Urban und vielfältig: Kirchenkreis vier fünf

INTERVIEW


Zum Ende ihrer Tätigkeit im Kirchenkreis vier fünf befragte ich Pfarrerin Ulrike Müller (UM) und Pfarrer Kristian Joób (KJ). Entstanden sind Antworten, die für das eigene Leben inspirieren. Herzlichen Dank!

Interview durchgeführt durch Liv Zumstein, Pfarrerin

Dein Tag: verrückt oder vernünftig
KJ: verrückt – da geschehen unerwartete Begegnungen, kommen neue Einsichten und tauchen überraschend Lösungen auf.
UM: Recht vernünftig.

Gegenwart oder Zukunft?
KJ: Zukunft – davon kann man träumen, darauf kann man hoffen.
UM: Zukunft, da ich gern gestalte, plane und immer mehr Ideen kommen, als ich Zeit habe. Aber gerade deshalb ist es mir auch ein ganz starkes Bedürfnis im Jetzt zu leben und Augenblicke wirklich wahrzunehmen und «drin» zu sein. Also auch Gegenwart!

Gebet oder Gespräch?
KJ: Gebet – richtet mich auf Gott aus, öffnet ungeahnte Räume.
UM: Ich brauche beides!

Trauung oder Beerdigung
KJ: Beerdigung – Ich kann Menschen in einer schwierigen Phase begleiten, unterstützen und Perspektiven eröffnen, die über den Tod hinausweisen.
UM: Wenn ich jemandem sage, dass ich Beerdigungen gern mache, ernte ich oft Erstaunen. Auf das Leben eines Menschen zurückblicken - mit Leuten aus seinem Umkreis - und zusammen dem nachzuspüren, was diesen Menschen ausgemacht hat und mir dann einen biblischen Text zuspielen zu lassen: Das ist ein unglaublich intensiver Prozess. Wenn es um so etwas Entscheidendes geht wie Tod oder Liebe, dann öffnet sich so viel - man/frau kommt einander sehr nah... Es ist ein Privileg daran teilzuhaben.

Samstag oder Sonntag?
KJ: Sonntag – ist für mich der Höhepunkt der Woche, wenn ich Gottesdienst feiern und anschlissend den Nachmittag und Abend frei und entspannt verbringen kann.
UM: Samstag, weil ich die Vorfreude auf etwas liebe. Die Vorfreude auf einen Tag, dem ich versuche ein anderes Gepräge zu geben, als den Werktagen. An diesem Tag muss nichts sein, es kann vieles sein. Erlebt habe ich das, als ich nach der Matura in einem jüdischen Alters- und Blinden-Haus in England gearbeitet habe: Der Schabbat, wie er dort gefeiert wurde, ein wunderbarer Frei-Raum-Tag!

Predigt oder Musik?
KJ: Predigt – ist mein Markenzeichen als Pfarrer: Da investiere ich viel, damit ringe ich, damit stehe ich gerne vor die Gemeinde.
UM: Predigt. Und da erwarte ich, etwas zu hören oder zu erleben, was neu ist für mich oder mir sehr nahe kommt. Und dann gibt es so tolle Musik, die mich zutiefst trifft...

Welt oder Paradies?
KJ: Paradies – ich sehne mich nach Harmonie, nach Frieden und Erfüllung.
UM: Welt. Aber Vorstellungen von Paradies brauche ich, weil sie ein Korrektiv sind. Sie entwerfen eine mögliche Welt und bestreiten, dass die vorfindliche Realität das einzig Mögliche ist. «Es gibt keine Alternative!» ist ein gottloser Satz.

 

Interview Joob & Muller c

 

Predigen oder zuhören?
KJ: Zuhören – ich darf mich beschenken und mir neue Horizonte zeigen lassen.
UM: Eigentlich müsste jedes Predigen aus einem sehr aufmerksamen Zuhören kommen. Aus einem Hören auf die Vielschichtigkeit des Textes, auf mich selbst und was er bei mir bewegt und im Hören auf das, was mir in der Woche mit Menschen und im Weltgeschehen begegnet ist.

Weihnachten oder Ostern?
KJ: Ostern – da bricht sich das Leben Bahn, ist voller Licht, Hoffnung und Schönheit.
UM: Immer stärker Ostern!

Bibel oder Zeitung?
KJ: Bibel am Tagesanfang und -Ende, dazwischen Zeitung.
UM: Zum Zmorge die Zeitung. Nach dem Zmorge die Bibel.

Röntgenplatz oder Turbinenplatz?
KJ: Röntgenplatz – ist gemütlicher, familiärer, mit angenehmeren Häusern rundherum.
UM: Turbinenplatz, weil ich die Etappen miterlebt habe, in denen er entstanden ist.

Arbeit oder Freizeit?
KJ: Arbeit – Ich bin bei den Menschen, am Puls des Lebens; sie ist oft intensiv, aber sie motiviert und gibt oft Erfüllung.
UM: Ich bin ja pensioniert und eigentlich heraus aus dem Arbeitsprozess....

Buch oder Podcast?
KJ: Buch – Ich mag das Blättern und wenn ich sehen kann, wo ich beim Lesen bin.
UM: Immer noch überwiegend: Buch.

Neues oder Bewährtes?
KJ: Neues – es fasziniert, bin eine neugierige Person.
UM: Bei der Einrichtung mixe ich gern. Nur das eine oder andere finde ich langweilig.

Schweigen oder reden?
KJ: Reden – Ich spreche gerne Menschen an und komme mit ihnen ins Gespräch.
UM: Ich würde so gern besser schweigen und Ungesagtes hören können!

Glauben oder Wissen?
KJ: Wissen – ich habe gerne Tatsachen, auch in der Theologie und in der Bibel. Glauben fordert mich immer stark heraus.
UM: Ich kann mir keinen Glauben vorstellen, der nicht auch wissen will. Sonst ist er weltfremd und abgehoben. «Alles soll so einfach gemacht werden wie möglich. – Aber nicht einfacher.» (Einstein). «Weisst du das oder glaubst du das nur?» sagt man/frau. Oft wird es so verstanden: Je mehr ich weiss, desto weniger muss ich glauben. Dann betrifft Glauben das an Wahrnehmung und Einstellung, was nicht oder noch nicht vom Wissen getragen ist. «Glauben» heißt für mich vielmehr, mich an etwas festmachen. Es ist das, worauf ich «stehe» – im Sinn der Basis meiner Identität. Der Glaube gehört zu meiner Innenausstattung – wie meine Haut, wie meine Sprache.

Anfangen oder aufhören?
KJ: Anfangen – «Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne».
UM: Ich empfinde es stark so, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt. Bei manchen Aufgaben war ich aber auch schon froh, dass ich sie beenden konnte.

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