dienstags­vesper in der Johannes­kirche

Dienstag, 4. Oktober, 18:30 Uhr
„entwurzelt“
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Pfrn. Tania Oldenhage, Liturgie


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