Hier finden Sie eine Übersicht über die Angebote für Seelsorge und Beratung der Kirchgemeinde Zürich. Der Bereich wird ständig ausgebat und aktualisiert.

DER SEELE SORGE TRAGEN


Gottesdienste nur im kleinen Rahmen und mit strengen Auflagen. Oder online. Kein Singen, keine kirchlichen Veranstaltungen und kein Kaffee: Wegen der dringend notwendigen Covid-19- Massnahmen werden wertvolle Aufgaben der reformierten Kirchgemeinde Zürich stark beschränkt. Manche fragen sogar: Ist die Kirche denn überhaupt noch da? Ja, das ist sie, umso mehr in dieser Krisensituation, und zwar beispielsweise in der persönlichen Seelsorge.

Mit dem «Corona-Manifest der Zürcher Kirchen» bezieht die reformierte Kirchgemeinde Zürich zusammen mit der katholischen und christkatholischen Kirche in Zürich explizit Stellung. Sie nimmt ihre Aufgabe ernst, für Menschen da zu sein, und will zur Linderung von Not und Einsamkeit beitragen.

Soviel zu den Bekenntnissen. Doch wie können Sie konkret vorgehen, wenn Sie ein offenes Ohr brauchen für grosse oder kleine Lebensfragen? Wohin können Sie sich wenden in herausfordernden Situationen, bei Einsamkeit oder mit Sorgen? Und wer braucht überhaupt Seelsorge? Ein Gespräch mit der Diakonin Barbara Müller-Zwygart.

An wen richtet sich das Angebot Seelsorge?

Barbara Müller-Zwygart: Für alle, die ihrer Seele Sorge tragen möchten. Seelsorge hilft besonders Menschen, deren Herz gerade stark bewegt ist, sei es in einer schwierigen oder traurigen Situation oder auch einer besonders schönen. Seelsorge ist nicht dasselbe wie eine Therapie mit wiederkehrenden Sitzungen. Für manche Situationen und Personen können ein oder ein paar wenige Gespräche genug sein, um eine neue Perspektive einnehmen zu können. Die Seelsorgerin ist keine Therapeutin oder jemand, der fix und fertige Antworten liefert. Sie selbst sind Experte oder Expertin Ihres Lebens. In der Seelsorge geht es darum, dass Sie nicht alleine sind mit den Herausforderungen und Fragen, die Sie bewegen. Ein Seelsorger schenkt Ihnen Zeit, ein offenes Ohr und Anteilnahme an den ganz verschiedenen Situationen und Themen Ihres Lebens.

Was zeichnet kirchliche Seelsorge aus?

BMZ: Seelsorge wird natürlich nicht nur von der reformierten Kirchgemeinde Zürich angeboten, sondern von ganz verschiedenen Kirchen und von verschiedenen Religionsgemeinschaften. Wichtig ist nicht in erster Linie die Institution, sondern dass Sie sich wohlfühlen in einem Seelsorgegespräch. In einer kirchlichen Seelsorge kann, wenn dies gewünscht ist, auch ein Gebet oder ein helfender Leitspruch aus christlicher Literatur Teil des Gesprächs sein.

In der Kirche darf vorausgesetzt werden, dass Seelsorge auf Glaube, Liebe und Hoffnung basiert. Die grössere Dimension des Lebens und zentrale, herausfordernde Lebensfragen dürfen offen angesprochen werden. Diese Fragen werden ernst genommen und nicht mit einfachen Lösungen übertüncht. Gerade auch schwere Themen wie Krankheit, Sterben und Tod sollen in der Kirche offen thematisiert werden, die reformierte Kirchgemeinde Zürich hat sich dazu explizit im «Corona-Manifest der Zürcher Kirchen» bekannt.

Alle Seelsorgerinnen und Seelsorger unterstehen dem Seelsorgegeheimnis, Gespräche werden absolut vertraulich behandelt.

Welche Arten von Seelsorge gibt es? Was muss ich beachten, wenn ich einen Seelsorger oder eine  Seelsorgerin suche?

BMZ: Zunächst muss man herausfinden, welche Form von Seelsorge man sich wünscht. Seelsorge ist kreativ und kann auf verschiedene Arten gut funktionieren. Manche Menschen fühlen sich am wohlsten im persönlichen Gespräch, andere möchten sich lieber schriftlich austauschen, etwa per E-Mail. Wieder andere schätzen ein Telefongespräch, was gerade momentan Sinn macht: Warum nicht einmal einen Waldspaziergang machen und die grossen Fragen telefonisch besprechen? Ein gemeinsamer Spaziergang ist auch gut geeignet für Personen, welche ein Gespräch mit persönlichem Kontakt wünschen, aber trotzdem Sicherheitsmassnahmen einhalten wollen. Eine weitere Möglichkeit sind Gespräche online, mit oder ohne Kamera.

Dann ist es hilfreich, das eigene Thema, dass einen beschäftigt, genauer einzugrenzen. Für viele Themen gibt es Seelsorgerinnen und Seelsorger mit spezifischer Ausbildung oder eigener Lebenserfahrung in bestimmten Bereichen. Das Alter und auch die Lebenssituation können eine Rolle spielen, denn Seelsorge kann sich an verschiedene Altersgruppen wenden oder auch mit Paaren oder als Familie durchgeführt werden.

Ist es Ihnen wichtig, ob sie mit einer Frau oder einem Mann sprechen? Oder haben Sie sonstige Wünsche oder Vorstellungen bezüglich der Person, die Sie seelsorgerisch beraten soll? Ihre Bedürfnisse und Wünsche werden ernst genommen.

Vielleicht stehen Sie auch vor einer eher praktischen Herausforderung, haben vielleicht ein Anliegen, welches mehr in Richtung Beratung geht. Ein Beispiel wäre finanzielle Beratung oder Berufswahl. Auch dafür gibt es in der reformierten Kirchgemeinde Zürich kompetente Personen, die professionelle Sozialberatung der Streetchurch ist ein gutes Beispiel dafür.

Kommen bei einem Seelsorge-Gespräch Kosten auf mich zu?

BMZ: Finanzielle Fragen spielen bei der Seelsorge keine Rolle, denn Seelsorge ist grundsätzlich kostenlos.

Wo kann ich nach Seelsorge suchen?

BMZ: Vielleicht kennen Sie schon einen Seelsorger, eine Seelsorgerin, der Sie vertrauen und mit der Sie Kontakt aufnehmen können. Vielleicht fällt Ihnen nicht eine Person ein, sondern eher eine bestimmte Kirche oder ein kirchliches Projekt, das Sie bereits kennen und wo Sie sich wohlfühlen. Dann ist es sinnvoll, sich dort zu melden.

Wenn Sie niemanden kennen, ist es am besten, sich an die Pfarrperson Ihrer Kirche oder einer Kirche in Ihrer Nähe zu wenden und nach lokalen Angeboten und Kontakten für Seelsorge oder Beratung zu fragen. Die für Sie zuständige Pfarrperson finden Sie auf der Website der reformierten Kirchgemeinde Zürich, bei Ihrem Kirchenkreis. Pfarrpersonen sind gut ausgebildet für die Seelsorge, aber auch gut vernetzt. Sie kennen die Spezialgebiete ihrer Kolleginnen und KOllegen und können Sie allenfalls weiterverweisen.

Bei grösseren Notfallereignissen wie Unfällen, Naturkatastrophen oder aussergewöhnlichen Todesfällen kommen Notfallseelsorgerinnen und Notfallsellsorger zum Einsatz. Auch in der Notfallseelsorge leisten speziell ausgebildete Pfarrpersonen der reformierten Kirchgemeinde Zürich Pikett-Dienste. Die Notfallseelsorge wird normalerweise von Blaulicht-Organisationen aufgeboten, also Polizei, Feuerwehr oder Sanitätsdienst.

Auf was sollte ich achten bei der Wahl eines Seelsorgers, einer Seelsorgerin?

BMZ: Zunächst brauchen Sie eine Person, der Sie vertrauen, bei der Sie sich gehört und ernstgenommen fühlen.

Bei Bedarf können Sie dann gemeinsam herausfinden, ob eine weitere Beratung, Therapie oder ärztliche Behandlung sinnvoll wäre. Es macht Sinn einen Seelsorger zu wählen, der eine passende Ausbildung in diesem Bereich absolviert hat. Dadurch ist diese Person vernetzt mit anderen Fachpersonen und hat gelernt, gewisse Situationen realistisch einzuschätzen.

In so einer Ausbildung lernt die Seelsorgerin ausserdem, sich selbst zu schützen und zu reflektieren, sich abzugrenzen und mit belastenden Themen umzugehen. So kann ein Seelsorger Ihnen zuhören, ohne das Gehörte zu bewerten, nah und menschlich aber auch aus einer gesunden Distanz.


Barbara Müller-Zwygart_400

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