DAS GÖTTLICHE MOSAIK SETZT SICH AUS UNZÄHLIGEN BUNTEN STEINCHEN ZUSAMMEN


 
Im Sommer 2021 wurde in Zürich das neue LGBT-Pfarramt lanciert. Ein kirchliches Erfolgsmodell, das auf die Bedürfnisse der LGBTIQ+-Community fokussiert. Im vergangenen Herbst erhielt das Pfarramt den Namen Mosaic und wurde in die beiden Teilbereiche Mosaic Church und Mosaic Fachstelle weiterentwickelt.

Der Mosaic steht als Synonym für eine neu gedachte Kirche: authentisch und ehrlich. Eine Kirche für alle Menschen, mit besonderem Fokus auf die queere Community. Passend dazu der Slogan «We are all pieces of god’s artwork». Das Projekt der reformierten Kirche Zürich besteht aus zwei Teilbereichen: der Mosaic Church (Leitung: Priscilla Schwendimann, Pfarrerin) und der Mosaic Fachstelle (Leitung: Benjamin Hermann, Stud. theol.).

«Den Namen Mosaic haben gewählt, weil wir alle wie einzelne Steinchen sind, die das Leben bunt machen – und weil wir es auch selbst sind», fasst Pfarrerin Priscilla Schwendimann die Leitidee, die hinter der Bezeichnung der neuen Kirche und Fachstelle steht, in prägnante Worte. «Jede Person ist einzigartig auf ihre Art und Weise und von Gott wunderbar gemacht. Und in der Gemeinschaft ergibt sich daraus ein wunderbares Bild. Das wollen wir mit dem Namen betonen.»

Die Mosaic Church – aus der Limmathall in die Kirche St. Peter

Auftrag der Mosaic Church sind pfarramtlichen Tätigkeiten wie Gottesdienste, Seelsorge, Bildungsangebote, aber auch der Gemeindeaufbau. «Pro Monat führen wir durchschnittlich 50 bis 60 Gespräche», fasst Priscilla Schwendimann diesen Bereich ihrer Tätigkeit in Zahlen zusammen. Dabei gehe es etwa um die Frage des Coming-outs («Wie wird meine Familie reagieren? Wie kann ich das mit meinem Glauben vereinbaren oder wie lese ich die Bibel in Bezug auf bestimmte Themen?»). Aber auch die Themen Verlust, Trauer und das Überfordert sein mit der Situation, in der mensch sich gerade befindet, werde in der Seelsorge angesprochen. «Unser Angebot ist gratis für die betroffene Personen, was nicht selbstverständlich ist. Kostet doch heute jedes Gespräch, das professionell geführt wird, etwas», wirft Priscilla Schwendimann ein.

Seit September 2022 lädt die Mosaic Church alle zwei Wochen, jeweils am Freitagabend, zu einem Gottesdienst ein. Bisher hat sich die Gemeinde in der Limmathall im Kreis 4/5 versammelt; nach Ostern finden die Mosaic-Gottesdienste mehrheitlich in der Kirche St. Peter im Kreis 1 statt.

«Inzwischen sind es pro Abend rund 30 Personen mit einem Durchschnittsalter von etwa 25 Jahren, die an unseren Gottesdiensten teilnehmen», freut sich Priscilla Schwendimann und betont: «Alle sind willkommen, das ist uns ganz wichtig! Es geht nicht darum, einen perfekten Gottesdienst zu gestalten, sondern um authentisch sein. Wenn mal ein Ton nicht stimmt, lachen wir gemeinsam.»

Ein Ort der Gemeinschaft

Die Gottesdienste sind bunt, laut und modern und trotzdem theologisch sehr reformiert. «Wir sind allerdings überzeugt, dass ein Text viel mehr als nur eine einzelne Wahrheit in sich birgt», gibt Priscilla Schwendimann zu bedenken und spricht damit gleichzeitig das Wesen der Mosaic Church an: Offenheit, Hinterfragen und Neues wagen sind zentrale Werte der Gemeinde.

Kirche lebt von der Gemeinschaft, daher sind auch in der Mosaic Church Freiwillige das Rückgrat der Gemeinde. Überhaupt wird bei Mosaic gelebte Beziehung grossgeschrieben. «Darum darf der Apéro nach dem Gottesdienst nicht fehlen», sagt die Pfarrerin lachend und ergänzt: «Ganz grundsätzlich essen wir gerne zusammen oder fahren gemeinsam in die Gemeindeferien. Über die diesjährigen Pfingsttage beispielsweise reisen wir nach Italien in die Gegend von La Spezia. Das heisst: vier Tage Gemeinschaft und das Nachdenken über Gottes Geist.»

Ebenfalls im Zweiwochen-Rhythmus findet ein Hauskreis statt. Dieser ist queer-only. Denn, so Priscille Schwendimann: «Manchmal braucht es einen Safe space.»




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Mehr Infos zu Mosaic

Die nächsten Termine:

Gottesdienst im St. Peter mit Pfrn. Priscilla Schwendimann: 14. April | 19.30 - 20.30 Uhr

Hauskreis (Voranmeldung erforderlich): 18. April | 19 - 20 Uhr

Mehr Infos unter
↗ www.mosaic-zuerich.ch


 Aufklären und weiterbilden

«Achtsamkeit und Respekt sind entscheidend, um unser Gegenüber ernst zu nehmen. Damit wir das nicht nur gegen Aussen repräsentieren, sondern auch im Innen leben, gibt es die Fachstelle», verweist Priscilla Schwendimann auf den zweiten Teilbereich von Mosaic. Geleitet wird die Fachstelle von Benjamin Hermann, der an der Universität Zürich Theologie studiert. Dieser Teil von Mosaic dient als Anlaufstelle für alle Fragen rund um LGBTIQ+ und Queer in der reformierten Kirche Zürich. «Ziel ist es, innerhalb der Kirche über diese Themen aufzuklären und die Mitarbeitenden weiterzubilden. Zudem sind wir auch für Anfragen von anderen Organisationen und Einzelpersonen zu allen Themen rund um Queer und Glaube da», betont Benjamin Hermann. Die Fachstelle organisiert unter anderem Podiumsdiskussionen, Weiterbildungen und sonstige Anlässe. Zudem erarbeiten wir Leitfaden – etwa für den Bereich Inklusion – und theologische Texte zu LGBTIQ+-Themen.» Zu den weiteren Aufgaben gehört der Unterricht von Konfirmand:innen.

Inklusion wird grossgeschrieben

Ebenfalls deutlich mehr als nur ein starkes Wort ist bei Mosaic die Inklusion: «Wir fragen bewusst nach, wie jemand angesprochen werden möchte, weil wir wissen, wie schnell Menschen in Schubladen gesteckt werden – und was das mit einem machen kann», sagt Priscilla Schwendimann und nennt dazu gleich ein praktisches Beispiel: Toiletten werden nicht mit Geschlechtern angeschrieben, sondern einfach mit «WC» oder «WC mit Pissor».

Aus der 2022 erschienen Rise-Studie geht hervor, dass die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz beim Thema «Inklusion von queeren Menschen» auf Platz 3 steht weltweit. Das Projekt Mosaic gibt dem auch eine Glaubwürdigkeit. Priscilla Schwendimann: «Es erfüllt uns mit Stolz und Freude, Teil einer Kirche zu sein, die sich aktiv dafür einsetzt, dass Menschen das Ja Gottes zu ihrem Sein hören dürfen.»

 

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