«CON SORDINO»: DER STILLE LAUSCHEN


Perkus­sio­nist und Glocken­künstler Peter Conradin Zumthor um­man­telt für zwei Wochen vor Ostern die Glocken sämt­licher Alt­stadt­kirchen. Das Kunst­pro­jekt «con sordino» schärft die Sinne im Hin­blick auf den Kar­frei­tag.

Gedämmte_Glocken_henrique-ferreira-6p-I-X-sPUY-unsplashWegen ge­dämmter Glocken im Rahmen des Festi­vals Takt­los ist es in der Passions­zeit unge­wöhn­lich still in der Alt­stadt. © Henrique Ferreira, Unsplash



Kirchen­glocken sind nieman­dem gleich­gül­tig, denn sie sind Teil unser aller All­tags: Hörende und Gehör­lose, Gläubige und Nicht-Gläubige. Klang und Vibra­tion der Glocken sind Teil des öffent­lichen Stadt­raums und wert­volles Kultur­gut. Vom 16. März bis zum Kar­freitag, 29. März bringt Perkus­sio­nist und Glocken­künst­ler Peter Conradin Zumthor sämt­liche Glocken der Alt­stadt­kirchen anders zum Klingen. Nicht etwa lauter und voller, nein, im Gegen­teil: leiser, gedämpft. «Con sordino» eben, ein Be­griff aus der Noten­schrift. Er hält Musi­ker:innen dazu an, eine be­stimmte Passage eines Werks gedämpft zu spielen.

Wer merkt den Unterschied?

Das gleich­namige Kunst­pro­jekt bringt der Bünd­ner im Rahmen des Klang­festi­vals Takt­los nach Zürich. Peter Conradin Zumthor scheut dafür keine Mühen: In auf­wän­diger Hand­arbeit um­man­telt er die Glocken auf den Kirch­türmen vor Ort, Stunden­schlag und Geläut er­klingen danach merk­lich gedämmt. Die Stille senkt sich über die Alt­stadt – für Pfarrerin Cornelia Camichel Bromeis eine grosse Chance, gerade in der Fasten­zeit: «Was die Ab­weichung vom Ge­wohnten aus­machen kann – dafür möchten wir sensi­bili­sieren», so die Pfarrerin an der Kirche St. Peter. Der Auf­ruf «Weniger ist mehr» ist denn auch das Thema der öku­menischen Kam­pagne der Hilfs­werke Brot für alle, Fasten­opfer und Partner sein. «Was zum All­tag der Men­schen in Zürich gehört, ist plötz­lich anders», so die Pfarrerin. Und sie fragt sich: Wem wird es auffallen?

Wer leidet unter uns?
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Cornelia Camichel Bromeis lädt dazu ein, sich Ge­danken zu machen über den Wert des der Kirchen­glocken als Struk­turie­rung des All­tags – aber auch über ihre akus­tische Omni­prä­senz. «Wir können uns dem Glocken­schlag und dem Ge­läut nicht ent­ziehen. Die Kirch­gemeinde Zürich hat die Läut­ord­nung ange­passt. Doch die gene­relle Reiz­über­flutung ist ein Thema, gerade auch in unserer Stadt. Nicht nur für Men­schen mit einer Hoch­sensi­bili­tät kann das ein echtes Pro­blem sein.» Die ge­dämpften Glocken bieten die Ge­legen­heit, sich zu fragen: Wer leidet unter welchen ge­sell­schaft­lichen Ein­flüssen? In der Zeit auf Kar­frei­tag hin mit mehr Stille die Sinne zu schärfen – das sei das Ziel der Alt­stadt­kirchen. So werde man viel­leicht auch ver­mehrt hell­hörig auf die Be­dürf­nisse von Mit­menschen und Mit­welt. Und dann, nach einer beson­deren Glocken­kompo­sition von Rudolf H. Röttinger am Kar­samstag, er­klingt pünkt­lich zum Oster­sonn­tag das Ge­läut der Alt­stadt­kirchen wieder im präch­tigen Fortis­simo: Ein Aus­druck der Freude über das volle Leben, die Auf­er­stehung.




Zeit der gedämmten Glocken, 16.–30. März 2024

«Glockenkonzerte»

Samstag, 16. März 2024, 19.15–ca. 22.30 Uhr

Glocken­spaziergang: Zürcher Glocken - «con sordino» von Peter C. Zumthor

Start: Predigerkirche, Ende: Kirche St. Peter
Orgel­konzert am Anfang von Dominik Blum in der Prediger­kirche. Schluss­konzert mit Schlag­zeug und Harmo­nium, von Peter C. Zumthor und Felix Profos in der Kirche St. Peter

Weitere Infos und Tickets: ↗ Website Festival Taktlos

Karsamstag, 30. März 2024, 19 Uhr und 20 Uhr

Glockenkonzert

Nach der Zeit der gedämpf­ten Glocken er­wachen die Glocken der Innen­stadt­kirchen wieder zur Oster­nacht mit der Glocken­kompo­sition «Elijahu – Jesus» von Rudolf H. Röttinger. Der erste Satz «Elijahu» wird von 19–19.15 Uhr von Rudolf H. Röttinger im Glocken­turm der St. Anna­kapelle ge­spielt. Er ist an der Ecke Füssli­strasse – St. Anna­gasse zu hören. Der zweite Satz «Jesus» erklingt von 20–20.15 Uhr von den Türmen der Alt­stadt­kirchen. Am besten ist er vom Limmat­quai oder von der Münster­brücke aus zu ver­folgen.

↗ Zum Gesamtprogramm der Altstadtkirchen

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