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«HAUS DER DIAKONIE» - EIN PROJEKTPLAN


Philipp Nussbaumer, Geschäftsführer der Streetchurch und Projektleiter für das «Haus der Diakonie», und Claudia Bretscher, Kirchenpflegerin mit dem Ressort Diakonie, im Interview zu dem geplanten Grossprojekt im Kirchgemeindehaus Wipkingen.

Claudia Bretscher und Philipp Nussbaumer_585 Foto Annick Ramp  reformiert.

  

Das Kirchgemeindehaus Wipkingen wurde 1931 als reformiertes Volkshaus gebaut. Jetzt ist das denkmalgeschützte Gebäude sanierungsbedürftig. Was hat die Kirchgemeinde Zürich mit diesem Gebäude vor?

Claudia Bretscher: Das Haus muss saniert werden und dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Es als Finanzliegenschaft zu nutzen, um Einnahmen für die Kirchgemeinde zu generieren. Oder als kirchliche Liegenschaft für ein eigenes Angebot. Wir plädieren dafür, dort ein «Haus der Diakonie» umzusetzen.

Philipp Nussbaumer: Als Streetchurch wurden wir vor circa fünf Jahren vom Vorstand des damaligen Stadtverbandes gebeten, zu prüfen, wie wir in Zukunft in einer kircheneigenen Liegenschaft beheimatet werden können. Wir wurden auf das Kirchgemeindehaus Wipkingen aufmerksam. Die Geschichte des reformierten Volkshauses hat uns inspiriert, dieses Haus wieder seinem eigentlichen Zweck zuzuführen. Das Haus zu einem «Haus der Diakonie» zu machen, einem Haus, das der Gesellschaft dient – und in dem die Streetchurch beheimatet ist.

 

Ein Haus der Diakonie – Heisst das, dass alle diakonischen Angebote der Kirchgemeinde Zürich dort zusammengeführt werden?

Bretscher: Nein, das heisst es überhaupt nicht. Die Diakonie vor Ort bleibt vor Ort. Es geht darum, ein neues diakonisches Angebot zu entwickeln, das die Diakonie vor Ort ergänzt.

Nussbaumer: Es wäre keine gute Strategie, die Diakonie der ganzen Kirchgemeinde Zürich in diesem Gebäude zu bündeln. Denn Diakonie lebt von der Nähe zu den Menschen. Und ein wichtiger Teil unserer kirchlichen Arbeit ist die Diakonie vor Ort, in den Quartieren der Kirchenkreise. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Diakonie am Weg, also Angebote, die ortsunabhängig sind. Beispiele dafür sind Streetchurch, kirchliche Sozialberatung oder Wegbegleitung. Das ist auch Diakonie nahe bei den Menschen, allerdings nicht an Orte gebunden, sondern an spezifische Zielgruppen. Es braucht beide Arten von Diakonie. Das Haus der Diakonie ist ein Projekt mit Strahlkraft, das die Diakonie der Kirchgemeinde insgesamt stärkt.

 

Was ist die Vision für das Projekt?

Nussbaumer: Das lässt sich einfach auf den Punkt bringen: «Tragende Gemeinschaft leben. Gelingendes Leben entdecken!» Heute befinden wir uns in einem Spannungsfeld. Die Zivilgesellschaft zeigt Engagement und versucht miteinander unterwegs zu sein. Zum Beispiel Initiativen der Nachbarschaftshilfe, wie wir sie auch jetzt erleben in diesen Zeiten. Dann gibt es den Staat, der mit der Sozialhilfe den klaren Auftrag hat, jedem Bürger und jeder Bürgerin das Leben auf einer sicheren Grundlage zu ermöglichen.

Entscheidend ist, beide Bereiche wieder in Bezug zueinander zu bringen. Und hier hat die Kirche, die zwischen Staat und Zivilgesellschaft agiert, grosse Möglichkeiten. Das Projekt «Haus der Diakonie» wird die Diakonie schärfen und den Mehrwert der Diakonie neu herausarbeiten.

Diakonie heisst nicht, wir machen das Gleiche wie der Staat. Es heisst aber auch nicht, wir machen das Gleiche wie die Zivilgesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, diakonische Angebote wieder stärker mit dem Leben von nachhaltiger, tragender Gemeinschaft zu verbinden.

  

Soll mit dem Projekt eine spezifische Zielgruppe angesprochen werden? Zum Beispiel Randständige, Junge oder ältere Personen?

Nussbaumer: Es werden ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen – und dabei orientieren wir uns an dem, was bereits vorhanden ist. Mit dem Haus der Diakonie werden wir nicht etwas Bestehendes wie beispielsweise die Sieberwerke kopieren. Zielgruppe wird aber auch nicht einfach der gut-bürgerliche Mittelstand sein, der in unserer Kirchgemeinde sowieso schon gut vertreten ist.

Der wirkliche Mehrwert im «Haus der Diakonie» wird dort liegen, wo es gelingt, unterschiedliche Zielgruppen und Milieus miteinander in Gemeinschaft zu bringen. Das ist das Ziel. Es geht nicht darum, ein paar tolle Angebote in einem Haus zu haben, die dann aneinander vorbei funktionieren. Sondern es muss gelingen, dass verschiedene Menschen miteinander an einem Tisch sitzen. Dabei orientieren wir uns an den Tischgemeinschaften von Jesus, wie sie im Neuen Testament überliefert sind. Bei Jesus sassen die unterschiedlichsten Menschen miteinander am Tisch. Oft entdeckten sie dabei, wie das Leben auch noch sein könnte.

  

Die Kirche hat ja manchmal die Tendenz, dass es für ganz normale Menschen kein Angebot gibt.

Bretscher: Genau das muss im «Haus der Diakonie» möglich sein. Ein neues Sozialzentrum der Stadt Zürich wird vis à vis des Kirchgemeindehauses Wipkingen einziehen. Auch diese Mitarbeitenden sollen im «Haus der Diakonie» einkehren können. Zum Beispiel zum Mittagessen vor Ort oder für eine Sitzung oder eine Konferenz. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Zielgruppen soll gefördert werden.

Das Haus der Diakonie soll auch in das Quartier ausstrahlen und für das Quartier einen Nutzen haben. Es soll dort ein Restaurant geben und die Möglichkeit, gemeinsam vor Ort zu essen. Das wird auch Personen ansprechen, die im Quartier wohnen und arbeiten.

 

Die Kirchenpflege hat am 11. März einen Grundsatzentscheid für das Haus der Diakonie gefällt. Wie geht es jetzt weiter?

Bretscher: Es gibt drei Bereiche, die jetzt vorangetrieben werden müssen. Der erste ist ein breit angelegter Partizipationsprozess. Die Menschen sollen wissen, um was es geht und sie sollen sich einbringen können. Der zweite ist das Planerwahlverfahren und die Vorbereitung des Projektierungskredits, der im nächsten Winter dem Parlament vorgelegt werden soll. Und der dritte Schritt ist, dass Philipp Nussbaumer das Betriebskonzept für das Haus der Diakonie konkretisiert. Ziel ist, dass das Haus im Idealfall im Jahr 2024 eröffnet wird.

Nussbaumer: Wichtig ist zu wissen, dass das Haus der Diakonie nicht einfach von der Kirchenpflege entschieden werden kann. Als nächstes braucht es einen Parlamentsentscheid. Und bevor mit dem Bau und der Realisierung begonnen wird, hat das reformierte Stimmvolk das letzte Wort. Es ist die reformierte Bevölkerung, die darüber entscheiden wird, ob sie das Haus der Diakonie und die damit verbundene Vision umsetzen will. Ob sie will, dass das diakonische Engagement unserer Kirchgemeinde in der Stadt Zürich und über die Stadt hinaus in der Gesellschaft gestärkt wird.

  

Aktuell ist das Zentrum für Migrationskirchen im Kirchgemeindehaus Wipkingen beheimatet. Was passiert mit dem Zentrum für Migrationskirchen?

Bretscher: Raum für Begegnung und Gottesdienst, was das Zentrum für Migrationskirchen heute den dort ansässigen Migrationsgemeinden bietet, wird es selbstverständlich auch im «Haus der Diakonie» geben. Nur werden die Räume nicht mehr exklusiv benutzt werden können. Dies ergibt sich auch aus den Bestrebungen der Kirchenpflege, eine bessere Raumnutzung in unseren öffentlichen Gebäuden zu erlangen.

Schon jetzt ist klar, dass das Zentrum für Migrationskirchen mit seinen im Kirchgemeindehaus Wipkingen ansässigen Gemeinden während der Totalsanierung des Gebäudes einen Ersatzstandort brauchen wird. Es kann durchaus sein, dass sich in diesem Zusammenhang auch neue Perspektiven für die Zukunft des Zentrums ergeben.

Nussbaumer: Raum und Platz sind bei dieser Fragestellung nicht das Problem. Vielmehr führt uns diese Frage zurück zur Vision für das «Haus der Diakonie»: Miteinander tragende Gemeinschaft leben, damit gelingendes Leben für Einzelne daraus entstehen kann. Das wird der Anspruch sein an Partner, Organisationen oder Projekte, die im Haus der Diakonie eine Heimat finden.

  

Ist denn jetzt die richtige und gute Zeit, um so ein grosses Projekt zu planen?

Nussbaumer: Die aktuelle Zeit zeigt, dass unsere Gesellschaft nicht auf so sicheren Beinen steht, wie wir selbst manchmal glauben. Es zeigt sich auch, dass der soziale Zusammenhalt in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu verhandelt und errungen werden muss. Wenn die Kirche dazu nichts zu sagen hat. Warum braucht es sie dann überhaupt noch? Genau jetzt ist die richtige Zeit für eine grosse Vision für die Diakonie. Nicht für die Sanierung des Gebäudes, sondern dafür, dass dort Gemeinschaft gefördert und gelingendes Leben entdeckt wird.

Reformiertes Volkshaus. Foto Baugeschichtliches Archiv Zürich_585

  

Das reformierte Volkshaus beherbergte ursprünglich auch ein öffentliches Volksbad und eine alkoholfreie Wirtschaft. Wird es diese Angebote auch im Haus der Diakonie geben?

Nussbaumer: Wir müssen nicht die damaligen Angebote neu beleben. Vielmehr müssen wir überlegen, was die damaligen Erbauer des Hauses sich gedacht haben. Was hat sie angetrieben, darin eine alkoholfreie Wirtschaft, ein Volksbad oder eine Mütterberatung zu beheimaten? Vielleicht sind ein Restaurant und eine Beratungsstelle auch heute hoch aktuell. Aber vielleicht braucht es kein Volksbad mehr, weil heute alle Menschen im Quartier in ihren eigenen vier Wänden über ein Bad verfügen. Aber vielleicht braucht es neue Angebote, in denen Menschen Ruhe finden, ihr Leben aufräumen und neu gestärkt weiterziehen können.

Bretscher: Das reformierte Volkshaus war damals für das Quartier ein wichtiger Ort und es soll auch in Zukunft ein wichtiger Ort sein. Das Gebäude hat eine gute Lage in Wipkingen. Nebenan entsteht ein neues Sozialzentrum, das Gemeinschaftszentrum ist nicht weit weg. In Richtung Hardbrücke entwickelt sich das Quartier schnell. Das Gebäude liegt mitten in der Gesellschaft und dort soll es auch mit seinem neuen Angebot wieder ankommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jutta Lang.


Radiobeitrag Life Channel am 30. März 2020 mit Philipp Nussbaumer über das «Haus der Diakonie»

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