Hier finden Sie eine Übersicht über die Angebote für Seelsorge und Beratung der Kirchgemeinde Zürich. Der Bereich wird ständig ausgebat und aktualisiert.

JUGENDARBEIT WÄHREND CORONA


Eine Vielzahl von Kontakteinschränkungen und -verboten, sich ständig verändernde BAG-Massnahmen und junge Menschen, die sich danach sehnen, unbeschwert Zeit zusammen zu verbringen: Die Jugendarbeit hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter aus drei Kirchenkreisen erzählen, wie Corona ihre Arbeit auf den Kopf gestellt hat.

Mit Gleichaltrigen zusammen sein, selbständig werden, sich von den Eltern ablösen, frei sein: Dies alles und noch viel mehr gehört normalerweise in die Jahre zwischen 13 und zwanzig – bis letztes Jahr die Ausbreitung des Coronavirus das öffentliche Leben lahmlegte und Kontaktverbote, Homeschooling und Uni-Fernunterricht mit sich brachte. «Als Corona aufkam, verfiel ich für einen Moment in eine Schockstarre», erzählt Sozialdiakonin Cynthia Honefeld aus dem Kirchenkreis zehn. Gleich darauf begann für die ausgebildete Sozialarbeiterin die fieberhafte Suche nach Alternativen, um den Jugendlichen eine Stütze zu sein, ohne ihnen physisch nahe zu kommen. Kommunikative Tools wie Handy, Whatsapp, Instagram oder Zoom wurden zum Lebensretter.

Auch Jugendarbeiterin Jeannine Keller aus dem Kirchenkreis elf hat das Handy während des ersten Lockdowns kaum mehr aus der Hand gelegt. Sie erinnert sich, dass sie während dieser ersten Zeit enorm viele Jugendliche aus dem Kirchenkreis angeschrieben hat, um den Kontakt aufrechtzuerhalten und sie in ihrer Lebensrealität abzuholen. Kamen Whatsapp-Sprachnachrichten von fünf bis sechs Minuten Länge zurück, war für die Jugendarbeiterin klar: Hier gibt es Redebedarf. «Sobald ich das bei jemandem gespürt habe, habe ich seine oder ihre Nummer gewählt», erzählt Jeannine Keller. Persönliches lasse sich nicht so gut via Textnachricht oder Sprachdienst besprechen. Auch Cynthia Honefeld erachtet es in ihrer Arbeit mit jungen Menschen als enorm wichtig, ihnen Raum zu geben und trotzdem für sie da zu sein. «Ich verbalisiere das auch so: «Ruf mich an, wenn du anstehst, egal um welche Uhrzeit», so die 30-jährige Deutsche, die seit drei Jahren in Zürich lebt.

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Die zusätzliche Zeit in Beziehungsarbeit gesteckt

Wegzudiskutieren ist es nicht: In vieler Hinsicht hat Corona die kirchliche Jugendarbeit zwar nicht verunmöglicht, aber sehr erschwert. Flexibilität war das Gebot der Stunde. «Die Lagerarbeit ist unser Schwerpunkt», sagt Peer-Jugendarbeiter und angehender Lehrer Simon Jaussi aus dem Kirchenkreis sieben acht. «Ein Lager mit einer guten Stimmung und einer guten Gemeinschaft schafft Inseln fürs Ich-Sein, wo man lachen kann und so akzeptiert wird, wie man ist. Das fehlt im Moment enorm.» Auch Jeannine Keller bestätigt: «Was die Jugendlichen im Moment am meisten vermissen, ist das unbeschwerte Zusammensein. Sie wünschen sich, gemeinsam ein Wochenende wegzufahren, am liebsten ins Ausland.» Beziehungen wachsen am stärksten durch gemeinsame Erlebnisse – das mache die Jugendarbeit unter Corona-Bedingungen zu einer Herausforderung. Auch Simon Jaussi sagt, dass die Teenager in seinem Kreis oft nicht von sich aus mit Problemen auf ihn zukämen. Die meisten Anknüpfungspunkten würden sich in den Lagern ergeben, wo die Jugendarbeiter und Jugendarbeiterinnen über längere Zeit hinweg mit den Jugendlichen zusammen sind, fernab vom Alltag. Der Umgang mit dem Gefühl der Isolation war laut Jeannine Keller von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich: «Einige haben durchaus neue Möglichkeiten gefunden, sich daheim zu beschäftigen, manche haben sich auch mit Schwächeren solidarisch gezeigt und so neue Seiten an sich entdeckt.»

Für Cynthia Honefeld hielt das Jahr neben all den schwierigen Momenten durchaus auch viele Geschenke bereit. «Ich habe all die Zeit, die ich normalerweise für die Planung und Durchführung von Workshops aufwende, vollumfänglich in die Beziehungsarbeit gesteckt.» Bereits im ersten Lockdown sei sie ins Freie ausgewichen und habe die Jugendlichen draussen getroffen, in kleinen Gruppen und gestaffelt. «Ich finde, man hat viel eher mal wirklich nachgefragt, wie es dem anderen geht.» Corona habe die Gruppe zusammengeschweisst und das Gefühl vermittelt, nicht allein zu sein. Das Grösste für sie als Sozialarbeiterin sei es, wenn sich Jugendliche ihr gegenüber öffnen – und etwas zurückkommt. So wie neulich, als sie von einem jungen Mann ein Foto aus einem Seilpark zugeschickt bekam mit der Botschaft: «Wir haben deinen Rat befolgt!» Zuvor hatte er ihr gegenüber den Wunsch geäussert: «Ich will endlich mal wieder fliegen.»


 Auf unserem Impulse-Blog stellen wir demnächst einige JUgendliche im Porträt vor und fragen sie, wie sie die Zeit der Pandemie erleben und was sie sich von der Kirche wünschen.

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