Urban und vielfältig: Kirchenkreis vier fünf

WEG IN DEN KREIS 5


Anfang Mai hat Tania Oldenhage ihre Pfarrstelle an der Johanneskirche angetreten. Sie freut sich auf ihr neues Quartier und ist besonders gespannt darauf, wie Wort, Musik und Kunst in den Dialog gebracht werden können. Schon vor Stellenantritt hat die Pfarrerin allererste Eindrücke gesammelt.

Von der Europaallee laufe ich die Stufen zum Negrelli steg hinauf. Es ist ein kühler Dienstag­abend im April. Ein Pärchen joggt an mir vorbei. Ein Junge steht mit Kopfhörern am Brücken­ geländer, das Gesicht zum Himmel gewandt, die Augen geschlossen.

In der Mitte der Brücke bleibe ich stehen und schaue Richtung Westen. So oft schon bin ich auf diesen Bahnlinien aus der Stadt gefahren. Aber so wie jetzt habe ich sie noch nie gesehen. Verheissungsvoll verzweigen sich die Gleise ins Weite. Durch das Schutzgitter ist meine Sicht gebrochen, merkwürdig verpixelt, als wolle mich jemand daran erinnern, dem Fernweh noch eine Weile Zügel anzulegen. Ich wünschte, ich könnte malen, was ich fühle. Stattdessen nehme ich mein Handy und mache Fotos.

Mein Handy klickt. Ich höre das Geräusch der Züge auf den Bahnschienen. Ein ICE nähert sich. Eine S­-Bahn fährt Richtung Hardbrücke. Ich mag den Klang des öffentlichen Verkehrs. Es ist ein Zischen und Rattern und Singen. Vielleicht erinnern mich die Geräusche ans Unterwegssein. Vielleicht erinnern sie mich daran, dass die Welt unendlich viel grösser ist als mein kleines Leben.

Direkt unter mir fährt ein blauer SBB­ Zug in den Hauptbahnhof rein, und ich werde rausgeholt aus meinen Gedanken. Ich schaue dem Zug hinterher. Ich stelle mir die Menschen vor, die an diesem Dienstagabend in den Wagons sitzen. Mit ihren Masken und Handys und Terminen. Mit Kindern auf dem Schoss oder mit Sorgen im Kopf. Sie fahren zum HB, um einzukaufen, um umzu­steigen, um weiterzufahren, um Spass zu haben. Für manche fängt die Spätschicht an.

Da stehe ich auf der Brücke und versuche, all die Eindrücke in mich aufzunehmen. Den Klang der Schienen. Das Geflecht der Bahnlinien. Ich wünschte, ich wäre eine Künstlerin, so eine, wie Else Lasker ­Schüler sie einmal beschrieben hat. Die Kunst, schreibt sie, ist «Platzmachen für Gott». Vielleicht ist ja auch die Theologie eine Kunstform. Wie schön wäre das: eine Theologie, die Platz macht für Gott mitten auf dem Negrelli­ steg an einem kühlen Dienstagabend im April!

Schliesslich reisse ich mich los und laufe weiter in den Kreis 5, am Brockenhaus vorbei die Strasse entlang. Gleich beginnt in der Johanneskirche die Vesper. Ich freue mich. Bald werde ich in dieser Kirche als Pfarrerin beginnen.

Text von Tanja Oldenhage, Pfarrerin

 

Tania Oldenhage Gleis

 

 

 

Aktuell

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Die nächsten Gottesdienste & Vespern

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JUBILÄUMSANLÄSSE


Die Citykirche Offener St. Jakob feiert dieses Jahr ihr 30jähriges Bestehen. Zum Auftakt mit Aktions­tagen im Juni mit Themen, die dem City­kirchen-Team am Herzen liegen: Klima­gerechtig­keit und Engagement für geflüchtete Menschen. Das Programm und weitere Informationen zum Jubiläum finden Sie auf citykirche.ch.

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ABENDMUSIK IN DER JOHANNESKIRCHE ZÜRICH


Sonntag, 20.06.2021, 16:30 Uhr, Johannes­kirche   |   Im neuen Gottes­dienst­format treten Musik und Wort in einen intensiven Diskurs. Uralte Psalmen und Musik aus der euro­päischen Barock­zeit öffnen uns auf ihre Weise für die Not von Menschen auf der Flucht.171709.06.2021

ST. JAKOB OFFEN: KURZ-KONZERTE IM JUNI


Im Monat Juni lädt die Citykirche Offener St. Jakob jeden Freitag und Samstag freie Musiker*innen ein, den Kirchenraum mit Konzerten zum Klingen zu bringen, die sie derzeit auf Grund der Pandemie nirgends anders zur Aufführung bringen können oder absagen mussten.1717110.06.2021

DIAKONIE


Eine christliche Kernaufgabe
Diakonie kümmert sich um tragende soziale Kontakte und vermittelt Sinn und Würde. Durch gemeinschafts­fördernde Angebote stärken wir die Beziehungen im Quartier.

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Wöchentliche Dienstags­vesper in der Johannes­kirche

Dienstag, 15. Juni, 18.30 Uhr
«eingeladen» - Perkussions-Vesper mit Musik von Druckman u.a. - Luca Staffelbach, Marimbaphon / Pfarrerin Tania Oldenhage, Liturgie

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