Hier finden Sie eine Übersicht über die Angebote für Seelsorge und Beratung der Kirchgemeinde Zürich. Der Bereich wird ständig ausgebaut und aktualisiert.

«TRAUER HAT KEIN VERFALLSDATUM»


Trauer wird oft von einer enormen Breite an Emotionen begleitet: von ganz heftigen Reaktionen bis zu kaum wahrnehmbaren. Die reformierte Kirchgemeinde Zürich bietet an drei Orten Raum und Rahmen für diese Gefühle – und den Austausch mit anderen Betroffenen.

Trauer @unplash_Joachim Schnurle_585 

Der ökumenische Trauertreff im Kirchenkreis zehn gibt Trauernden die Möglichkeit, Menschen zu begegnen, die in einer ähnlichen Situation sind. Der Grossteil der Teilnehmenden hat den Partner, die Partnerin verloren, manchmal auch die Mutter oder den Vater. «Wir erzählen einander, wie die Liebsten aus dem Leben gegangen sind und wie es uns damit geht. Neben Trauernden sind beispielsweise auch Menschen nach einer Scheidung eingeladen oder Personen, die sich allgemein von einem Lebensabschnitt trennen müssen», sagt Pfarrerin Anne-Marie Müller. So ein Trauertreff-Zyklus mit monatlichen Terminen dauert zehn Monate, das Ende der Gruppenarbeit wird jeweils mit einem Ritual gestaltet. «Wir schreiben zum Beispiel einen Abschiedsbrief an den Verstorbenen, den wir verbrennen – und gleichzeitig wählen wir einen Gegenstand, der die Beziehung zu dieser Person symbolisiert.» Als Abschluss des Trauerprozesses versteht die Seelsorgerin dieses Ritual allerdings nicht, eher als weiterer Schritt in der Trauer. Denn die Dauer eines Trauerprozesses wird häufig unterschätzt: «Trauernde Menschen erleben oft, dass das Umfeld schon bald nicht mehr nachfragt, wie es ihnen mit ihrer Trauer wirklich geht.» Ganz oft sei der Anspruch da, dass sie sich in ihrer neuen Situation schnell zurechtfinden und die Seele im Eiltempo gesundet. «Doch die Trauer hat kein Verfallsdatum», hält Anne-Marie Müller fest.

Bewusste Trauerpause im Kirchenkreis zwei

Das Trauercafé Horizont im Kirchenkreis zwei richtet sich ausschliesslich an Hinterbliebene von verstorbenen Personen. «Wir legen Wert darauf, dass Hinterbliebene einen geschützten Ort haben, wo Sie über ihre Trauer sprechen dürfen und verstanden werden», sagt Sozialdiakonin Helen Hollinger. «Im Trauercafé haben sie einen Ort, an dem sie so oft sie wollen, von ihrer Trauer und von den Verstorbenen erzählen dürfen.» Nicht-Betroffene würden manchmal etwas ungeduldig und mit Unverständnis reagieren, wenn Trauernde immer wieder vom Todesfall erzählen, so Helen Hollinger weiter. Die Co-Leiterin des Trauercafés Horizont hat sich in ihrer Masterarbeit in psychosozialem Management mit dem bewussten Erfahren von positiven Gefühlen im Trauerprozess auseinandergesetzt. (Einen Ausschnitt ihrer Arbeit finden Sie hier.  Die eigenen Ressourcen zu aktivieren, ist ihr daher ganz besonders wichtig. Helen Hollinger: «Wir schliessen unser Trauercafé immer mit freudigen, heilenden oder stärkenden Gedanken, manchmal auch mit einer heiteren Erinnerung an die verstorbene Person ab, um den Hinterbliebenen eine kurze, ganz bewusste Trauerpause zu ermöglichen.»

Viel Flexibilität in Albisrieden

Das Trauercafé in Zürich-Albisrieden, Kirchenkreis neun, ist ein ökumenisches Angebot und richtet sich an Menschen, die durch ein Ritual oder Gebet Trost suchen und finden. Es wird im Wechsel je ein halbes Jahr lang Pfarrerin Monika Hirt und ihrem katholischen Kollegen von der Pfarrei St. Konrad geleitet. «Leider hat sich unser Trauercafé noch nicht als Austausch-Treffen für Gleichgesinnte etabliert», sagt Monika Hirt. Corona habe das sicherlich erschwert. «Das Trauercafé ist aber auch dann wertvoll, wenn nur ein bis zwei Personen kommen. Es hat dann eher das Format eines ‘klassischen’ Seelsorgegespräches. Und das Trauercafé bietet im Gegensatz zu einem Seelsorgegespräch den Vorteil, unangemeldet vorbeizukommen», so die Pfarrerin.

«Trauer führt zum Leben»

Am Ende der Trauer steht die Zuwendung zu einem Leben, das sich verändert hat. Erfolgserlebnisse sieht Anne-Marie Müller in ihrer Arbeit immer wieder: «Plötzlich nehmen Trauernde wieder wahr, wenn es Frühling wird und freuen sich darüber. Manche verlieben sich auch neu oder gehen auf eine Reise. Sie nehmen wieder am Leben teil. Trauer sucht sich ihren Weg – und sie führt zum Leben.»

 


  

Ökumenischer Trauertreff im Kirchenkreis zehn
Pfarrerin Anne-Marie Müller, 043 311 40 54
jeweils jeden ersten Mittwoch vom Monat
Startet wieder Anfang November

 

Trauercafé Horizont, Kirchenkreis zwei
Kirchgemeindehaus Kilchbergstrasse 21, 8038 Zürich-Wollishofen (1. OG, Saal)
Pfarrer Jürg Baumgartner, 044 482 70 08
Sozialdiakonin Helen Hollinger, 044 485 40 33
Mittwochs 16.00-18.00 Uhr an folgenden Terminen:
25. August 2021
29. September 2021
27. Oktober 2021
24. November 2021
15. Dezember 2021

 

Trauercafé Zürich-Albisrieden
Foyer Neue Kirche Albisrieden oder Pfarrei St. Konrad
Pfarrerin Monika Hirt, 044 492 63 00
Jeweils am Freitag von 16 bis 17.30 Uhr an folgenden Terminen:
20. August 2021
1. Oktober 2021
29. Oktober 2021
26. November 2021
17. Dezember 2021
21. Januar 2022

Aktuell

Hier finden Sie eine Übersicht über die Angebote für Seelsorge und Beratung der Kirchgemeinde Zürich. Der Bereich wird ständig ausgebaut und aktualisiert.

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