«DER MENSCH IN NOT STEHT IM ZENTRUM»


Darf man an einem Jubiläum lamentieren? Sollte da nicht eher eine Laudation, eine Lobeshymne gehalten werden? «Das Lob gehört nur Gott», sagt Pfarrer Christoph Sigrist an der Jubiläumsfeier zum 160. Geburtstag von Solidara Zürich in der Predigerkirche. Solidara gebe den Menschen in Not Raum für ihre Klagen. Deshalb sei eine Lamentatio angebrachter als eine Laudatio.


Beatrice Bänninger und Kurt Rentsch beim Jubiläum von Solidara. © Markus Breulmann Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist am 160. Geburtstag von Solidara. © Markus Breulmann Ein grosser Topf Suppe steht immer auf dem Herd. © Markus Breulmann


Solidara Zürich wurde 1862 als Zürcher Stadtmission gegründet. Es war die Zeit der Industrialisierung, viele Menschen zogen vom Land in die Stadt und lebten dort in elenden Verhältnissen. Von Anfang an stand die Fürsorge für Menschen in schwierigen Lebenssituationen im Vordergrund. Dies ist auch heute noch so.

Das Café Yucca hat täglich geöffnet

Das Café Yucca in der Häringstrasse ist Montag bis Samstag von 10.30 bis 13 Uhr geöffnet und Montag bis Sonntag von 15.15 bis 22 Uhr. «Zu uns kommen Menschen in schwierigen Lebenssituationen», sagt Kurt Rentsch, Teamleiter des Café Yucca. Das sind Menschen ohne Obdach, aber auch IV- oder Sozialhilfebezüger und Europawanderer. Tagein, tagaus öffnet sich die Tür und Menschen zwischen 16 bis 90 Jahren betreten das Café Yucca. Sie brauchen etwas Warmes zum Essen oder Trinken, saubere Kleidung, eine Beratung oder einen geschützten Platz, um sich ein wenig auszuruhen. Ein knappes Viertel der Besucher:innen sind Frauen. Warum so wenige? Wo Armut bekannterweise doch weiblich ist. «Frauen müssen anders vorsorgen, sich besser um sich selbst kümmern und sich anders organisieren» sagt Rentsch. Für Frauen sei ein Leben auf der Strasse oder am Rande der Gesellschaft nach wie vor gefährlicher als für Männer. Neben in der Schweiz lebenden Personen gehören mit fast 40% sogenannte Passanten oder Europawanderer zu den Nutzenden des Angebots.

Ein offfenes Ohr und freundliche Zuwendung

Im Café Yucca finden die Besucherinnen und Besucher ein offenes Ohr und freundliche Zuwendung. Sie bekommen ein warmes Essen (Rentsch: «ein grosser Topf Suppe steht immer auf dem Herd»), saubere Kleidung und bei Bedarf wird ihnen medizinische Versorgung vermittelt. Fragen zur Lebensgestaltung oder seelsorgerische Anliegen werden genau so ernst genommen wie materielle Sorgen. «In unserem Team arbeiten acht Sozialberaterinnen und -berater, zwei Köche, die auch die Reinigung übernehmen, und zwei Zivildienstleistende», sagt Rentsch. Die Beratung ist für alle kostenlos und ein Termin muss nicht vereinbart werden.

Interreligiöse Trägerschaft

Solidara wird tragend unterstützt von den reformierten und katholischen Kirchen in der Stadt und im Kanton Zürich, vom Bundesamt für Gesundheit, von der Gesundheitsdirektion Kanton Zürich und des Sozialdepartement Stadt Zürich. «Es gibt keine reformierte Suppe» sagt Pfarrer Christoph Sigrist, «es gibt nur gute Suppe.» Er spielt damit auf die interreligiöse Trägerschaft und die Kooperation mit anderen NGOs, der Stadt Zürich und der Nachbarschaft an. «Solidara ist ein relevanter Player für die soziale Stadt Zürich.» Und sie sei eine Pionierin in Sache Diakonie.

Hellhörig für die Klagen von Menschen in schwierigen Situationen

Im Café Yucca sei man hellhörig auf die Klagen von Menschen in Not, sagt Sigrist. Das sei gelebte, urbane Diakonie. Ins selbe Horn stösst Beatrice Bänninger, Geschäftsführerin von Solidara: «Wir freuen uns, dass wir einen Beitrag zu Diakonie in Tat umsetzen können.» Bei ihrer Arbeit stehe der Mensch in Not im Zentrum des Wirkens. «Wir sind sehr stolz und dankbar, dass die Kirchgemeinde Zürich zusammen mit den anderen Zürcher Kirchen Solidara so tragend unterstützt», sagt Bänninger.

Neben dem Café Yucca wird von Solidara mit Isla Victoria auch eine Beratung für Sexarbeiter:innen angeboten. Gemäss Sigrist basiert das Unterstützungsangebot von Solidara auf den drei Pfeilern: Beratung für Sexarbeiter:innen, für Obdachlose und Europawanderer und für Menschen, die an den Pfarrhaustüren anklopften.



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